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Welt

Politischer Linksruck in Peru

Peru wird künftig von dem Linksnationalisten Ollanta Humala regiert. Der Ex-Offizier setzte sich knapp in einer Stichwahl durch. Für seine meist armen Anhänger ist er Hoffnungsträger, für seine Gegner Bürgerschreck.

Ollanta Humala (Foto: AP)

Sieg im zweiten Anlauf: Humala verkündet seinen Erfolg bei der Stichwahl

Keiko Fujimori (Foto: AP)

Trug die Niederlage mit Fassung: Keiko Fujimori

Nach Angaben der Wahlkommission am Montag (06.06.2011) in Lima lag Humala kurz vor Ende der Auszählung bei knapp 51 Prozent der Stimmen. Seine konservative Rivalin Keiko Fujimori kam danach auf gut 49 Prozent. Sie ist die Tochter des inzwischen im Gefängnis sitzenden ehemaligen Präsidenten Alberto Fujimori. Humala hatte bereits im ersten Wahlgang Anfang April gewonnen, jedoch die für einen Sieg notwendige absolute Mehrheit klar verfehlt.

Nobelpreisträger an seiner Seite

In den fast zwei Monaten Wahlkampf seither gewann er die Unterstützung des Literatur-Nobelpreisträgers Mario Vargas Llosa und des gemäßigten früheren Präsidenten Alejandro Toledo. Für Fujimori - und vor allem gegen Humala - sprachen sich der ehemalige Ministerpräsident Pablo Kuczynski und der Ex-Bürgermeister von Lima, Luis Castañeda, aus. Sie hatten im April den dritten und fünften Platz besetzt. Auch der Erzbischof von Lima und der überwiegende Teil der Presse betrieben eine mehr oder weniger offene Kampagne gegen Humala.

Lula da Silva (Foto: Nadia Pontes)

Humalas politisches Vorbild: Brasiliens Ex-Präsident da Silva

Noch vor fünf Jahren war Humala seinem Vorgänger in der Stichwahl unterlegen. Nach Ansicht politischer Wahlbeobachter hatte Perus neuer Staatschef diesmal dazugelernt und sich nicht mehr so nationalistisch wie ehedem präsentiert. Vor fünf Jahren ließ er sich noch vom venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez unterstützen und hatte dadurch viele Wähler verprellt. In diesem Wahlkampf suchte der 48-Jährige hingegen viel stärker die Nähe zu dem in Peru beliebten ehemaligen Präsidenten Brasiliens, Luiz Inácio Lula da Silva.

Wirtschaftswachstum von acht Prozent

Seiner Rivalin Fujimori, so heißt es, sei es hingegen nicht gelungen, aus dem Schatten ihres wegen Menschenrechtsverbrechen inhaftierten Vaters zu treten. Die konservative Kandidatin Fujimori war als Garantin für die Fortsetzung der liberalen Wirtschaftspolitik aufgetreten, die dem Andenland im vergangenen Jahrzehnt ein Wirtschaftswachstum von jährlich um die acht Prozent bescherte. Eine Armutsquote von immer noch 34 Prozent der Bevölkerung verlieh dagegen Humalas Forderung nach einer Umverteilung des nationalen Wohlstandes zugunsten der Benachteiligten Kraft.

Jubelnde Anhänger Humalas (Foto: AP)

Humalas Anhänger feiern ihren Sieg

Über eine parlamentarische Mehrheit verfügt der neue Staatschef allerdings nicht. Im neuen Parlament, dessen Zusammensetzung schon parallel zur ersten Wahlrunde bestimmt worden war, verfügt Humalas Koalition "Gana Perú" nur über 47 der 130 Sitze. Er wird deshalb voraussichtlich einen behutsamen und auf Kompromisse angewiesenen Regierungskurs steuern, um Brücken zu einem Teil dieser gemäßigten Mitte schlagen zu können.

Der Traum vom Staatschef

Ollanta Moisés Humala Tasso wurde am 26. Juni 1962 in Lima geboren. Politik spielte in seiner Familie immer eine große Rolle. Sein Vater soll ihm den Namen eines Inka-Generals gegeben haben, weil er davon träumte, dass sein Sohn eines Tages Staatschef werden würde. Allerdings sei sein Vater davon ausgegangen, dass der Sohn durch einen Staatsstreich an die Macht kommen werde. Humala aber wählte den Weg der Wahlen.

Autor: Gerd Winkelmann (dpa, afp, rtr, epd)
Redaktion: Eleonore Uhlich

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