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Forum

Politik direkt Forum vom 17. 09. 2009

"Trauen Sie sich einzugreifen?"

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Gedenken nach der Schläger-Attacke

Informationen zum Thema:

Tod auf dem Bahnsteig- Entsetzen über die jungen Schläger von München

Er hatte keine Chance. Erbarmungslos droschen zwei junge Männer auf ihr Opfer, Dominik Brunner, immer wieder ein. Der 50jährige Manager starb auf einer S-Bahn-Station in München. Er wollte einige Kinder vor Angriffen der beiden vorbestraften Jugendlichen schützen - sie prügelten ihn zu Tode. Ganz Deutschland ist schockiert und diskutiert: Wie können jugendliche Verbrecher gestoppt werden?

Unsere Frage lautet:

"Trauen Sie sich einzugreifen?"

Antworten unserer Zuschauer:

Hannelore Krause, Deutschland:

"Gab es da nicht schon eine ganze Reihe von derart gewalttätigen Vorkommnissen, die nicht zuletzt den Tod zur Folge hatten? Ob links oder rechts oder ohne Orientierung, ob unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Es wird heiß diskutiert - immer und überall - ob die Register der Bestrafung ausreichen oder nicht. Und es gibt Pro und Kontra über die Höhe der Bestrafung dieser rabiaten Geschehnisse. Gesellschaft und Politik sehen sich offensichtlich überfordert oder messen den Dingen nicht die notwendige Bedeutung bei. Jetzt heißt es, den Jugendlichen endlich zu zeigen, wo es lang geht - und zwar nicht irgendwann, sondern sofort und nicht mit Kuscheltaktik. Harte Strafen sind angesagt. Als Einzelperson und zumal als Frau habe ich keinen Mut, in einen solchen Konflikt einzugreifen, aber wenn 15 Menschen wegsehen, statt zu helfen, dann stimmt das doch sehr nachdenklich. Man traut sich ja schon gar nicht mehr in der Öffentlichkeit auf Unsitten aufmerksam zu machen, weil man bei einigen Bevölkerungsgruppen damit rechnen muss, dass ein Messer gezückt wird."

Martin Burmeister, Venezuela:

"Diese Frage mit 'Ja' zu beantworten, wäre unrichtig. Es kommt in jedem Fall auf die Situation an, in der man diese Entscheidung treffen müsste. Notwendig wäre, dass neben den Überwachungskameras auch Lautsprecher installiert würden. Die Kameras müssten in einem Kotrollraum beaufsichtig werden, um bei jeglicher Unregelmäßigkeit dem Wachhabenden die Möglichkeit zur Ermahnung, Trillerpfeifentöne oder Sirenengeheul zu geben und damit die Täter abzulenken und das Publikum auf den Tatbestand hinzuweisen."

Erwin Scholz, Costa Rica:

"Angesichts brutaler Taten

feiger Typen, die missraten,

muss ein jeder reagieren,

statt nur gaffend sich genieren."

Diane Bates, Australien:

"Ja, ich würde eingreifen, wenn Menschen in Bedrängnis sind - auch wenn es für mich riskant ist. Ich kann nicht daneben stehen und zuschauen, wenn Unrecht passiert.(...)"

Charles Smyth, Großbritannien:

"Wenn man beobachtet, dass ein Schwächerer angegriffen wird, muss man eingreifen. Das ist ein menschlicher Instinkt. Auch hier in Großbritannien gibt es Fälle, die ähnlich gelagert sind wie der von Dominik Brunner, wo Menschen, die heldenhaft eingreifen, verletzt oder getötet werden. Umgekehrt gibt es Fälle, wo ein beherzter Helfer wegen Körperverletzung vor Gericht landet, wenn er allzu kräftig zugelangt hat, vor allem gegenüber Minderjährigen. Trotzdem fühle ich mich verpflichtet, in einer Notsituation einzugreifen."

René Junghans, Brasilien:

"Es ist grausam, wie sich die Situation in Deutschland immer mehr verschlechtert. Ich denke, der Ursprung sind fehlende familiäre Strukturen, Alkohol- und Drogenmissbrauch. Sowohl die Eltern als auch der Staat haben kläglich versagt in Sachen Erziehung. Die Jugend scheint keine Skrupel mehr zu kennen, schlägt ohne Grund zu, mordet, und dann bleibt‘s meistens dabei. Das Gesetz ist viel zu glimpflich mit diesen jugendlichen Verbrechern. Man sollte unbedingt härtere Gesetze schaffen, um solche feigen Typen lebenslang hinter Gitter zu bringen, unabhängig vom Alter. Samthandschuhe für diese Art Jugendlichen, die keinerlei Respekt mehr haben vor älteren Menschen, die wie Wölfe auf ihre Opfer einfallen und diese regelrecht massakrieren, das kann selbst Freud nicht erklären. Es ist also höchste Zeit, dass die Politik (...) erwacht und entsprechende Maßnahmen trifft, bevor es ganz zu spät ist. Ich persönlich würde es nicht wagen, in solche Schlägereien einzugreifen, dafür ist mir mein Leben zu lieb. Ich würde allerdings sofort die Polizei anrufen, damit habe ich meine Pflicht getan und kann dann nur hoffen, dass die Polizei rechtzeitig am Tatort erscheint. Ansonsten kann ich nur beten, dass ich nicht selbst von solchen Verbrechern angegriffen werde."

Susanne Ilschner, Australien:

"Als Mutter von drei Kindern möchte ich für sie da sein und keine unnötigen Risiken eingehen, aber so eine Situation würde - wenigstens im Nachhinein - auf jeden Fall unter "nötig" fallen. Ich hatte einige Vorbilder in meinem Leben, die sich immer "trauten" und ich würde das auch tun. Hoffentlich kann ich hiermit - und gegebenenfalls - damit auch andere dazu ermutigen."

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