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Forum

Politik direkt Forum vom 24. 07. 2008

"Sind Sie bereit, bei Reisen Risiken einzugehen?"

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Blick auf den Ararat - den höchsten Berg der Türkei. (Archivfoto von 1988). Foto: Rocchio (c) dpa - Bildfunk+++

Informationen zum Thema:

Warnung vor Reisen - Lassen sich Geiselnahmen verhindern?

Die drei Deutschen Wanderer, die von Mitgliedern der PKK am Berg Ararat entführt wurden sind wieder frei. Es ist nicht das erste und es wird wohl nicht das letzte Geiseldrama sein, das Deutschland und das Auswärtige Amt in Atem hält. Zwar stellt das deutsche Außenministerium regelmäßig Hinweise für Reisen ins Ausland ins Internet, ausgesprochene Reisewarnungen werden nur sehr selten ausgesprochen. Wie ernst aber nehmen Reiseunternehmer und Touristen, die nach Mali, in den Jemen oder die Türkei auf Wander- oder Abenteuerurlaub gehen die Angaben des Auswärtigen Amtes?

Unsere Frage lautet:

"Sind Sie bereit, bei Reisen Risiken einzugehen?"

Antworten unserer Zuschauer:

Khun York, Thailand:

"Wenn explizit vom deutschen Außenministerium vor bestimmten Ländern gewarnt wird, sollte man diese Warnungen ernst nehmen und nicht in diese Länder reisen."

Dorothea Well, Ghana:

"Es ist bei dieser Frage sehr wichtig, um welche Risiken es sich handeln könnte. Gesundheitliche Risiken? Nein, dazu bin ich nicht bereit. Man kann sich vor der Reise informieren, wie man Gesundheitsrisiken (z.B. Malaria) vorbeugen kann, und es dann auch tun. Risiken, von denen ich im Vorfeld schon weiß, dass sie mein Leben bedrohen könnten, würde ich natürlich auch nicht eingehen. (...) Wenn ich in ein unsicheres Land aus irgendwelchen Gründen reisen müsste, so kann ich immer noch versuchen, die Risiken klein zu halten mit bestimmten Vorsichtsmaßnahmen und Umsicht. Unser ganzes Leben ist natürlich ein Risiko - ganz können wir viele Dinge nicht ausschließen. Ich weiß, dass Autofahren Risiken birgt, fahre ich deswegen nie im Auto? Ich fahre, aber ich werde doch viele Dinge beachten, damit das Risiko relativ überschaubar und klein gehalten werden kann. Ich werde mich daher auch nicht in irgendein Auto setzen, dessen Sicherheit ich nicht kenne, und einfach losrasen."

Martin Burmeister, Venezuela:

"Risikowarnungen sollten auf jeden Fall berücksichtigt werden. Sollte man trotzdem eine Reise in Risikozonen eingehen, muss man auch bereit sein, sämtliche Kosten zu tragen."

Herbert Fuchs, Finnland:

"Ich kann das absolut nicht nachvollziehen, wenn es (...) Urlaubsabenteurer in Länder zieht, wo man schon im Voraus Bescheid weiß, dass dort vor Ort die Lage sprichwörtlich gesagt mehr als unruhig ist und einem alles passieren kann und Ausländer immer eine Zielscheibe abgeben. Völlig naiven Urlauber ohne innere Stimme, die die Gefahr herausfordern, denen auch keiner einen guten Rat geben kann. Und zu guter Letzt (wollen die auch noch, dass) die deutsche Botschaft schnelle Wunder vollbringt. Nein, um auf die oben gestellte Frage ehrlich zu antworten, es ist weitaus besser, auf seine innere Stimme zu hören, (...) die Risikofaktoren auszugrenzen und in Länder zu reisen, die (sicher sind)."

Frieder von Sass, Thailand:

"Das Risiko bei einer Autoreise zu verunglücken ist überall auf der Welt unvergleichlich höher als die Wahrscheinlichkeit, durch Entführung oder Überfall Schaden zu nehmen oder das Leben zu verlieren. Wer dieses Lebensrisiko nicht tragen möchte, sollte in seiner Heimat bleiben, aber dann auch dort besser sein Auto in der Garage lassen."

Rolf Bockmühl, Philippinen:

"Ein gewisses Risiko ist immer dabei, wenn man in exotische Länder reisen will. In den 80ern reiste ich nach Kuba, Nordafrika und auch nach Ceylon (das heutige Sri Lanka, d. Red.). Alle Länder galten nicht gerade als sicher. Angepasst an die Mentalität der Bewohner und versehen mit einem 'alternativen' Reiseführer (Internet hatten wir noch nicht) und der 'üblichen' Reiseführerlektüre gelang es uns, sehr interessante und informative Urlaubstage dort zu verbringen. Es waren teilweise lehrreiche Tage. Wann und wo die Frauen in Nordafrika baden? Um das zu sehen, wäre unser Leben gewiss keinen Heller Wert gewesen. Aber, so etwas meidet der aufgeklärte Reisende. Auch auf Ceylon gab es Dinge, die vermieden werden mussten. Aber eine Eisenbahnfahrt mit Einheimischen, ohne Klimaanlage und mit 2 Benzinwaggons zwischen Lok und Personenwagen, das hat etwas Aufregendes an sich. Extreme Warnhinweise beachte ich gewiss. Auch hier auf den Philippinen muss ich einige Bezirke meiden. So hart ist das Leben als Reisender."

Darya Zavyalova, Russland:

"Diese Welt kann einem nur Leid tun. Heutzutage scheint wirklich alles gefährlich zu sein und man ist überall Risiken ausgesetzt. Wenn Sie sich tatsächlich dauernd darüber Gedanken machen, was möglicherweise riskant und schlecht sein könnte, dann sollten Sie zuhause bleiben. Ohne den Fernseher anzumachen, versteht sich, denn es könnte ja einen Kurzschluss geben. Ohne zu essen, denn Sie könnten ja daran ersticken, und so weiter. Also: Lasst uns reisen ohne solcherlei Gedanken, es gibt da draußen gute Dinge und Erinnerungen, die einem niemand mehr nehmen kann!"

René Junghans, Brasilien:

"Reisewarnungen sind meiner Meinung nach unsinnig. Wenn man auf alle Warnungen achtet, dann fährt man nirgendwo mehr hin. In Rio de Janeiro, Mali, Türkei, Jemen, usw. kann man entführt oder ausgeraubt, aber in München von Türken in der U-Bahn totgeschlagen werden? Liest man dann gar noch in einschlägigen Reiseführern, was einem so alles passieren kann, dann bleibt man am besten gleich zu Hause. Ich meine, solange man sich an seinen gesunden Menschenverstand hält, genießt man seine Reisen, ganz egal wohin. Ich halte mich daran, nicht aufzufallen, d.h., einfach gekleidet, nicht laut in fremder Sprache reden, keine auffällige Kamera um den Hals, Geld und Dokumente stets am Körper versteckt, nachts nicht durch dunkle Strassen spazieren. Damit kommt man ganz gut über die Runden und das Reisen macht trotz zunehmender Gefahr weiterhin Spaß."

Erwin Scholz, Costa Rica:

"Wenn risikobeladen

das Reisen durch die Welt,

vermeidet größ‘ren Schaden,

wer sich daheim aufhält.

Mit diesen klugen Worten

auf einer Konferenz

wuchs in Touristenorten

Langweil‘ als Konsequenz.

Und in der Tat, zu Hause,

an diesem 'sicher'n Ort',

schafft' es die Schreckenspause,

dass keiner wollt' mehr fort."

Hannelore Krause, Deutschland:

"Grundsätzlich würde ich als Nichtabenteurer keine Reisen in Gebiete buchen, die in irgendeinem Zusammenhang negativ aufgefallen sind (Entführungen, Bombenexplosionen, Selbsttötungen, Schiffskaperungen, Naturkatastrophen, Bürgerkriege etc.). In Deutschland kann man sich zusätzlich Auskünfte über das Auswärtige Amt einholen. Aber eigentlich dürfte ich auch kein Flugzeug, keine Bahn, usw. mehr besteigen, weil im Grunde überall Gefahr lauert – in welcher Form auch immer. Aber was bleibt dann noch übrig im Zeitalter der Globalisierung. Schreckensmeldungen allerdings werden Globetrotter von ihren Plänen oftmals nicht abhalten, denn jeder hofft, nicht zu denen zu gehören, mit denen es das Schicksal schlecht meint. Meine Großmutter allerdings sagte immer: Bleibe im Lande und nähre dich redlich."

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