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Forum

Politik direkt Forum vom 28. 05. 2009

"Sollte die doppelte Staatsbürgerschaft erlaubt sein?"

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Informationen zum Thema:

Deutscher oder Ausländer - warum immer mehr Jugendliche sich entscheiden müssen

Die ersten Deutschtürken und andere junge Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft müssen sich jetzt für ein Land entscheiden. Die noch von der rot-grünen Regierung beschlossene Reform des Staatsbürgerschaftsrechts macht das erforderlich. Jetzt erhalten zwar die seit 1990 hier geborenen Kinder von EU-Ausländern zusätzlich zur Staatsangehörigkeit ihrer Eltern auch die deutsche. Aber sie müssen sich zwischen dem 18. und 23. Lebensjahr für eine entscheiden. Deutscher oder Ausländer? Wir portraitieren zwei Fälle: Esra Ünal, 19 Jahre, Schülerin aus Berlin, hat sich für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden, wurde dazu sogar von Bundeskanzlerin Angela Merkel beglückwünscht. Erdi Yurtsever, 19 Jahre, Abiturient aus Nürnberg, will sich bewusst nicht festlegen, will beide Staatsbürgerschaften behalten. Sollte es in den kommenden Jahren keine andere Regelung geben, will er sogar vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

Unsere Frage lautet:

"Sollte die doppelte Staatsbürgerschaft erlaubt sein?"

Antworten unserer Zuschauer:

Karl Heinrich Pflumm, USA:

"Ich habe mich vor 30 Jahren entschlossen, die US-Staatsbürgerschaft anzunehmen um meine Mutter in den USA zu unterstützen. Sie ist dann vor zwei Jahren nach Deutschland zurückgekehrt, und plötzlich war ich in der Sackgasse. Wäre ich damals in der Lage gewesen, meinen deutschen Pass zu behalten, hätte ich ihr folgen können, um ihr in Deutschland zu helfen. Mittlerweile gibt es zwar die Möglichkeit einen 'Doppelpass' zu haben, aber für mich ist der Zug endgültig abgefahren. (...) Ich meine, es ist an der Zeit, dass die deutsche Regierung ihre 'preußische' Weltsicht überdenkt und ihren Bürgern beweist, dass sie pragmatischen Lösungen gegenüber offen ist."

Irina Golenkova, Russland:

"Globalisierung und Mobilität über Grenzen (hinweg) haben doppelte kulturelle Identitäten kreiert, was mit dem traditionellen Staatsangehörigkeitskonzept einfach nicht mehr übereinstimmt. Es ist aber extrem wichtig, die Idee der Staatsbürgerschaft in den modernen Nationalstaaten anders zu konzipieren und flexibler zu machen. Es ist heutzutage extrem wichtig für Deutschland als multikulturellen Land die doppelte Staatsbürgerschaft zu erlauben. Daraus wird Deutschland nicht nur kulturell profitieren, sondern auch wirtschaftlich. Z. B. 'Brain drain' (der Verlust an geistigem Potential, d.Red.) ist ein potenzielles Risiko für Deutschland - und die besten Köpfe mit der doppelten kulturellen Identitäten können als Protest gegen Abgabe des zweiten Passes einfach in ein flexibleres Land ziehen (und unten den besten Köpfen sind oft diejenige, die für Multikulturalität und Flexibilität sind!). Und was noch gefährlicher ist: Die Abschaffung der doppelten Staatsangehörigkeit kann auch zum (Anstieg, d.Red.) des Nationalismus in der jüngeren Generation in Deutschland beitragen, was z.B. in Russland schon ein ziemlich großes Problem ist."

Frieda Stommel, Kanada:

"Da ich der Meinung bin, dass man die Staatsbürgerschaft des Landes annehmen sollte, in dem man seinen momentanen Lebensmittelpunkt hat, bedeutet das für mich, dass ich 2011 (wir sind 2008 ausgewandert) die kanadische Staatsbürgerschaft beantragen werde. Das aber bedeutet traurigerweise, dass ich meine bisherige Staatsbürgerschaft, die deutsche, deswegen aberkannt bekomme, obwohl ich 62 Jahre lang Deutsche gewesen bin und im Grunde auch immer sein werde. Und es liegt nur am deutschen Staat, Kanada würde das Beibehalten der deutschen Staatsangehörigkeit akzeptieren. Das gleiche gilt für meine Tochter, die jetzt aber doch endlich die kanadische Staatsbürgerschaft beantragt hat. Deutschland sollte unbedingt umdenken."

Kurt Unger, Kanada:

"Eine Doppelpassregelung wäre für Deutschland besonders nachteilig, da besonders muslimische bzw. türkische Migranten in erster Linie wegen der großzügigen Sozialleistungen ins Land kommen, nicht weil sie sich für Land, Leute, Kultur etc. interessieren. Die ablehnende Haltung weiter Kreise die deutsche Sprache in Wort und Schrift zu lernen, die überproportional hohen Arbeitslosenzahlen, die mangelhaften Leistungen der Schüler, die Parallelgesellschaft, die sich abschottet und unter sich bleiben will, sprechen hier eine eindeutige Sprache. Der deutsche Steuerzahler muss dafür Milliarden Jahr für Jahr auf den Tisch legen, ohne jede Aussicht auf Besserung. Wenn man nun, wie SPD und Grüne es wollen, eine Doppelstaatsbürgerschaft beschließt, entfällt jedes noch so kleine Interesse, sich zu integrieren. (...) Was Deutschland braucht, sind gut ausgebildete jüngere Migranten, die sich voll integrieren möchten und als Gegenleistung zur Aufnahme eine Leistung erbringen und nicht Sand im Getriebe sind. (...) Es hat sich gezeigt, dass Japaner, Chinesen, Inder mit entsprechender Ausbildung oft sich bestens integrieren und deren Kinder durch Eltern angeleitet gute, wenn nicht hervorragende Leistung in Schulen erbringen. Darauf sollten sich künftige Bemühungen richten (...)."

Tobias Schmitz, Mexiko:

"(...) Meiner Meinung nach braucht Deutschland Ausländer um bestehen zu können! Dies will nicht heißen, dass wir kulturarm sind, sondern dass schlicht und einfach andere Kulturen auch positiv zu unserem Land beitragen können."

Redouan Boulkrif, Deutschland:

"Das Nichterlauben von zwei Staatsangehörigkeiten ist in der Zeit der Globalisierung und der kulturellen Vielfalt ein falscher Schritt. Wenn man in einem Land lebt und aus einem anderem Land kommt, dann hat man (nicht nur eine) Heimat. Deshalb soll es auch erlaubt sein, zwei Staatsangehörigkeiten zu haben."

Tom Clyde, China:

"(...) Ich bin der Ansicht, dass eine Regierung die Leute nicht dazu drängen sollte, sich für eine Nationalität zu entscheiden. Auf der anderen Seite kann ich nicht beurteilen, ob es vielleicht doch zur Integration beiträgt, wenn die doppelte Staatsangehörigkeit untersagt ist."

René Junghans, Brasilien:

"Die doppelte Staatsbürgerschaft sollte auf jeden Fall erlaubt sein. Man kann in Deutschland geborenen Kindern ausländischer Eltern nicht aufzwingen, sich einerseits für ihr Geburtsland zu entscheiden, andererseits sich aber gegen die eigenen Eltern zu entscheiden. Die kulturellen Wurzeln sind in manchen Ländern so tief, die kann man nicht einfach rausreißen, indem man die Kinder zu einer bestimmten Staatsbürgerschaft zwingt. Man stelle sich vor, die Kinder wollen eines Tages in die Heimat ihrer Vorfahren auswandern, dort würden sie als Ausländer angesehen, eventuell gar als Verräter ihrer Herkunft verfolgt und geschädigt - siehe fanatische islamische Länder. Ich selbst stand fast mein ganzes Leben lang vor dem Dilemma, ob ich die brasilianische Staatsbürgerschaft annehme oder weiterhin meine deutsche Staatsbürgerschaft behalte, denn ich lebe seit 37 Jahren in Brasilien. Ich bin weiterhin deutscher Staatsbürger, obwohl das vor allem auf dem Arbeitsmarkt in Brasilien nachteilige Auswirkungen hatte, denn man ist praktisch nur auf deutsche Arbeitgeber angewiesen, da Brasilianer nur dann Ausländer (anstellen dürfen, d. Red.), wenn ein Brasilianer den Job nicht verrichten kann. Bei hoher Arbeitslosenquote ist das schon ein Problem. Meine Kinder dagegen sind Brasilianer und sind stolz darauf. Sollten sie sich mal entscheiden in Europa zu leben, werden sie sicher auf Vorurteile stoßen."

Michael Stanek, Brasilien:

"Aber selbstverständlich sollte man die doppelte Staatsbürgerschaft einführen. In einer freien Gesellschaft sollte jeder das Recht haben, sich dort legitim aufzuhalten, wo auch immer er möchte. Solange niemand straffällig wird, sehe ich kein Problem darin."

Paul A. Stadelmann, Venezuela:

"Seit Jahren trage ich zwei Pässe und musste mir noch nie die Frage stellen, zu welchem Land ich nun gehöre. Meine Wurzeln liegen im einen und das Leben im andern! Es ist in meinen Augen eine leidige (Gängelei, d.Red.) von Politikern, die sich mit solchen Mätzchen profilieren wollen. Das Volk ist der Staat und nicht die Regierungen. Diese Ein-Passregelung ist für Deutschland eine Schande in unserer Zeit."

Ferenc Deak, Rumänien:

"Meiner Meinung nach sollte die doppelte Staatsbürgerschaft erlaubt sein."

Victor Chan, USA:

"Deutschland sollte nicht alle politischen Regelungen anderer EU-Staaten übernehmen. Die doppelte Staatsbürgerschaft zum Beispiel sollte nicht erlaubt sein. Ein Staatsbürger zu sein bedeutet auch, sich mit der Geschichte der Nation und mit der Gesellschaft zu identifizieren. Egal, ob man ein Einwanderer ist oder deutsche Wurzeln hat, man muss sich verantwortlich für sein Land fühlen. Wenn Einwanderer in Deutschland nicht auf ihre andere Staatsbürgerschaft verzichten wollen, dann muss man ihre Integration verbessern. Wahre Integration heißt, Deutschland als seine Heimat zu begreifen."

Axel Werner, Deutschland:

"Als ich in Frankreich geheiratet habe, hatte ich automatisch Anspruch auf einen französischen Pass. Dann erfuhr ich aber, dass mir sofort der deutsche Pass entzogen würde. Angesichts dieser jämmerlichen Pickelhaubenmentalität haben wir alles gelassen, wie es war, und hoffen darauf, dass wir es noch erleben, eines Tages einen blauen Pass mit 12 Sternen zu bekommen: Bürger Europas."

Lee S. Davis, USA:

"Als Amerikaner kann ich Ihre Frage gar nicht verstehen. Wir Amerikaner reisen nicht viel und brauchen von daher unseren Pass gar nicht. Insofern ist bei uns der Pass kein großes Thema. Wenn man Bürger der USA sein will, braucht man nur einen Pass, den amerikanischen. (...)"

Warren Berstler, USA:

"Meine deutsche Mutter hat mich seinerzeit zur Adoption freigegeben. Deswegen interessiere ich mich für eine zweite Staatsangehörigkeit, obwohl ich schon als kleiner Junge Amerikaner geworden bin. Ich wurde 1959 von einem Amerikaner und einer Deutschen adoptiert, deswegen finde ich, dass ich ein Recht auf beide Staatsangehörigkeiten habe. In Deutschland sollte gelten: Zwei Pässe ja, wenn die Person in Deutschland geboren wurde."

Gerhard Seeger, Philippinen:

"Deutschland braucht keine Ausnahme zu machen, wenn es doch schon in anderen Ländern seit einiger Zeit erlaubt ist. Aber natürlich ist auch hier etwas Vorsicht ratsam. Wie haben sie sich bisher geführt? Wer war schon mit dem Gesetz in Konflikt oder gehört gar einer radikalen Gruppierung an? Auf die Gefahr hin, als voreingenommen eingestuft zu werden, meine ich, dass man besonders Muslime darauf überprüfen (müsste, d.Red.). Sie sollten nur eine Staatsbürgerschaft haben. Den anderen könnte man zwei zugestehen."

Erwin Scholz, Costa Rica:

"Ob weiß, schwarz, gelb, verwaschen mehr,

du hast als Mensch es wirklich schwer.

Die Bürokraten nerven dich

als ob "Deutsch-Türk sein Abart glich."

Hannelore Krause, Deutschland:

"Eine Doppelstaatsbürgerschaft mit all ihren Rechten und Pflichten sollte erlaubt sein. Zum einen für das Land, wo die jeweiligen Wurzeln bestehen und zum anderen zu dem Land, in dem man seinen Lebens-Mittelpunkt gefunden hat - aus welchen Grünen auch immer. Allerdings wird kein Mensch gezwungen, seine Staatsbürgerschaft aufzugeben, aber oftmals ist es von Vorteil. Wie auch in Deutschland, wo die Zahlungen von Sozialleistungen für bestimmte Ausländerkreise überhaupt der Grund sind für die Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft - und nicht, weil sie sich mit Land, Leuten und seiner Kultur identifizieren. Eine Doppelstaatsbürgerschaft würde auch den Menschen, die sich im Alter ganz besonders ihrer Herkunft erinnern oder von "Heimweh" geplagt sind, die Rückkehr in ihre Heimatländer erleichtern."

Christiane Ullmann, Kanada:

"Man muss sich ganz bewusst entscheiden, im welchen Land man leben möchte. Es geht nicht, dass man nur die guten Seiten der beiden Länder aussucht und die Bürgerpflichten zur Seite schiebt. Zuviele mit doppeltem Pass sitzen zwischen beiden Stühlen."

Charles Smyth, Großbritannien:

"Die doppelte Staatsbürgerschaft ist nicht so außergewöhnlich in der EU. Ich selbst habe zwei: die britische und die irische. Jedoch neigen die Hobby-Dschihadisten in Großbritannien erst dann dazu, sich zu ihrer britischen Staatsangehörigkeit und zum EU-Rechtssystem zu bekennen, wenn die Dinge in Pakistan nicht so laufen, wie sie es sich vorstellen. Zur Situation in Deutschland: Wenn Kanzlerin Merkel auf der Ein-Pass-Regel besteht, dann sollten in Deutschland geborene Migranten das akzeptieren."

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