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Deutschland

Politik trifft Anschlagsopfer

Der Vorsitzende des Neonazi-Untersuchungsausschusses, Sebastian Edathy, hat sich mit Opfern der Bombenanschläge von 2001 und 2004 in Köln getroffen. Doch das Interesse der Betroffenen war scheinbar nicht so groß.

Sie wurden verletzt, zum Teil schwer. Sie wurden verdächtigt, die Anschläge selbst begangen zu haben. Und sie sind traumatisiert - die Opfer der Terroranschläge in Köln von 2001 und 2004. Vor 11 Jahren wurde eine Deutsch-Iranerin bei einem Anschlag auf ein Lebensmittelgeschäft in Köln verwundet. Drei Jahre später explodierte in der Kölner Keupstraße eine Nagelbombe. In der überwiegend von Türken bewohnten Straße wurden 22 Menschen verletzt. Erst im vergangenen Jahr kam heraus, dass die Neonazi-Organisation NSU hinter beiden Anschlägen gestanden haben soll.

Tatortfoto (Foto:dpa)

Die Anschläge von Köln sind noch heute traumatisierend für die Opfer

Jetzt kam der Vorsitzende des Neonazi-Untersuchungsausschusses Sebastian Edathy nach Köln, um mit den Opfern zu sprechen. An dem Treffen nahmen unter anderen auch die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Opfer Barbara John sowie Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers teil. Doch nur neun Menschen, die damals vom Anschlag selbst betroffen waren oder die Angehörige von Opfern sind, waren bei dem Gespräch dabei. Das Treffen unter Ausschluss der Öffentlichkeit dauerte fast dreieinhalb Stunden. Auch während der anschließenden Pressekonferenz wollten die Vertreter der Opfer nicht über die damaligen Ereignisse sprechen. Sie wollten nicht in die Öffentlichkeit, sondern ihr früheres Leben weiterführen, so Barbara John.

"Zweimal Opfer"

Barbara John, (Foto:dpa)

Setzt sich für die Opfer der Neonazigruppe NSU ein: Barbara John

Die Opfer des Anschlags in der Keupstraße hätten vielseitige Probleme, hieß es. Für viele habe sich das Leben grundsätzlich verändert, sagte John: "Weil es gesundheitliche Dauerprobleme gibt, weil man aus dem Beruf gerissen worden ist, weil soziale Beziehungen gestört worden sind, auch durch den Verdacht, [selbst an den Anschlägen beteiligt zu sein,] der ganz offen ausgesprochen worden ist". Auch Edathy betonte, dass ihm durch die Gespräche klarer geworden ist, wie traumatisierend die Ereignisse gewesen seien. Diese Menschen seien zweimal Opfer geworden: wegen einer schweren Straftat und wegen falscher Verdächtigungen.

Der Untersuchungsausschuss will seinen Abschlussbericht im nächsten Jahr vorlegen. Edathy meinte, es werde auch darum gehen müssen, ob künftig die Langzeitbetreuung traumatisierter Anschlagsopfer anders als bisher organisiert werden müsse. Opfer solcher Anschläge bräuchten Zuwendung und feste Ansprechpartner.

Hoffnung auf besseren Opferschutz

Wie das konkret aussehen soll, blieb allerdings noch unklar. Ersan Atan, der in der Veranstaltung seinen Vater vertrat, sagte, dass die Gespräche sehr offen und teilweise auch sehr persönlich gewesen seien. Politiker hätten ihnen zugehört und seien auf das Leid der Opfer eingegangen. Aber wird jetzt wirklich etwas für die Opfer getan? Ersan Atan gibt sich optimistisch: "Ich hoffe."

Auch der Rechtsanwalt Reinhard Schön, der fünf Opferfamilien vertritt, sieht die Gespräche verhalten positiv: "Es geht einigen Opfern sehr schlecht. Es hat Ansätze von Zusagen gegeben, dass Hilfestellungen gebracht werden sollen." Der Opferschutz und die Opferbetreuung seien über Jahre zu kurz gekommen und fingen erst jetzt an, zu greifen: "Wir sind um jede einzelne Hilfe froh."