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Wirtschaft

Politiker und Pipeline-Verleger

Japans Ministerpräsident Koizumi reist dieser Tage durch Europa, um den Wiederaufbau des Iraks zu besprechen. In seiner Heimat stehen japanische Öl-Konzerne bereits in den Startlöchern. Sie hoffen auf gute Geschäfte.

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Iraks Ölraffinerien können Hilfe gebrauchen - bloß von wem? Die Helfer stehen Schlange.

Japan sieht beim Wiederaufbau des Iraks auch Chancen für die eigenen Ölkonzerne. Die Regierung in Tokio sowie japanische Unternehmen, die schon vor dem ersten Golfkrieg in den Aufbau von Energie- und anderen Industrieanlagen im Irak investiert hatten, wollen dabei eine aktive Rolle spielen. Eine Regierungsdelegation aus Tokio ließ die USA laut Medienberichten dieser Tage wissen, dass japanische Unternehmen bereit stünden, sich aktiv an Wiederaufbauprojekten zu beteiligen. Die Regierung wolle dies unterstützen. Dabei sehen die Japaner Chancen, sich einen Teil des riesigen Ölreichtums im Irak zu sichern.

Attraktives Öl

Irak, das über die zweitgrößten Erdölreserven der Welt verfügt, biete ein "großes Potenzial", sagte Hidekazu Takakura, stellvertretender Direktor der Rohstoff- und Energiebehörde des Industrieministeriums in Tokio. Die Ölvorkommen seien zwar nicht der unmittelbare Anlass für Japans Kooperationsbemühungen beim Wiederaufbau des Landes, versicherte Takakura, fügte aber hinzu: "Ich sage nicht, dass das Öl im Irak nicht attraktiv ist."

Japan ist auf Öl aus der Region stark angewiesen. 88 Prozent seines Ölbedarfs deckt das Land mit Importen aus dem Mittleren Osten ab, der Rest kommt aus Südostasien. Bisher war der Anteil Iraks an Japans Öleinfuhren nie sehr hoch. Zur Zeit des ersten Golfkrieges betrug er nur etwa zwei bis drei Prozent. Nach den jüngsten Zahlen vom Jahr 2002 waren es sogar nur 0,3 Prozent. Es sei aber zu erwarten, dass der Irak die Produktion wieder ankurbeln wird, um damit auch das Land wieder aufzubauen. Wie viel das sein werde, bleibe abzuwarten, zumal Länder wie die OPEC-Mitglieder daran interessiert seien, Preisschwankungen zu vermeiden, sagte Takakura.

Abhängigkeit

Noch ist weder Japan noch seine Industrie dabei, in Sachen Öl im Irak groß aktiv zu werden. Da man aber über Erfahrungen bei der Ölförderung verfüge, sehe er zukünftig Chancen zu einer Kooperation zwischen dem Irak und japanischen Konzernen, sagte Takakura. Andererseits hat der Irak-Krieg den Japanern erneut vor Augen geführt, wie einseitig sie vom "schwarzen Gold" aus dem Mittleren Osten abhängig sind.

Vor diesem Hintergrund ist Japan darum bemüht, neue, stabilere Lieferanten zu suchen. Im Auge haben die Japaner dabei eines der größten Infrastrukturprojekte Russlands: Die Erschließung riesiger Ölvorkommen in Ostsibirien und der Bau einer 4000 Kilometer langen Pipeline zum Hafen Nakhoda gegenüber Japan.

Japan konkurriert dabei mit China. Die Chinesen hatten den Russen die Teilfinanzierung einer Pipeline bis Nordostchina angeboten. Tokio möchte im Gegenzug, dass die Pipeline weiter Richtung Japan gebaut wird und bietet dafür umfangreiche Mittel zur Deckung der Bau- und Erschließungskosten an. Eine Entscheidung könnte Russland im Mai treffen. Allerdings war sie zuvor schon einmal verschoben worden, heißt es in der japanischen Energiebehörde. Sollte Japan mit seinem Angebot den Zuschlag erhalten, könnte das Land nach Fertigstellung der Pipeline in möglicherweise fünf bis sechs Jahren künftig 25 Prozent seines Erdölbedarfs mit Öl aus Russland abdecken, heißt es. Das Projekt sei von "großer Bedeutung" für Japans Energieplanung. (dpa)

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