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Fokus Südosteuropa

Politische Gegner und Handelspartner

Trotz des Krieges Ende der 90er Jahre und die angespannten politischen Beziehungen sind Serbien und das Kosovo gute Handelspartner geblieben. Doch seit einiger Zeit bahnen sich auch auf diesem Gebiet Probleme an.

Kiste mit der Aufschrift Export (fotolia)

Die politische Spannung hindert allmählich den Handel

Das Kosovo ist ein Importland: Im vergangenen Jahr hat das Land Waren im Wert von fast zwei Milliarden Euro eingeführt, während der gesamte Export nur etwas mehr als 114 Millionen Euro betrug. Es wurden hauptsächlich Energierohstoffe, Nahrungsmittel, Maschinen sowie chemische Erzeugnisse importiert. Nach Angaben des Statistischen Amtes in Pristina kommen die meisten Importe aus Serbien: Sie machen 16 Prozent des gesamten Importumfangs aus, also jährlich circa 260 Millionen Euro.

Aus Serbien kommen vor allem Weizen und Mehl. Damit könne Belgrad den Preis des Brotes im Kosovo bestimmen, sagt Lumir Abdixhiku, Leiter des Instituts für wirtschaftliche Forschung und Entwicklung "Reinvest". Ende des vergangenen Jahres sei deshalb der Brotpreis im Kosovo um mehr als 30 Prozent gestiegen, so der Experte: "Dabei gehört das Brot zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln auf dem Balkan."

Junge Menschen mit der neuen Nationalflagge des Kosovo(AP Photo/Darko Bandic)

Junge Menschen feiern die Unabhängigkeit des Kosovo

Belastete Beziehungen

Seit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo vor drei Jahren gibt es in Serbien offiziell keine kosovarischen Produkte mehr: Nicht etwa, weil es dort keinen Bedarf mehr gibt, sondern weil Belgrad die Einfuhr von Waren mit dem Zollstempel "Republika Kosova" nicht zulässt. Dasselbe gilt auch für Bosnien-Herzegowina, das die Unabhängigkeit des Kosovo ebenfalls nicht anerkannt hat. Und das könnte für die Handelbeziehungen zwischen diesen Ländern sehr bald Folgen haben.

Im Mai 2011 hatte die Regierung des Kosovo entschieden, ab Mitte Juni etwas gegen das Importverbot zu unternehmen: Alle Waren, die aus Serbien und Bosnien-Herzegowina ins Kosovo eingeführt werden, sollten mit mindestens 10 Prozent Steuern belastet werden. Und das obwohl die drei Länder Mitglieder des Mitteleuropäischen Freihandelsabkommens CEFTA sind. Pristina sei jedoch von Vertretern der internationalen Gemeinschaft gebeten worden, diese Entscheidung bis zur nächsten Runde des Dialogs zwischen dem Kosovo und Serbien am 2. Juli in Brüssel zu verschieben, so die kosovarische Ministerin für Handel und Industrie Mimoza Kusari-Lila.

Die Geschäftsleute im Kosovo unterstützen die Entscheidung der Regierung. Das Kosovo solle sich wehren, sagt der Präsident der Handelskammer des Kosovo Safet Gerxhaliu: "Wir müssen zeigen, dass wir ein Staat sind." Im Kosovo wurden sogar schon Forderungen laut, die Regierung in Pristina solle die Einfuhr aller serbischen Produkte verbieten, falls die Verhandlungen in Brüssel scheitern. Die Kosovaren erwarten, dass Belgrad nachgeben und die Stempel der Republik Kosovo anerkennen wird. Damit wäre der Weg für die kosovarischen Produkte auf den serbischen Markt frei.

Flagge des Zentraleuropäischen Freihandelsabkommens (CEFTA)

CEFTA ist ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung der Region

Keine Lösung in Sicht

Die serbische Regierung betrachtet das Kosovo aber immer noch als eine Art Binnenmarkt und betont immer wieder, die Unabhängigkeit des Kosovo niemals anerkennen zu wollen. Einen Vertrag mit dem Kosovo zu unterzeichnen, käme für Serbien nicht in Frage, "weil es nicht um einen anerkannten Staat geht", so die offizielle Position Belgrads.

Dabei ist Belgrad an einem erfolgreichen Dialog mit Pristina interessiert, denn es hofft bis Ende des Jahres Beitrittsverhandlungen mit der EU aufnehmen zu können. Die Normalisierung der Beziehungen zwischen den Westbalkan-Staaten ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft in der EU.

Autor: Bahri Cani

Redakteur: Blagorodna Grigorova

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