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Aktuell Welt

Polizei: Geiselnehmer in Sydney war Einzeltäter

Nach dem blutigen Ende der Geiselnahme in Sydney schließt die Polizei aus, dass eine islamistische Gruppe dahinter steckt. Dennoch steht Australien unter Schock. Am Tatort legen viele zum Gedenken Blumen ab.

Wenige Stunden nach der

gewaltsamen Erstürmung eines Cafés

in Sydney hat der australische Regierungschef Tony Abbott auf einer Pressekonferenz nähere Angaben zum mutmaßlichen Geiselnehmer gemacht. Der Mann, der zunächst 17 Gäste des Cafés in seine Gewalt gebracht hatte, bevor er von der Polizei erschossen wurde, habe bereits zuvor etliche schwere Straftaten begangen.

Der 50-jährige radikale Iraner, dem Australien Asyl gewährt hatte, sei ein psychisch labiler Extremist gewesen. Seine Tat zeige, dass auch ein freies Land wie Australien jederzeit Ziel politisch motivierter Gewalt werden könne, sagte Abbott. "Wir werden daraus einige Lektionen lernen, wenn wir auch noch nicht genau wissen, welche", so der Premierminister.

Australiens Premierminister Tony Abbott (Foto: picture alliance/ZUMAPRESS.com)

Premier Abbott: "Psychisch labiler Einzeltäter"

Drei Tote bei Erstürmung

16 Stunden nach Beginn der Geiselnahme hatten Polizisten das Café erstürmt, das in der Nähe der berühmten Oper liegt. Dabei waren zwei Geiseln ums Leben gekommen: der 34 Jahre alte Manager des Cafés sowie eine 38-jährige Anwältin und Mutter von drei kleinen Kindern. Auch der Geiselnehmer kam um.

Weitere Menschen erlitten Verletzungen, die nicht lebensbedrohlich sind. Im Verlauf des Tages war es fünf Geiseln gelungen, das Café zu verlassen, in dessen Schaufenster der Täter schwarzweiße Fahnen mit dem muslimischen Glaubensbekenntnis hochhalten ließ.

Da auch die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) solche Flaggen benutzt, war zunächst befürchtet worden, dass eine islamistische Gruppe hinter der Geiselnahme steckt. Doch Polizeichef Andrew Scipione betonte auf einer Pressekonferenz, es habe sich um einen Einzeltäter gehandelt. "Dies sollte niemals unsere Art zu leben verändern oder zerstören."

Am Tatort entstand spontan eine Gedenkstätte für die Opfer. Zahlreiche Passanten legten im Geschäftsviertel der australischen Metropole Blumen nieder.

"Selbsternannter Kleriker und Geistheiler"

Nach einem Bericht der Zeitung "Sydney Morning Herald" hat der Kidnapper, ein gebürtiger Iraner und selbsternannter Kleriker, zwischen 2000 und 2002 als "Geistheiler" in einem Vorort von Sydney praktiziert. Dabei soll es auch zu zahlreichen sexuellen Übergriffen gekommen sein, weshalb gegen den Mann ermittelt worden sei. Überdies, so berichten australische Medien, habe er unter dem Verdacht gestanden, Komplize bei der Ermordung seiner früheren Frau gewesen zu sein.

Der Iran hat die Geiselnahme in Sydney unterdessen scharf verurteilt und den mutmaßlichen Täter als geistesgestört bezeichnet. Außenamtssprecherin Marsieh Afcham sagte, ihr Land habe die australischen Behörden mehrmals über den mentalen Zustand des iranischen Predigers informiert. Der Mann sei bereits vor fast 20 Jahren nach Australien ausgewandert und habe dort Asyl beantragt, so die Sprecherin.

Terrorangst flammt auf

Die Geiselnahme löste kurz vor Weihnachten bei vielen Menschen Angst vor Terrorakten aus. Seit einigen Monaten gilt in Australien die Terror-Alarmstufe drei von vier, was bedeutet: "Terroranschlag wahrscheinlich." Bei einer Großrazzia im September hatte die Polizei nach eigenen Angaben einen Anschlag auf australischem Boden vereitelt, bei dem ein beliebiger Passant auf der Straße entführt und enthauptet werden sollte. Australien beteiligt sich mit mehreren Hundert Elitesoldaten und Flugzeugen an der internationalen Allianz gegen die Terrormiliz IS in Syrien und im Irak.

jj/ml (dpa, afp, rtr)