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Aktuell Europa

Polizei entschuldigt sich bei Juden

70 Jahre nach der Deportation norwegischer Juden in Konzentrationslager der Nazis hat sich die Polizei in Oslo erstmals für ihre Beteiligung am Holocaust entschuldigt.

"Ich bitte im Namen der norwegischen Polizei und derer, die mit der Deportation norwegischer Juden in Konzentrationslager beauftragt waren, um Verzeihung", sagte Norwegens neuer Polizeichef Odd Reidar Humlegaard in Interviews mit Medien des skandinavischen Landes. Er bedauere die Rolle, die norwegische Polizisten bei der Festnahme und der Deportation der völlig unschuldigen Opfer gespielt hätten.

Die Entschuldigung des Polizeichefs fiel mit dem 70. Jahrestag der Deportation von 532 Juden aus dem im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht besetzten Norwegen zusammen. Sie waren mit dem Schiff nach Stettin und von dort in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (Artikelbild) transportiert worden. Insgesamt wurden nach Regierungsangaben während des Zweiten Weltkriegs 772 in Norwegen lebende Juden festgenommen und deportiert. Nur 34 von ihnen überlebten. Anfang des Jahres hatte sich bereits Regierungschef Jens Stoltenberg wegen der Deportationen entschuldigt.

Vertreter der jüdischen Gemeinde in Norwegen begrüßten die Bitte um Entschuldigung des Polizeichefs, auch wenn diese spät komme. "Es tut gut, das zu hören, aber es war auch höchste Zeit, dass die Entschuldigung kommt", sagte Samuel Steinmann, der letzte Überlebende der norwegischen Juden, die nach Auschwitz deportiert wurden, in einer Fernsehsendung.

Nach Angaben des norwegischen Holocaust-Zentrums waren bei den Deportationen auf Anweisung der mit den Nazis kollaborierenden Regierung ausschließlich Norweger im Einsatz. Der Nachname des 1942 von den Deutschen eingesetzten norwegischen Ministerpräsidenten, Vidkun Quisling, ist bis heute ein Synonym für Kollaboration und politischen Verrat.

wl/kle (dpa, afp)