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Kultur

Politischer Gefangener und Kultfigur

"Ich bin ein Revolutionär, und meine Waffe ist die Schreibmaschine. Redet nicht über mich, redet über all die anderen, die keine Stimme haben. Sorgt dafür, dass die Todesstrafe abgeschafft wird."

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Sein Konterfei auf T-Shirts und Postkarten: Mumia Abu Jamal

Mit diesen Worten macht Todestrakt-Insasse Mumia Abu-Jamal darauf aufmerksam, dass sein Schicksal kein Einzelschicksal ist. Abu-Jamal begreift sich als einer von vielen tausenden Menschen, denen die Vollstreckung ihrer Todesstrafe bevorsteht. Ebenso wie Menschen- und Bürgerrechtler tritt er für die Abschaffung der Todesstrafe ein und wird nicht müde, auf die Mängel von Gerichtsverfahren hinzuweisen. So spiele zum Beispiel der "Rassenfaktor" in vielen Prozessen eine wesentliche Rolle. In diesem Sinne bezeichnet Abu-Jamal sich stets als politischen Gefangenen. Seine Unterstützer sehen in ihm das Opfer einer rassistischen Polizei und Justiz.

Bewohner des Todestrakts ...

Aus dem Todestrakt stellt sich Abu-Jamal im Mai 1994 mit den folgenden Worten vor: "Ich heiße Mumia Abu-Jamal. Ich bin Journalist, Ehemann, Vater, Großvater und Afro-Amerikaner. Ich lebe in der am schnellsten wachsenden Wohnsiedlung Amerikas. 1981 war ich Reporter für WUHY FM und Präsident der Vereinigung Schwarzer Journalisten in Philadelphia. [...] Seit 13 Jahren bin ich Bewohner des Todestrakts von Pennsylvania."

Hinzuzufügen wäre vielleicht noch, dass er 1954 als Wesley Cook in Philadelphia, USA, geboren wurde, dass er mit 14 Jahren seinen Vornamen in "Mumia" änderte und mit 17 seinen ersten Sohn "Jamal" bekam. Seitdem nennt er sich Mumia Abu-Jamal. Die radikale "Black Panther Party", in die er mit 15 eintritt, verlässt er bald wieder und wird in den 70er Jahren einer der bekanntesten Rundfunkjournalisten Philadelphias. Seine kritische Berichterstattung über Rassismus und Polizeibrutalität in Philadelphia trägt ihm den Namen "Stimme der Unterdrückten" ein. Seit seiner Inhaftierung publiziert er vorwiegend Bücher und Aufsätze. Darin schreibt er beispielsweise über das Leben in der Todeszelle, prangert Willkür bei der Verfolgung Schwarzer an oder setzt sich kritisch mit dem US-Justizsystem auseinander.

... und Ehrenbürger von Paris

So sehr er sich auch als einer von vielen sieht und auf das Schicksal anderer Todeskandidaten oder Hinrichtungsopfer verweist: Sein Fall ist es, der weltweit für Aufsehen sorgte. Die Jahrestage seiner Verurteilung bringen in den USA und in Europa regelmäßig zahllose Menschen auf die Straße, die gegen seine Hinrichtung demonstrieren. Abu-Jamal ist eine der bekanntesten Symbolfiguren des weltweiten Protests gegen die Todesstrafe. Die Menschenrechtler sind überzeugt: Wenn Mumia Abu-Jamals Leben gerettet werden kann, bringt das auch neue Hoffnung für die mehr als 3.700 Menschen, die in den Todeszellen ausharren müssen.

Unter Linken ist er gleichermaßen Integrations- und Kultfigur. Sein Konterfei ziert T-Shirts, Plaketten, Aufkleber, Postkarten und zahlreiche weitere "Fanartikel". Immer mehr Prominente - von Harry Belafonte über Whoopi Goldberg bis Günter Grass und Nelson Mandela - reihten sich in die Protestbewegung ein. Paris ernannte ihn jüngst zum Ehrenbürger. Eine Ehre, die zuletzt im Jahr 1971 Pablo Picasso zuteil wurde. Die Stadt wollte dies als Ausdruck der Solidarität mit Abu-Jamal verstanden wissen, an dessen Schuld erhebliche Zweifel bestehen.

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