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Forum

Politik direkt Forum vom 26. 11. 2009

„Wie wichtig sind Prozesse gegen Kriegsverbrecher?"

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John Demjanjuk

Informationen zum Thema:

Beihilfe zum Mord - Der Fall John Demjanjuk

John Demjanjuk wird vorgeworfen, in fast 30.000 Fällen Beihilfe zum Mord geleistet zu haben, als KZ-Wächter im deutschen Vernichtungslager in Sobibor. Ende November steht er in München vor Gericht. Einer der Nebenkläger ist Kurt Gutmann. Seine Mutter und sein älterer Bruder Hans wurden in Sobibor ermordet. Für den Prozess gegen Demjanjuk mobilisiert der schwerkranke Gutmann noch einmal all seine Kräfte.

Unsere Frage lautet:

„Wie wichtig sind Prozesse gegen Kriegsverbrecher?"

Antworten unserer Zuschauer:

Erich Prinz, Thailand:

„Meiner Meinung nach darf es für so ein Verbrechen nie eine Verjährung geben. denn die Menschen, die damals in die Gaskammer gekommen sind, haben seinerzeit auch nicht das Recht gehabt, sich zu verteidigen - im Gegensatz zu John Demjanjuk. (…) Meiner Meinung nach soll er bis zu seinem Tod hinter Gitter bleiben - egal wie krank er ist.“

Martin Burmeister, Venezuela:

„Kriegsverbrecher sollten auf jeden Fall vor Gericht gestellt werden, und zwar so schnell wie möglich. Leider ist dies weltweit kaum der Fall, vielleicht mit Ausnahme von Deutschland. Aber wenn ein russischer Kriegsgefangener nach über 60 Jahren zum zweiten Mal vor Gericht gestellt wird, scheint mir das übertrieben und ohne jeglichen Nutzen, denn selbst bei einer Verurteilung wäre niemandem geholfen und das würde auch keine Abschreckung für die Zukunft bedeuten.“

Heinrich Dau, Kanada:

"Kriegsverbrecher sollten genau wie andere Verbrecher vor Gericht gebracht und verurteilt werden. Was mich leider verwundert, ist, dass kaum ein anderes kriegführendes Land seine Kriegsverbrecher verfolgt wie die Bundesrepublik. Um nur einige Kriegsverbrechen zu nennen, als da sind Morde, Vergewaltigungen und Bombardierung der Zivilbevölkerungen im 20. und 21. Jahrhundert."

Gerhard Seeger, Philippinen:

"Man hätte natürlich gleich nach Gründung der BRD schärfer nach ihnen suchen müssen, ein grober Fehler der damaligen Regierung, manche der Kriegsverbrecher schafften es noch in gute Positionen. Aber, diese Verbrechen waren so menschenverachtend scheußlich, dass man nicht einfach einen Schlussstrich ziehen kann, weil sie jetzt alt sind."

Jörg Steffen, Hongkong:

"Sehr wichtig, da sie von gesellschaftlicher Tragweite sind. Um das Vertrauen in die internationale Justiz aufrecht zu erhalten, sollte mehr Energie investiert werden, um Kriegsverbrechen aufzuklären. Es ist z.B. verwunderlich und nicht zu verstehen, dass noch viele jugoslawische Kriegsverbrecher nicht gefasst werden können (…)."

Erwin Scholz, Costa Rica:

"Der Krieg ist das Verbrechen

voll seelischer Gebrechen

von Cliquen und Akteuren.

Dies hat die Welt zu stören."

Adalbert Goertz, USA:

"Kriegsverbrechen sollten nie verjähren, sofern auch andere Morde nicht verjähren. Ist das in Deutschland der Fall?"

Herbert Fuchs, Finnland:

"Eigentlich lächerlich nach so langer Zeit, wo doch viele Zeitzeugen verstorben sind und die Erinnerungen bei Täter und Beteiligten nicht mehr so richtig gut funktioniert. Wenn man diesem Kriegverbrecher vor Jahrzehnten der Prozess gemacht hätte, dann hätte das einen Sinn gehabt, auch mit der Bestrafung. Im jetzigen Stand sollte John Demjanjuk die Möglichkeit gegeben werden, soweit wie möglich ehrlich und gewissenhaft der heutigen jungen Generation und der nachfolgenden Generationen zu erzählen, was damals wirklich abgelaufen ist an unvorstellbar grausamen, unmenschlichen Verbrechen an unschuldigen Menschen."

D. Wolfgramm, Kanada:

"Glaubt die deutsche Justiz wirklich, sie könnte John Demjanjuk verurteilen. Die Israelis hatten es versucht, ohne Erfolg. Wer heute Krieg führt, begeht Kriegsverbrechen. Wer sind die Schuldigen: Die Soldaten, die Offiziere oder die Politiker? Können Sie diese Frage beantworten?“

René Junghans, Brasilien:

"Prozesse gegen Kriegsverbrecher sind sehr wichtig und sollten auch weitergeführt werden, so lange es noch überlebende Nazis gibt. Es ist wichtig, seine Vergangenheit nicht zu verleugnen, denn nur so kann man (…) gewährleisten, dass sich solche Gräueltaten wie im Dritten Reich nicht wiederholen. Aber das macht nur dann Sinn, wenn alle anderen Länder unseres blutrünstigen Planeten ähnlich denken und handeln. Warum redet niemand über Stalins Massenmord am eigenen Volk, über Mao Tse Tungs sogenannte Kulturrevolution, über das türkische Abschlachten in Armenien, über afrikanische Despoten, über Bushs Krieg im Irak und in Afghanistan oder aus der Nachbarschaft, Jugoslawien, wo die Welt beide Augen zugemacht hat? Oder etwas weiter zurück, über das systematische Abschlachten der Indianer auf dem amerikanischen Kontinent? Diese Liste könnte beliebig weitergeführt werden. (…) Die deutsche Nachkriegsgeneration hat aus der Vergangenheit gelernt und wird diese in Erinnerung behalten, aber das Deutschland von heute hat nichts mit dem Deutschland von gestern zu tun."

Die Redaktion von ‚Politik direkt’ behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen.