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Deutschland

Polizei macht Weg für Castor frei

Der Castor-Zug hat sein Ziel erreicht. Nach mehr als 67 Stunden Fahrt erreichte er Dannenberg im Wendland. Am Morgen hatte die Polizei eine Schienenblockade von mehr als 3000 Atomkraft-Gegnern beendet.

Castor-Zug (Foto: dpa)

Der Weg für den Castor-Zug ist wieder frei

Nach Angaben der Polizei verlief die Räumung der Gleise bei Harlingen im Wendland in der Nacht zum Montag (08.11.2010) weitgehend friedlich. Kurz vor sieben Uhr wurden die letzten Demonstranten weggetragen. Viele hatten die Gleise nach Aufforderung durch die Beamten freiwillig verlassen. Gut fünf Stunden waren die Polizisten mit der Aktion beschäftigt.

Einige der Protestierenden, die versucht hätten, zu den Schienen zurückzukehren, seien in Gewahrsam genommen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Zuvor hatte die Initiative "Widersetzen" das Vorgehen der Beamten kritisiert. Die Polizei halte sich nicht an die Absprache, dass die Demonstranten "ordnungsgemäß weggetragen" werden müssten. Stattdessen würden sie von den Gleisen heruntergezerrt.

Auf Lastwagen nach Gorleben

Polizisten nach der Räumung der Gleise (Foto: dapd)

Manche Polizisten waren mehr als 24 Stunden im Einsatz

Mehr als 3000 Castor-Gegner hatten die Bahnstrecke bei Harlingen blockiert und damit eine Weiterfahrt des Castor-Transports verhindert. Der Zug musste daher in Dahlenburg Halt machen, rund 30 Kilometer vor dem Zielort Dannenberg. Nach der Räumung am Morgen mussten zunächst die Gleise kontrolliert werden, dann konnte er seine Fahrt fortsetzen.

Die Bahn mit den Castor-Behältern transportiert deutschen Atommüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague. In Dannenberg werden die Castor-Behälter nun auf Lastwagen umgeladen und auf der Straße in das Zwischenlager Gorleben gebracht. Das Verladen dürfte rund 15 Stunden dauern.

Weitere Proteste geplant

Castor-Gegner am Lagerfeuer (Foto: dapd)

Protestteilnehmer wärmen sich am Lagerfeuer

Die Castor-Gegner im Wendland wollen sich nun auf die Sitzblockade auf der Straße direkt vor dem Zwischenlager in Gorleben konzentrieren. Eine Sprecherin der Protest-Initiative "x-tausendmalquer" sagte, nach wie vor seien mehr als 1600 Menschen auf der Straße. Die Gruppe sei entschlossen, bis zur Ankunft des Castor-Transports auszuharren. Zudem werden Zufahrtsstraßen von Treckern blockiert.

Am Sonntag war es vor der schwierigsten Etappe des Castor-Transports zu massiven Ausschreitungen gekommen. Die Polizei ging teils mit berittenen Beamten sowie Schlagstöcken, Wasserwerfern und Reizgas gegen die Demonstranten vor, die immer wieder versuchten, die Bahnstrecke von Lüneburg zum Verladebahnhof in Dannenberg zu besetzen und den Schotter aus dem Gleisbett zu räumen. Einige Demonstranten warfen Feuerwerkskörper, Stöcke und Erdklumpen auf die Polizei und setzten einen Räumpanzer in Brand.

Streit um Verteilung der Einsatzkosten

Castor-Gegner auf den Gleisen

Tausende Castor-Gegner hatten die Gleise blockiert

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erteilte derweil Forderungen aus Niedersachsen nach einer gerechteren Verteilung der Kosten für den massiven Polizeieinsatz beim Castor-Transport eine Absage. Es sei eine einheitliche Regel, dass die Bundesländer sich gegenseitig die Kosten für ihre eingesetzten Polizisten in Rechnung stellten, sagte Herrmann am Montag im Deutschlandfunk. So werde Niedersachsen für die rund 500 bayerischen Polizisten, die zur Sicherung des Castor-Transportes eingesetzt seien, aufkommen.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) hatte eine gerechtere Verteilung der Lasten gefordert, die durch die Absicherung der Transporte entstehen. Er beklagte, dass sein Land zwar eine nationale Aufgabe erfülle, aber allein für die 20 bis 25 Millionen Euro aufkommen müsse, die der Polizeieinsatz je Castor-Transport koste.

Autor: Thomas Grimmer (dapd, rtr, afp)
Redaktion: Martin Schrader

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