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Forum

Politik direkt Forum vom 22. 01. 2009

"Müssen Banker für ihre Fehler haften?"

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Bankenviertel Frankfurt am Main

Informationen zum Thema:

Immer mehr Risiko, immer mehr Profit - Müssen Banker für ihre Milliardenverluste haften?

Die Nachrichten über Milliardenverluste deutscher Banken reißen nicht ab. Mit Steuergeldern muss die Bundesregierung bei Privatbanken einsteigen, Landesbanken vor dem Bankrott retten. Der Absturz der Banken: meist die Folge hochriskanter Wertpapiergeschäfte, mit denen auch deutsche Banker immer mehr Profit machen wollten. Jetzt ermitteln Staatsanwälte, der Zorn der Bürger ist groß. Bankmanager und ihr Missmanagement müssen bestraft werden, fordern viele. Aber so einfach ist es nicht, das deutsche Strafrecht bietet wenig Möglichkeiten für harte Sanktionen.

Unsere Frage lautet:

"Müssen Banker für ihre Fehler haften?"

Antworten unserer Zuschauer:

Lee Davis, USA:

"Ja, Banker sollten für Managementfehler bestraft werden. Aber wie soll das bewerkstelligt werden? In den USA ist die Einstellung weit verbreitet, dass man diese Banken einfach bankrott gehen lassen sollte. Also: Verstaatlicht die Federal Reserve (US-Notenbank, d.Red.) und startet einen Neuanfang!"

Martin Burmeister, Venezuela:

"Banker sollten für ihre Fehler, besonders nachweisliche aber auch fahrlässige, zur Verantwortung gezogen werden. Dies gilt ebenfalls für die Aufsichtsräte und im besonderen für Wirtschaftsprüfer, obwohl diese in ihren Berichten immer die Verantwortung ablehnen. Wer soll aber als Kläger auftreten? Die Kleinaktionäre werden meist nicht in Betracht gezogen, da ihre Stimmen nach Prozenten in den Hauptversammlungen nicht ins Gewicht fallen. - Wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter!"

Monir Khan, Bangladesch:

"Banker sind voll verantwortlich für diese Verluste. Heutzutage dienen Bankmanager nur ihren eigenen Interessen bzw. den Interessen der Reichen. Sie müssen bestraft werden."

Robert Ziegler, Deutschland:

"Banker sollte man an den selben Maßstäben messen wie andere Berufsgruppen auch. Besonders dort, wo Banken in Derivate investiert haben, deren Komplexität sie selber nicht verstanden haben, sollten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Darüber hinaus sind die Wertpapierhändler, deren Vorgesetzten und die Investmentberater persönlich verantwortlich. Wenn ich in Gesundheitsfragen einen Arzt zu Rate ziehe und der mir Medikamente verschreibt, die mich krank machen, dann ist der Mediziner genauso verantwortlich wie der Arzneimittelhersteller. Warum sollte es bei Bankern im Finanzsektor anders sein?"

Alexandra Burger, Singapur:

"Die Manager sind nicht die Komponisten des 'Werks', sondern vielmehr seine Dirigenten. Die Aufgaben der Manager werden zunehmend komplexer und es kann nicht sein, dass sie 'ohne Grenzen' Entscheidungen treffen können, die so unkalkulierbar sein können. Ja, ich finde die Banken sollten für ihre Fehler haften."

Herbert Fuchs, Finnland:

"Wenn Banker ungeschoren (...) davon kommen und der Ottonormalbürger für jeden kleinsten gesetzüberschreitenden Furz hart zur Kasse gebeten wird, gehört es sich natürlich in einer Demokratie, dass man gegenüber dem Kunden in einer aufrichtigen Weise für seine eigenen Fehler gerade stehen muss, bzw. sollte auch von Gesetzes wegen der Banker daran gehindert werden, faule Geschäfte abzuschließen (...). Je nach Größe der Misere muss der einzelne Banker für seinen angerichteten Schaden an der Kundschaft in einer gewissen Menge gerade stehen mit seinem Privatvermögen. Es kann nicht sein, dass er einen Freibrief bekommt, bzw. Narrenfreiheit hat im Berufsleben."

Mustafa Alani, Irak:

"Bevor man über Strafen für Banker nachdenkt, sollte man die Kriterien für deren Fehlverhalten festlegen. Die Banker stehen nicht über dem Gesetz, aber wir sollten zunächst die wahren Gründe für deren Managementfehler klären."

Gerhard Seeger, Philippinen:

"Ein Klares Ja. Banker nutzen Geld, das nicht ihnen gehört, um zu spekulieren. Natürlich müssen sie mit dem Geld arbeiten, denn Gewinne müssen gemacht werden. Aber sie dürfen sich nicht von den zu erwarteten Gewinnen blenden lassen (...), sondern verantwortungs-bewusst, sehr genau prüfen. Tun sie das nicht, sollen sie haften und auch bestraft werden, wenigstens wegen Veruntreuung. Auf keinen Fall dürfen sie belohnt werden mit Abfindungen. Es ist wohl nur die Spitze des Eisberges und das Spiel wird gewiss schon länger gemacht, doch erst jetzt wurde es richtig öffentlich. Wenn die Gesetze ein dagegen vorgehen nicht leicht machen, müssen sie geändert werden (...). Die Gesetze werden nicht gleich perfekt sein, aber man kann nachbessern. In anderen Bereichen geht es ja auch."

Helge Weyland, Argentinien:

"Banker sind ausgebildete und erfahrene Fachleute, die ihre Arbeit verstehen. Aber sie haben nicht bei einer Ampel das Rotlicht überfahren, sondern sind sich ihrer voll bewusst, daher voll verantwortlich für das was sie tun und lassen."

Erwin Scholz, Costa Rica:

"Politiker und Banker,

Denker wär'n sie, Lenker?

Mit den Finanzen aasen,

Fixpunkt ihrer Phrasen.

Haften jetzt gar für Fehler?

Nein, das tun die Wähler."

Hannelore Krause, Deutschland:

"Jeder Arzt wird für einen Kunstfehler, den man ihm nachweisen kann, haftbar gemacht. Jeder Mensch, der einen Unfall verursacht, muss dafür gerade stehen. Für Kinder, die Schäden anrichten, haften die Eltern und letztendlich eine Versicherung, die jedem Menschen nahegelegt wird. Sollte eine solche nicht vorhanden sein, haftet man selbst. Dieses Prinzip sollte auch für Banker gelten, die vorsätzlich durch Spekulationen oder Fehleinschätzungen Millionen- oder Milliardenbeträge in den Sand gesetzt haben. Wenn es sich allerdings um Peanuts handelt, wird es sich das Geldinstitut nicht nehmen lassen, den Schaden wieder gutzumachen. Auf alle Fälle sollten den Bankern bei immensen Schäden Belohnungen in Form von Abfindungen oder Ruhegeldern bei personellen Konsequenzen entzogen werden."

René Junghans, Brasilien:

"Selbstverständlich müssen Banker für ihre Fehler haften, vor allem wenn diese leichtsinnig mit Kundengeldern umgegangen sind, faule Wertpapiere angeboten haben, mit falschen Versprechen, große Gewinne zu machen. Einige dieser Banker wussten von vornherein, dass sie ihren Kunden ihr Geld niemals mehr zurückzahlen werden. Wie in jedem Geschäft, muss das Unternehmen ihren Kunden gegenüber haftbar gemacht werden, denn nur so kann man Vertrauen in seine Geschäftspartner haben. Es geht doch nicht an, dass man von vorn bis hinten belogen und betrogen wird, seine Ersparnisse verliert und dann wird einem gesagt 'tut mir leid, Ihr Geld ist futsch und jetzt verlangen sie bloß nicht, dass ich dafür verantwortlich gemacht werde'."

Die Redaktion von "Politik direkt" behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen.