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Europa

Polizei räumt Flüchtlingslager in Calais

Für viele afghanische Flüchtlinge war der "Dschungel von Calais" in Frankreich ihr Zuhause. Nun hat die französische Polizei das Lager geräumt - kritisch beobachtet von Menschenrechtsorganisationen.

Flüchtlinge und Polizisten (Foto: AP)

280 Flüchtlinge müssen das illegale Lager verlassen

Schon seit langem kämpft Frankreich gegen die illegalen Lager der Flüchtlinge in Calais. Am Dienstag (22.09.2009) haben 500 Sicherheitskräfte begonnen, diese Lager aufzulösen. Das Waldstück, das als erstes geräumt wurde, wird als "Dschungel von Calais" bezeichnet. Einwanderungsminister Eric Besson hatte diese Aktion bereits angekündigt. "Auf dem Territorium dieser Nation kann das Gesetz des Dschungels nicht ewig währen", sagte er.

Die Hoffnung auf ein neues Leben

Porträtfoto (Foto: dpa)

Frankreichs Einwanderungsminister Eric Besson

Viele Flüchtlinge, vor allem aus Afghanistan, lebten bislang im "Dschungel" in notdürftigen Unterkünften in den Dünen und warteten auf eine Möglichkeit, illegal über den Ärmelkanal oder durch den Tunnel nach Großbritannien zu kommen. "Ich habe schon oft versucht, mich in einem Laster zu verstecken, aber es hat nicht geklappt. Es gibt zu viele Checkpoints, wo sie uns rausholen", sagte einer von ihnen.

Für Einwanderungsminister Besson ist das Lager ein "Basislager für Menschenschmuggler". Rund 280 Menschen ohne Papiere sind hier am Dienstag festgenommen worden. Der Großteil der Flüchtlinge leistete keinen Widerstand. Doch sie hielten Spruchbänder hoch, auf denen stand "Frieden und Asyl" und "Wir brauchen eine Unterkunft und Schutz. Im 'Dschungel' sind wir zuhause".

Die illegalen Einwanderer haben laut Besson zwei Möglichkeiten: Sie können freiwillig und mit finanzieller Unterstützung in ihre Heimat zurückkehren oder einen Antrag auf Asyl stellen. Andernfalls droht ihnen die Zwangsausweisung. Ausnahmen würden für diejenigen gemacht, in deren Heimat die Lage zu unsicher sei. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR betonte, dass Frankreich die Asylsuchenden unterstützen solle. Gleichzeitig erkannte es das Recht der Behörden an, für Ordnung zu sorgen.

Wenige Kilometer vor dem Ziel ist Schluss

Demo hinter Lagerfeuer (Foto: ap)

Die Migranten demonstrierten, bevor sie abgeführt wurden

Zeitweise haben bis zu 1000 Flüchtlinge in den Lagern in Calais gelebt - unter erbärmlichen Bedingungen: Afghanen und Iraker kampierten auf den Grünstreifen. Flüchtlinge aus Eritrea, Somalia, Sudan und Äthiopien hatten leer stehende Häuser besetzt. Weil es für die Illegalen weder Duschen noch Toiletten gab, war in diesem Sommer die Krätze ausgebrochen.

Ein 24-jähriger Afghane sitzt auf Paletten, über die Plastikplanen gespannt sind. Mit fünf Männern lebt er in dieser Hütte, um sie herum ist der Boden mit Abfall und Gestrüpp übersät. Der Flüchtling will dem Krieg und Terror in seinem Land entkommen. Für die Flucht musste er sich 15.000 Euro borgen. Dass er ausgerechnet in Calais, nur 30 Kilometer von seinem Ziel entfernt, so elendig leben muss, hat er nicht geahnt. "Die Polizei kommt zwei oder dreimal pro Woche hierher, nimmt Flüchtlinge mit oder versprüht Tränengas. Aber wir müssen in Calais bleiben, weil wir noch diese letzte Grenze überwinden müssen. Es gibt kein Zurück für uns, wir müssen weiter", sagt er.

Lager räumen ist keine Lösung

Die Hilfsvereine glauben nicht, dass das Flüchtlingsproblem durch Räumungsaktionen gelöst werden kann. Schon seit Jahren werden regelmäßig solche Lager geschlossen, die Zahl der Illegalen bleibt trotzdem gleich. "Die Flüchtlinge werden sich außerhalb von Calais verstecken, und in ein paar Wochen sind sie wieder da und bilden ein neues Lager", sagt Abbé Jean-Pierre Boutoille, Mitglied des Hilfkollektivs "C-Sur".
(Bettina Kaps/kuk/az/dpa/AP)

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