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Aktuell Deutschland

Polizei: Kein dringender Verdacht gegen Fahrdienstleiter

Nach dem Zugunglück in Bad Aibling sind die Bergungsarbeiten in vollem Gang. Die dritte Blackbox wird gesucht, die Ermittlungen laufen. Die Polizei schließt menschliches Versagen nicht aus.

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Bad Aibling: Suche nach Ursache geht weiter

Nach ersten Vernehmungen der Polizei ergibt sich im Zusammenhang mit dem Zugunglück von Bad Aibling kein dringender Verdacht gegen den Fahrdienstleiter, anders vorher berichtet. "Wir wehren uns vehement gegen dieses Gerücht", sagte Polizeisprecher Jürgen Thalmeier am Unglücksort im Hinblick auf entsprechende Berichte. Ein Fehler oder Vergehen des Diensthabenden könne zwar auch nicht ausgeschlossen werden; die Ermittlungen stünden noch am Anfang.

Unmittelbar nach dem Zusammenstoß der zwei Regionalzüge sei der Fahrdienstleiter befragt worden. Ein dringender Tatverdacht ergebe sich daraus nicht, betonte Thalmeier.

Eine 50-köpfige Sonderkommission der Kriminalpolizei arbeite inzwischen an dem Fall, gab Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bekannt. Zudem steht inzwischen die Identität von neun der zehn Opfer fest. Dabei handelt es sich um Männer im Alter von 24 bis 60 Jahre, wie Thalmeier sagte. Sie alle stammten aus der Region. Unter ihnen seien auch die zwei Lokführer sowie ein Lehr-Lokführer, der routinemäßig einen der beiden Männer auf seiner Fahrt begleitete.

Dritte Blackbox vermisst

Die zuständige Staatsanwaltschaft Traunstein will sich nicht weiter zum Stand der Ermittlungen äußern. "Zur genauen Ursache können derzeit noch keine Aussagen getroffen werden, die Ermittlungen stehen hier noch am Anfang", hieß es in einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.

Zu Informationen, wonach das Zugunglück auf menschliches Versagen zurückzuführen sein soll, wollte die Staatsanwaltschaft nichts sagen. Medien spekulieren, dass die Tragödie auf der Strecke Holzkirchen-Rosenheim durch menschliches Versagen ausgelöst worden war. Derzeit ermitteln die Beamten auch im Stellwerk von Bad Aibling. Auch würden derzeit Blackboxen aus den Zügen ausgewertet. "Das nimmt Zeit in Anspruch, und diese Zeit nehmen wir uns auch." Eine von drei Blackboxen wird noch immer unter den Trümmern vermutet.

Deutschland Zugunglück bei Bad Aibling - Horst Seehofer (Foto: REUTERS/Lukas Barth)

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer an der Unfalstelle

Seehofer: "Das Land trauert"

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Claudia Roth besuchten den Unglücksort. In einem fast eineinhalbstündigen Gespräch mit den Rettungskräften informierten sich Seehofer und andere Politiker über den Einsatz in Bad Aibling. "Das Land trauert und ist erschüttert", sagte Seehofer nach Angaben einer Sprecherin bei dem Termin hinter verschlossenen Türen im Rathaus der oberbayerischen Gemeinde, an dem auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, der bayrische Innenminister Joachim Herrmann und Bayerns Wirtschaftsmnisterin Ilse Aigner sowie zahlreiche Vertreter anderer Parteien teilnahmen. 700 Helfer waren insgesamt im Einsatz. Sie hätten die Anerkennung ganz Deutschlands sagte Seehofer und würdigte die gewaltige psychische und menschliche Leistung.

Am Mittwoch traf ein erster Spezialkran der Deutschen Bahn am Unfallort ein, wie das Unternehmen mitteilte. Am Vormittag wurde darauf gewartet, dass der Staatsanwalt die Unfallstelle freigibt. Am Dienstag hatten sich die Arbeiten als extrem schwierig erwiesen, weil die Unglücksstelle in einem Waldstück an einer Hangkante neben dem Flüsschen Mangfall liegt. Die Bergung der Trümmer wird wohl mehrere Tage dauern.

Polizei: Verletzte sind außer Lebensgefahr

Die Polizei rechnet derweil nicht mit weiteren Todesopfern. "Es wird niemand mehr vermisst", sagte ein Sprecher. Nachdem alle Personalien abgeglichen worden seien, dürfte sich kein Opfer mehr in den beiden Zügen befinden. "Es wird keine elfte Leiche geben." Nachdem ein Opfer am Dienstagabend im Krankenhaus gestorben war, liegt die Zahl der Schwerverletzten nun bei 17. Der Polizeisprecher zeigte sich zuversichtlich, dass sie alle überleben werden. "Wir dürfen optimistisch sein." 63 Reisende wurden zudem leicht verletzt.

Es ist das schwerste Bahnunglück in Bayern seit mehr als 40 Jahren. Am Dienstagmorgen waren zwei Nahverkehrszüge der privaten Bayerischen Oberlandbahn auf der eingleisigen Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim bei hohem Tempo frontal ineinander gekracht.

pab/qu (dpa)

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