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Aktuell Europa

Polizei nimmt nach Anschlag in Nizza weitere Verdächtige fest

Wegen des blutigen Lastwagenangriffs im südfranzösischen Nizza sind bereits fünf Personen in Gewahrsam. Jetzt nahm die Polizei einen weiteren Mann und eine Frau fest, die in Verbindung zum Attentäter stehen sollen.

Hausdurchsuchung der Polizei beim Attentäter (Foto: dpa)

Nach der Durchsuchung des Hauses des Attentäters nimmt die Polizei in Nizza weitere Verdächtige fest

Nach dem tödlichen Anschlag von Nizza sind zwei weitere Personen festgenommen worden. Es handele sich um einen Mann und eine Frau, verlautete aus Justizkreisen. Die Polizei hatte zuvor fünf Menschen aus dem Umfeld des Täters in Gewahrsam genommen, seine Ex-Frau und vier Männer. Sie sollen bei den Verhören ausgesagt haben, dass sich der Attentäter Mohamed Lahouaiej-Bouhlelein erst "kürzlich" radikalisiert habe. Lahouaiej-Bouhlelein verschickte nach Angaben aus Ermittlerkreisen noch kurz vor seiner Terrorattacke eine SMS. In der Textnachricht soll er sich erfreut darüber geäußert haben, dass er in den Besitz einer Schusswaffe gelangt sei.

Der Angreifer sei an den beiden Tagen vor dem Terrorakt mit seinem gemieten Lastwagen an der "Promenade des Anglais" gewesen, teilten die ermittelnden Behörden mit. Die Polizei habe seit der Attacke Hunderte Menschen befragt, von denen einige aussagten, Mohamed Lahouaiej-Bouhlelein habe Zeichen von Religiosität gezeigt.

In Nizza war der 31-jährige Tunesier am späten Donnerstagabend kurz nach dem Feuerwerk zum französischen Nationalfeiertag auf der Strandpromenade mit einem Lastwagen durch die feiernde Menschenmenge gefahren und hatte dabei 84 Menschen getötet und rund 300 Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt, bevor Polizisten ihn erschossen.

Schweigeminute am Montag

An diesem Montag soll die Proménade des Anglais in Nizza wieder komplett geöffnet werden. Das teilte das Bürgermeister-Büro der südfranzösischen Stadt mit.

Der französische Premierminister Manuel Valls zeigt sich derweil davon überzeugt, dass der Attentäter Mohamed Lahouaiej-Bouhlelein ein radikaler Islamist war - wenn auch erst seit kurzem. Dies sagte er der Zeitung "Journal du Dimanche". Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) rufe auch gezielt Einzeltäter, "die unseren Geheimdiensten unbekannt sind", zu Anschlägen auf.

IS reklamiert Attentat für sich

Die IS-Miliz beanspruchte den Anschlag am Samstag für sich. Sie erklärte über ihre Nachrichtenagentur Amak, der Täter sei ein "Soldat des Islamischen Staats". Eine Bestätigung von unabhängiger Seite liegt nicht vor. Der Attentäter war den französischen Geheimdiensten nicht als Islamist bekannt. Er trat lediglich im Zusammenhang mit Kleinkriminalität in Erscheinung und galt zudem als gewalttätig und depressiv.

Valls sagte in dem Interview, der Terrorismus werde "noch lange" zum Alltag der Franzosen gehören. Die terroristische Bedrohung dürfe aber nicht zu einer "Trumpisierung" führen, sagte er mit Blick auf den populistischen US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump. Die Franzosen dürften ihren Rechtsstaat und ihre Werte nicht in Frage stellen.

Video ansehen 02:09

Frankreich: Normalität Ausnahmezustand

Trauergottesdienst in Berlin

In Berlin kündigten die beiden großen Kirchen für Montag einen ökumenischen Trauergottesdienst im Dom an. Eingeladen sind vor allem Berliner Schüler und Lehrer, die sich während des Anschlags in der südfranzösischen Stadt aufhielten. Darüber hinaus stehe das Gedenken allen Berlinern offen. Unter den Anschlagsopfern waren eine Lehrerin und zwei Schüler von der Paula-Fürst-Gesamtschule aus Berlin, wie das zuständige Bezirksamt mitteilte.

Während des Anschlags sollen insgesamt Schülergruppen aus zehn Berliner Schulen in Nizza gewesen sein. Nach Angaben der Berliner Bildungsverwaltung kehrten am Samstag die letzten Jugendlichen und Betreuer von ihren Abi- und Klassenfahrten aus der südfranzösischen Stadt zurück.

kle/fab (dpa, rtre, epd, afp)

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