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Deutschland

Politiker-Blogs: Noch keine Bereicherung der Blogosphäre

Bloggen ist angesagt. Auch politisch Interessierte und Politiker haben diese Kommunikationsform für sich entdeckt. Doch was hat der User davon? Nico Lumma, Initiator von wahlblog.de, über Sinn und Unsinn der Polit-Blogs.

Im letzten Präsidentschaftswahlkampf war das Weblog von Howard Dean eine Neuerung in der politischen Landschaft und wurde dementsprechend stark beachtet. In den USA hat eine Vielzahl von politischen Weblogs zu einer Art Online-Mobilisierung geführt und insbesondere beim Eintreiben von Klein-Spenden ordentliche Erfolge erzielt. Zwar kann man den Wahlkampf in den USA nicht 1:1 auf den Wahlkampf in Deutschland übertragen, aber dennoch sind einige Aspekte des amerikanischen Online-Wahlkampfes jetzt auch in Deutschland zu beobachten.

Meinungsbildung online

Nicht alle Parteien nutzen bislang Weblogs, Vorreiter sind ist hier die SPD, die schon auf gute Erfahrungen mit dem Blog blog.nrwspd.de aus dem NRW-Wahlkampf verweisen kann. Die SPD setzt mit ihren Blog-Portalen roteblogs.de und notizblogg.de auf die Stimmen der Mitglieder und Unterstützer. Das Einmischen und Überzeugen soll nicht mehr nur am Stammtisch und am Infostand erfolgen, sondern auch online mit Weblogs. Die alte Forderung von Johannes Rau, durch den "Mundfunk" die Menschen zu überzeugen und zur Wahlurne zu bringen, wurde quasi in den Online-Bereich übertragen. Bei den anderen Parteien scheint es bislang keine Bestrebungen geben, Blogs für den Wahlkampf zu nutzen, hier setzen nur einige Kandidaten Blogs für den Wahlkampf ein.

Neben den ersten Anfängen bei den Parteien gibt es mittlerweile eine Fülle von politischen Weblogs, die sich entweder als halbwegs ausgewogene Gruppenblogs präsentieren, oder einseitig Stellung beziehen. Hier ist eine deutliche Politisierung der Blogosphäre zu sehen, die teilweise auf einem ansprechenden Niveau geführt wird. Ein Blick auf lautgeben.de, wahlblog.de oder wahlblog05.de zeigt, was gerade an Themen eine Rolle spielt.

Blog ist nicht gleich Blog

Im Gegensatz dazu gibt es eine Fülle von Politiker-Weblogs, die bei AOL, Focus oder anderen Plattformen ihr Dasein fristen und in der Regel zeigen, dass das spezielle Format der Weblogs nicht verstanden wurde. Der Tiefpunkt wurde mit dem Start der Politiker-Tagebücher auf AOL erreicht und der Pressemitteilung von Petra Pau mit der Anmerkung, man würde jetzt sechs Millionen Leser erreichen können. Das zeigt deutlich, wie wenig das Medium Internet verstanden wird und wie wenig es eine Rolle im Wahlkampfkonzept der Frau Pau spielt.

Überhaupt hat man bei vielen Politiker-Blogs den Eindruck, hier befindet sich jemand in seiner eigenen Blase. Es wird wenig zitiert, es wird nicht auf andere Blogs eingegangen, und letztendlich wird das, was Blogs spannend macht, nämlich die Vernetzung und das Führen einer Diskussion über die Grenzen des eigenen Weblogs hinweg, gar nicht umgesetzt. Das Argument, man habe im Wahlkampf keine Zeit für so etwas, zieht nicht wirklich, denn erstens kann man bei der Zeiteinteilung Prioritäten setzen und zweitens machen Tools wie Blogstats.de das Verfolgen von Diskussionen in Weblogs sehr einfach.

Schmunzeln in der Blogosphäre

Blogs spielen in diesem Wahlkampf eine Rolle, aber anders, als sich die Parteien es vorstellen. Denn die Politiker-Blogs werden eher mit Schmunzeln oder Kopfschütteln zur Kenntnis genommen, nicht aber als wirkliche Bereicherung der Blogosphäre. Im Gegensatz dazu ziehen die Blogs von Unterstützern oder die Gruppenblogs zur Wahl viele User an sich und stellen sich der Diskussion. Die Diskussionen verlaufen teilweise auf hohem Niveau, teilweise ist ein Niveau nicht zu erkennen. Blogs spiegeln in diesem Sinne das wieder, was Politiker bei Diskussionen am Infostand auch erleben können. Man sollte sich der Diskussion stellen und gut mitlesen.

Nico Lumma

Nico Lumma bezeichnet sich selbst als "Chief Executive Blogger" von Blogg.de und Blogstats.de.Außerdem hat er das Projekt wahlblog.de gestartet.

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