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Forum

Politik direkt Forum vom 18. 06. 2009

"Kann Alkoholmissbrauch von Jugendlichen gestoppt werden?"

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Informationen zum Thema:

Saufen bis zur Ohnmacht - Alkoholexzesse von Jugendlichen im Internet

Der aktuelle Bericht der Bundesdrogenbeauftragten ist besorgniserregend: Mehr als 23.000 Jugendliche mussten innerhalb eines Jahres wegen Alkoholvergiftung in deutschen Krankenhäusern behandelt werden. Das sogenannte Komasaufen wird unter jungen Menschen immer beliebter. Doch nicht nur das: Die Alkoholexzesse werden im Internet auch immer häufiger öffentlich zur Schau gestellt. Experten warnen vor Nachahmungseffekten, Jugendschützer fordern dringend, die betreffenden Seiten zu sperren.

Unsere Frage lautet:

"Kann Alkoholmissbrauch von Jugendlichen gestoppt werden?"

Antworten unserer Zuschauer:

Hannelore Krause, Deutschland:

"Ich denke mal, dass es nicht nur Armut und Frust sind, die die Jugendlichen zum Alkohol greifen lassen. Vielmehr scheint es heutzutage auch unter Jugendlichen schick zu sein, eine Kraftprobe abzugeben, sich Alkohol wie Wasser reinzuziehen, um zu beweisen, dass man ja schließlich schon erwachsen ist. Solange Alkohol von Jugendlichen leicht zu beschaffen ist - ob im elterlichen Haus, an der Tanke, im Supermarkt oder wo auch immer - wird der Missbrauch nicht gestoppt werden können. Harte Strafen für diejenigen, die Alkohol - egal in welcher Form und mit welchen Prozenten - an Minderjährige und Jugendliche abgeben, sind gefragt. Und: Eltern haften für ihre Kinder! Aufklärungsarbeit über die Folgen von Alkoholkonsum sollte ad eins im Elternhaus erfolgen und ad zwei in der Schule, wobei es nicht nur um Alkoholmissbrauch, sondern um die Tatsache gehen sollte, dass Alkohol nicht nur high und down macht, sondern Illusionen zerstört und - wie beim Komasaufen - auch zum Tode führen kann. Auch das Internet sollte bei bestimmten Aufrufen gegenhalten."

Rolf Bockmühl, Philippinen:

"Ich denke nicht! Unsere Gesellschaft und die Familien brechen auseinander. Zusammenhalt, so wie wir Alten ihn kennen, kommt kaum noch vor. (...) Alkohol ist zu preiswert, der Konsum steigt und steigt. Saufen ist fast schon Normalität. Die Magazine, Zeitungen und das Fernsehen zeigen saufende und rauchende Menschen viel zu oft (Vorwurf auch an DW-TV). Jeglicher Warnhinweis kommt zu spät, weil Jugendliche in ihren Cliquen gewiss keine Enthaltsamkeit in Sachen Alkohol und Zigaretten fördern. In den Gruppen (so etwas erzählen die Enkelkinder gern dem Opa) ist nur derjenige angesehen, der 'stark' ist. Stark sein heißt 'stark trinken und stark angeben', wenn möglich besonders in der Öffentlichkeit. Flatrate-Trinken ist nur ein Teil, der meine Besorgnis hervorruft. Leider sind viele Familien mitschuldig, weil die Vorbilder fehlen. Als Heranwachsende haben wir auch Alkohol getrunken. Jedoch aus finanziellen Gründen nur in geringen Mengen. Uns fehlte auch die Zeit dazu. Sechs-Tage-Woche war normal, Überstunden wurden abgerissen. Dann der Sportverein. Das war es denn. Wir wollen solch strenge Zeiten nicht mehr haben. Ich gönne der Jugend ihre Freizügigkeit und die Freizeit. Nur, wo, wann und wie haben sich die Familien und die Gesellschaft auf den schnellen Konsum und die schnelle Internetzeit eingestellt? Was vermitteln die Schulen? Meine beiden studierenden Kinder lernten vermehrt im und ums Studium auch nur hohe Freizeitideale kennen. Leistungsdruck war oftmals nur zu Klausuren vorhanden. Exkursionsabende endeten zu oft - so mein Eindruck - auch bei den Frauen, im leichten bis mittelschweren Alkoholrausch. Das waren die 'Freiheiten' der Studierenden, deren Eltern ja (gern) alles bezahlten. Haben wir unseren Kindern damals bereits zuviel 'Gutes' angetan? Dies frage ich mich heute. Strengere Gesetze helfen kaum. Strafen helfen auch nicht. Ich denke, nur die Familien können Werte vermitteln. Können das auch Familien der sogenannten 'verarmten' Schichten? Hier erkenne ich ein großes Problem. Warum lässt die Regierung so viele Menschen ins Abseits gleiten? Da ist auch die Regierung im Obligo. (...) Fazit: Ich erkenne keinen klaren Weg, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Das beschämt mich, ich fühle mich hilflos. Wohin führt uns dieser Weg?"

Gerhard Seeger, Philippinen:

"Verbote nützen nicht; es wird dann erst recht gemacht. Der Alkoholmissbrauch kann nur von den Jugendlichen selbst gestoppt werden, in dem sie einsichtig werden, was sie sich antun und dass diese Art Sauferei ekelhaft ist. Sie sind zwar jugendlich, doch keine kleinen Kinder mehr. Aufklärung über die Gefährlichkeit der 'Droge' Alkohol gibt es eigentlich schon reichlich, aber gut, man kann sie noch gezielt intensivieren. Auch wenn die Produzenten und Wirte aufschreien, auf Reklame und Flaschen - oder was immer für Behälter - aufgedruckte Hinweise auf die Gefahr, nicht nur für die eigene Gesundheit - im Suff gefährdet man auch andere."

Lee Davis, USA:

"Kurz gesagt: Wahrscheinlich nicht! Jugendliche folgen dem Beispiel ihrer Eltern und leiden auch unter der Wirtschaftskrise. Wenn es wirtschaftlich wieder aufwärts geht, sollten auch die Saufgelage wieder weniger werden."

Mohanad Mahli, Syrien:

"Ich bin gegen ein Verbot von Alkohol für Jugendliche. Das macht den Alkohol nur noch attraktiver. Verbotenes zu tun hat seinen eigenen Reiz!"

René Junghans, Brasilien:

"Der Alkoholmissbrauch von Jugendlichen kann sehr wohl durch umfangreiche Aufklärungsarbeit gestoppt werden. Wenn Jugendliche ihr Koma-Saufen im Internet verbreiten, sollte der Staat gleichfalls entsprechende Beiträge in Blogs einfügen, in denen auf die Gefahr des Alkoholmissbrauchs deutlich hingewiesen wird. Ansonsten ist es ein klares Versagen der Eltern, die ihre Kinder nicht mit der notwendigen Liebe und Geborgenheit erzogen haben. Kinder, die von ihren Eltern im Stich gelassen werden, suchen eine Alternative, um ihren Frust zu begraben. Kinder, die sich geborgen und von ihren Eltern geliebt fühlen, greifen weder zu Alkohol noch zu Drogen. Mein Sohn ist dafür ein gutes Beispiel. Mit Liebe im christlichen Glauben erzogen, ist er ein sehr guter Schüler, ist aufmerksam, gut erzogen, und er trinkt nicht, er raucht nicht und nimmt schon gar keine Drogen."

Herbert Fuchs, Finnland:

"Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten. Viele Kinder und Jugendliche wachsen in einer Armut auf, die man gar nicht beschreiben kann. In Hochhäusern und Hinterhöfen der Großstädte, wo nichts mehr richtig funktioniert und der Hausmeister schon selbst arbeitslos ist. Wo die arbeitslosen Eltern, Nachbarn sich mit Alkohol über den ewig langen Tag hinweg retten ohne positive Zukunftsaussichten, dort ist das Leben mehr als schwer zu ertragen. Ja, und diese Jugendlichen tragen heutzutage im öffentlichen Leben und in der Schule ihre aufgestaute Wut (...) in einer neuen Art aus, dass sie sich sinnlos besaufen, prügeln, andere normale Menschen schlagen, wie sie es tagtäglich in ihrer näheren Umgebung sehen und erleben müssen. Diesen Jugendlichen fehlt vor allem das Erfolgserlebnis, etwas zu können, z.B. ein Musikinstrument zu spielen oder ein Hobby zu haben. Auch die schulischen Leistungen können in dieser Umgebung, wo alles drunter und drüber geht, nicht mehr (stimmen, d. Red.). Es ist ein Teufelskreis, wo der Alkohol der letzte Nagel ist, an dem sie sich festhalten können. Die negative Seite der Globalisierung, von der wir doch alle glauben müssen, dass sie uns Wohlstand und Zukunft gibt, ist eine Revolution, die die Gesellschaft zum Armenhaus macht. Der Alkoholmissbrauch von Jugendlichen ist das beste (Beispiel dafür, d. Red.), dass unsere Gesellschaft auseinander bricht. Erst wenn die Menschen wieder Arbeit und Brot finden, könnte so manche Familie wieder friedlich ohne die Sauferei leben. (...) Diese Jugendlichen brauchen Vorbilder, ihre Eltern und alles was zum friedlichen Zusammenleben dazu gehört."

Die Redaktion von ‚Politik direkt‘ behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen.