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Forum

Politik direkt Forum vom 17. 03. 2008

"Soll Trinken auf öffentlichen Plätzen verboten werden?"

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Jugendliche bei öffentlichem Trinkgelage. Foto: Juana Benet +++(c) dpa - Report+++

Informationen zum Thema:

Alkoholverbot - warum immer mehr Städte öffentliches Trinken verbieten wollen

In den USA und anderen Ländern ist es längst tabu: Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit. Auch in Deutschland wollen immer mehr Städte das öffentliche Trinken nun verbieten. Mit drastischen Strafen von bis zu 1000,- Euro sollen so vor allem Jugendliche davon abgehalten werden, ungehemmt öffentlich zur Flasche zu greifen. Und das ist auch dringend geboten, denn Ärzte und Statistiker schlagen Alarm: Die Anzahl Kinder und Jugendlicher, die wegen Alkoholmissbrauchs in Krankenhäuser eingeliefert werden, hat sich nämlich seit dem Jahr 2000 nahezu verdoppelt. Die Stadt Magdeburg macht nun Ernst: Seit einem Monat gilt dort in der Innenstadt der Platzverweis für Alkohol.

Unsere Frage lautet:

"Soll Trinken auf öffentlichen Plätzen verboten werden?"

Antworten unserer Zuschauer:

John Daniels, Deutschland:

"Öffentliche Alkoholverbote werden nur aus einem Grund verhängt: weil man die Kommerzialisierung der Stadtzentren vorantreiben will. Hier soll es sauber sein, und das geht nur ohne Leute, die sich 'schlecht benehmen', wie Obdachlose auf Parkbänken oder Jugendliche, die öffentlich Alkohol trinken. In Großbritannien kann man besichtigen, wo eine solche Politik endet: 'Saubere' Städte, überall Überwachungskameras, überall Alkoholverbote, keine Bänke an Bushaltestellen, um die Penner loszuwerden usw. Man will eine Konformität des Verhaltens erreichen und Deutschland ist offensichtlich auf dem Weg dahin. Ein Politiker, der vorgibt, 'die Jugend zu schützen', mimt den Unschuldigen."

Hossam abul Hoda Amin, Ägypten:

"Man müsste gegen übermäßigen Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit vorgehen. Aber ein Verbot (soll sich nicht) gegen eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe richten, das ist sehr wichtig. Also, ich bin der Meinung, dass alle Parteien sich auf ein umfangreiches Alkoholverbot einigen müssen (...)."

Anne Rolf, Chile:

"Ich denke nicht, dass ein alleiniges Verbot von Alkoholkonsum an öffentlichen Plätzen das Problem des 'Komasaufens' in den Griff bekommt. Es findet eine Verdrängung des Problems aus der Öffentlichkeit statt, die Gründe werden damit jedoch nicht bekämpft. Außerdem ist die Frage, ob man mündigen, erwachsenen Menschen das Bier im Park mit Freunden verbieten sollte. Allerdings sollte die Diskussion über den Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit geführt werden."

Gerhard Seeger, Philippinen:

"Nur Flaschen müssen immer voll sein!' Besäufnisse sind an sich schon unschön, und in der Öffentlichkeit, wo es auch Jüngere sehen können und von manchen nachgemacht wird, sollte es verboten sein. Viele Jugendliche tun es trotz Verbotes, machen sich gar einen Spaß daraus. Auch wenn die (Alkohol-)Produzenten aufschreien werden, die Aufklärung sollte klar machen, dass Alkohol ein Droge ist (...) und mehr gesundheitliche und andere Schäden durch Alkohol entstehen."

Claus Stauffenberg, Australien:

"Man sollte in der Öffentlichkeit einen Drink genießen dürfen, in Parks oder an Stränden z. B., solange man es verantwortlich und in Maßen tut. Ein öffentliches Trinkverbot hält die Polizei nur davon ab, wichtigeres zu tun. Es wäre besser, wenn die kommunalen Behörden das Problem direkt angingen, zum Beispiel in dem sie Jugendtreffs einrichten und Aktivitäten anbieten, die Alternativen darstellen zum gelangweilten Rumhängen und Saufen. Eine gute Idee sind auch Alkoholpräventionskurse in Schulen."

Kingsley Kwaku Expe, Ghana:

"Trinken in der Öffentlichkeit sollte nicht verboten werden. Stattdessen sollten die Eltern hier die Verantwortung übernehmen und ihre Kindern über die Gefahren des Alkohols aufklären."

Thomas Gruber, Thailand:

"Wie viele Verbote braucht Deutschland eigentlich noch? Weshalb stellen sich Eltern, Pädagogen oder Politiker nicht einfach die Frage, weshalb die Jugend an öffentlichen Plätzen 'säuft'. Auch wir waren als Jugendliche keine Waisenknaben und sind doch größtenteils anständige Menschen geworden. Verständnis und praktische Hilfestellung bringt mehr als das ständige Auspacken der Verbotskiste!"

Erwin Scholz, Costa Rica:

"Im Park und in den Gassen

das Süffeln lieber lassen?

Möglich ist durchaus ein "jein".

Dem Verstand sollt's fassbar sein,

dass, wer trinkt, nicht wird zum Schwein."

Waltraud Maassen, Neuseeland:

"In Neuseeland gibt es hässliche Szenen von betrunkenen Jugendlichen, besonders an den Wochenenden. Sieht man diese Bilder in den Medien, ist man schnell bereit, zum Alkoholverbot aufzurufen. Und in Neuseeland gibt es das Alkoholverbote auf gekennzeichneten Plätzen und Straßen, meist in den Innenstädten. Aber ich denke, das ist nicht die Lösung des Problems. Mehr Aufklärung in Schulen, Universitäten darüber, was Alkohol anrichtet in den Köpfen und Körpern der Jugendlichen, Impotenz, Spätschäden, Missgeburten bei jungen Frauen, etc. Aufklärung dieser Art (gibt es), wenn es ums Rauchen und um Drogen geht. Alkohol ist ein Gesellschaftsproblem, deshalb sollte die Gesellschaft die Verantwortung übernehmen. (Beispiel:) Alkoholwerbung verbieten und mehr Kontrolle beim Verkauf von Alkohol an Jugendliche. Erwachsene, Eltern müssen die Verantwortung übernehmen (und Vorbild sein), denn was wir tun, machen die Jugendlichen nach."

Aneta Friedrich, Polen:

"Ich glaube nicht, dass ein Trinkverbot irgendetwas ändert. In Polen ist Trinken auf öffentlichen Straßen und Plätzen total verboten, und wir haben das Problem mit betrunkenen Teenagern genauso. Verbotene Früchte sind die süßesten! Meiner Meinung nach sollte das Trinken zum Beispiel in Parks oder an Stränden nicht verboten werden. Vielleicht würde sich etwas ändern, wenn man es den Jugendlichen schwerer machen würde, an Alkohol zu kommen."

Die Redaktion ‚Politik direkt‘ behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen.