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Europa

Politisches Erdbeben in Paris

Rechtsruck in Frankreich: Jean-Marie Le Pen hat sich für die Stichwahl um die französische Präsidentschaft qualifiziert. Der Rechtsextreme warf überraschenderweise Lionel Jospin von den Sozialisten aus dem Rennen.

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Le Pen ist wieder oben auf

Nach den vorläufigen Zahlen des Innenministeriums erhielt der 73-jährige Le Pen etwa 17 Prozent der Stimmen. Er schlug damit den sozialistischen Premierminister Lionel Jospin, der knapp unter 16 Prozent blieb. Damit kommt es am 5. Mai zu einem Duell zwischen dem konservativen Amtsinhaber Jacques Chirac - der die erste Runde mit fast 20 Prozent der Stimmen gewann - und Le Pen.

Die triumphale Rückkehr des Jean-Marie Le Pen

Auch wenn er am 5. Mai gegen Amtsinhaber Jacques Chirac chancenlos sein dürfte, kommt der Erfolg des 73-jährigen Le Pen einem politischen Erdbeben gleich. Immer wieder hatte er getönt, er werde den Einzug in die zweite Runde schaffen. Er sei nicht überrascht, versicherte der Triumphator am Sonntagabend.

Le Pen profitierte am Sonntag von einem konturlosen Wahlkampf und der daraus folgenden schwachen Wahlbeteiligung: Die hohe Wahlenthaltung von fast 28 Prozent schadete vor allem Premierminister Jospin, so Meinungsforscher. Alle Kommentaren rechneten mit einer Neuauflage des Duells zwischen Chirac und Jospin.

Wahlkampfthema Kriminalität

Wahl: Der französische Präsident Jacques Chirac bei der Stimmabgabe

Jacques Chirac .

Die Wahlthemen waren wie auf Le Pen zugeschnitten. Dafür hatte nicht zuletzt der amtierende Präsident Jacque Chirac gesorgt: Er setzte ganz auf die Angst der Franzosen vor der wachsenden Kriminalität. Die Attentate vom 11. September und Bluttaten wie der Amoklauf von Nanterre waren Wasser auf den Mühlen Le Pens.

Mit Parolen wie "Frankreich und die Franzosen zuerst" zielt der Rechtsextremist zudem auf diffuse Ängste vor Einwanderung und Überfremdung. Er macht Front gegen das Europa von Maastricht und verspricht Recht und Ordnung. Über die Wiedereinführung der Todesstrafe will er die Franzosen per Referendum abstimmen lassen.

Jospin tritt ab und wirbt für Chirac

Jospin im Schatten

Im Schatten: Lionel Jospin

Bei den Sozialisten herrschte am Sonntagabend zunächst fassungsloses Entsetzen. Der geschlagene Präsidentschaftskandidat und derzeitige Premierminister Lionel Jospin kündigte an, er werde sich nach dem Ende der Präsidentenwahlen aus der Politik zurückziehen. "Damit ziehe ich die Konsequenz aus diesem zutiefst enttäuschenden Ergebnis."

Zugleich erklärten führende Sozialisten, sie würden im zweiten Wahlgang Chirac unterstützen, um Le Pen zu verhindern. Dem Kandidaten des Front National werden allerdings keinerlei Chancen eingeräumt: Nach ersten Umfragen kann der amtierende Präsident Chirac mit drei Vierteln der Stimmen rechnen.

Böses Erwachen

Mehrere tausend Menschen demonstrierten nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses in Paris und anderen französischen Städten gegen Le Pen. Auf dem Pariser Platz der Republik strömten etwa 10.000 Menschen zusammen, unter ihnen zahlreiche Anhänger der Sozialisten. Die Demonstranten zogen mit Sprechchören wie "Nieder mit der Front National" zur Place de la Bastille. Auf Plakaten hieß es: "Ich schäme mich, Franzose zu sein." (hh/jf)

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