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Sport

Politiker mischen bei der Olympiavergabe mit

Wenn der Ausrichter der Olympischen Sommerspiele 2016 bekanntgegeben wird, dann zittern nicht nur die vier Kandidaten. Nein, auch die vier Regierungschefs der Länder werden Stoßgebete zum Himmel schicken.

Jacques Rogge, der Präsident des IOC Foto: How Hwee Young (c) dpa

IOC-Präsdent Jacques Rogge freut sich über das politische Interesse

Längst hat es das Internationale Olympische Komitee (IOC) geschafft, derartige Entscheidungen zum Big Business zu machen. Nur vordergründig geht es darum, wo "die Jugend der Welt" im Jahr 2016 "in fairem Wettstreit" um olympische Medaillen kämpft. Tatsächlich geht es um Milliarden.

Allein schon die Etats der Organisationskomitees für den Bau der Sportstätten, des Olympischen Dorfes und die Durchführung der Spiele liegen jeweils zwischen 2,5 und 3,8 Milliarden Dollar, dazu kommen noch weitere Infrastrukturmaßnahmen in den Städten, die Umsätze der Hotellerie, Gastronomie und der Reiseindustrie, das gesamte Merchandising, die Werbeindustrie, die Sportartikelhersteller und die Umsätze auf dem Medienmarkt, die ja längst nicht mehr nur aus den Fernsehrechten bestehen.

Politiker kommen in Scharen

US-Präsident Barack Obama (AP Photo/Charles Dharapak)

Selbst US-Präsident Barack Obama kommt

Welche Bedeutung dieser eigentlich sportlichen Entscheidung auch durch die Politik beigemessen wird, zeigt der Blick auf die Bewerbungsteams: Der spanische König Juan Carlos und Premierminister Jose Luis Rodriguez Zapatero treten für Madrid ein, der japanische Premier Yukio Hatoyama für Tokio, Brasiliens Präsident Lula da Silva wirbt für Rio de Janeiro und obwohl US-Präsident Barack Obama eigentlich gar keine Zeit hat, lässt er es sich nicht nehmen, einen fünfstündigen Kurzaufenthalt in Kopenhagen einzulegen, um Chicago zu helfen.

Dazu kommen noch ganze Heerscharen weiterer Politiker, Prominenter und natürlich Sportstars von heute und einst aus den jeweiligen Ländern. Mehr im Hintergrund halten sich die Wirtschaftsführer aus aller Welt, die zwar auf jeden Fall ihr Geschäft mit den Spielen machen werden, aber natürlich auch ihren Favoriten haben, der ihnen einen höheren Gewinn verspricht.

IOC genießt Aufmerksamkeit

Beim IOC sieht man die Anwesenheit ranghoher Politiker durchaus gerne – obwohl der Ethikcode des IOC der Lobbyarbeit eigentlich enge Grenzen setzt: "Wir fühlen uns geehrt, wenn hochrangige Vertreter eines Landes kommen. Es zeigt, dass sie hinter der Bewerbung stehen", meint IOC-Präsident Jacques Rogge.

Diese direkte und offene Einflussnahme der Politiker ist relativ neu – hinter den Kulissen wurde aber immer schon kräftig mitgemischt. Premierminister Tony Blair war 2005 der erste, der völlig unverblümt für London als Ausrichter 2012 warb und einen uninspirierten französischen Präsidenten Jacques Chirac und damit auch Paris aus dem Feld schlug. 2007 setzte Wladimir Putin praktisch ganz allein Sotschi als Ausrichter der Winterspiele 2014 durch.

Knappes Rennen für 2016

Angesichts der wirtschaftlichen und politischen Aspekte rückt gerne in den Hintergrund, dass es tatsächlich darum geht, den geeignetsten Ort zu finden, an dem rund 12000 Athleten um mehr als 300 olympische Goldmedaillen kämpfen werden.

DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach FOTO: Pressefoto ULMER/Claus Cremer

Nicht nur Dr. Thomas erwartet ein enges Rennen

Dass alle vier Städte die Spiele hervorragend ausrichten können, hat die Evaluierungskommission des IOC in ihrem Abschlussbericht deutlich gemacht. Jetzt entscheiden Kleinigkeiten, Bündnisse – und eben vielleicht auch die anwesenden Politiker. Es wird eine knappe Entscheidung, meint nicht nur das deutsche IOC-Mitglied und DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach. Das ist allerdings nicht ungewöhnlich. Bei den letzten vier Olympiavergaben lagen zwischen dem Sieger und dem Zweiten maximal vier Stimmen.

Als Favorit gilt allgemein Chicago, die USA waren mit Atlanta 1996 zuletzt an der Reihe. Als härtester Konkurrent wird Rio gesehen, schließlich war der Kontinent noch nie Gastgeber Olympischer Spiele. Allerdings richtet Brasilien ja schon die Fußball-WM 2014 aus - ein Nachteil? Chancenlos ist eigentlich Madrid, da mit London schon 2012 eine europäische Stadt Gastgeber ist. Und für Tokio dürften wohl die Spiele 2008 in Peking der Stolperstein sein.

Doch vielleicht kommt alles ganz anders – das IOC war schon immer für Überraschungen gut. Man denke nur an die Spiele 1996, als alle anlässlich des Jubiläumsjahres auf Athen setzten und dann Atlanta den Zuschlag bekam. Alles ist möglich am Freitag, wenn es in Kopenhagen gegen 18.45 wieder einmal heißt: "And the winner is…"

Autor: Wolfgang van Kann
Redaktion: Stefan Nestler

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