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Wirtschaft

Politiker warnen EADS vor Produktionsverlagerungen

Die verspätete Auslieferung des Super-Jumbos A380 könnte den Luft- und Raumfahrtkonzern EADS Milliarden kosten. Jetzt steht eine Standortverlagerung nach Frankreich zur Debatte.

Mitarbeiter des Airbus-Konzerns in Frankreich

Mitarbeiter des Airbus-Konzerns in Frankreich

Führende deutsche Wirtschaftspolitiker haben den Airbus-Mutterkonzern EADS davor gewarnt, im Rahmen des neu aufgelegten Sparprogramms Produktionskapazitäten für den A380 von Deutschland nach Frankreich zu verlagern. "Eine solche Verlegung könnte die deutsche Politik nicht widerstandslos hinnehmen", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Laurenz Meyer. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos wird sich am Donnerstag mit Airbus-Chef Streiff treffen, um über die Lage zu sprechen.

Airbus hatte am Dienstag (3.10.2006) eine Verzögerung der Auslieferung des weltgrößten Passagierflugzeugs A380 um ein weiteres Jahr angekündigt. Das erste prestigeträchtige Serienflugzeug solle erst im Oktober 2007 statt noch in diesem Jahr ausgeliefert werden, die weiteren Maschinen werden ab 2008 ausgeliefert. Dadurch wird der operative Gewinn des Mutterkonzerns EADS vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 2006 bis 2010 insgesamt um 4,8 Milliarden Euro geringer ausfallen als erwartet. Die EADS-Aktien brachen daraufhin am Mittwoch zur Eröffnung des Handels um rund zehn Prozent auf 20,50 Euro ein.

Kein Kunde bislang abgesprungen

Singapore Airlines werde als Erstkunde seinen ersten A380 voraussichtlich im Oktober 2007 erhalten, sagte der neue Airbus-Chef Christian Streiff der Deutschen Presse-Agentur dpa in Paris. 2008 würden 13 Maschinen an die Kunden ausgeliefert. 2009 soll die Produktion auf 25 hochgefahren werden. "Erst ab 2010 werden wir eine Produktion von vier A380 pro Monat erreichen", sagte Streiff. Dann sollen 45 Maschinen ausgeliefert werden, darunter die ersten Frachter. 2010 soll der bisher größte Passagierjet der Welt für 555 Passagiere in der Grundversion auch erstmals einen positiven Beitrag zum Gewinn vor Steuern liefern.

Bisher sei kein Kunde abgesprungen, sagte Streiff. "Die Kunden sind vom Flugzeug überzeugt und versuchen, uns zu helfen." Emirates, mit 43 Bestellungen größter A380-Kunde, bekommt seine erste Maschine mit zehn Monaten Verspätung im August 2008. Die Gesellschaft prüft nach eigenen Angaben nun "alle Optionen", also auch den Kauf anderer Maschinen. Die Lufthansa, mit 15 Bestellungen zweitgrößter Kunde, nannte das Ausmaß der Verzögerung "überraschend". "Wir sind nach wie vor vom Erfolg des A380 überzeugt", sagte Konzernsprecher Klaus Walther. Lufthansa bekommt den ersten A380 nach eigenen Angaben nun erst 2009.

Kabelsalat

Die durch Verkabelungsprobleme hervorgerufenen Verzögerungen beim A380 führen bei Airbus zu Mindereinnahmen und Mehrkosten in Milliardenhöhe. Anders als noch im Juli angenommen wird auch das diesjährige Ergebnis mit 1,1 Milliarden Euro belastet.

Über das A380-Problem hinaus will Airbus mit einem Programm "Power8" verlorene Wettbewerbskraft zurückgewinnen. So soll die Produktivität binnen vier Jahren um 15 Prozent gesteigert werden. Über die Beschleunigung des Entwicklungsprogramms sollen fünf Milliarden Euro Barmittel eingespart werden. Außerdem sollen die Kosten um 30 Prozent gedrückt werden. Das werde nicht ohne den Abbau von Arbeitsplätzen gehen, sagte Streiff. Wie viele Stellen betroffen seien, werde sich im Dialog mit den Gewerkschaften ergeben. Airbus denkt dabei offenbar auch an den Abbau von Fristverträgen, vorzeitige Ruhestandsregelungen und eine Senkung der Arbeitszeiten.

Die Fertigung werde komplett unter die Lupe genommen, ein Ergebnis soll innerhalb von vier Monaten vorliegen. Airbus hat 16 Fertigungsstandorte in mehreren europäischen Ländern, darunter die beiden Hauptmontagelinien in Toulouse und Hamburg. In Berichten hatte es geheißen, die A380-Produktion könne ganz nach Toulouse verlagert werden, Hamburg könne stattdessen den A320 fertigen. (stl/ina)

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