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Forum

Politik direkt Forum vom 15. 10. 2009

"Muss der Staat mehr Druck machen auf muslimische Einwanderer?"

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Türkisch-arabisches Viertel in Berlin-Neukölln

Informationen zum Thema:

Integration Fehlanzeige? - Debatte um Migranten

Angefangen hatte alles mit den Verbalattacken von Thilo Sarrazin, einem SPD-Mitglied. Der Bundesbanker hatte in einem Interview mit provokanten Thesen gegen Araber und Türken in Deutschland polemisiert. Die seien nicht integrationswillig, nur als Obst- und Gemüsehändler zu gebrauchen. Rund die Hälfte der Deutschen stimmt diesen Thesen zu. Und schon ist sie wieder da; die Debatte über Integration und Migration in Deutschland.

Unsere Frage lautet:

"Muss der Staat mehr Druck machen auf muslimische Einwanderer?"

Antworten unserer Zuschauer:

Herbert Wolff, Thailand:

"Ich bin selbst Immigrant in Thailand und muss aus Erfahrung sagen, dass Druck durch die Regierungen die Menschen nur erfindungsreicher macht, die bestehenden Gesetze und Verordnungen zu umgehen (…). Besser wäre es, Menschen mit Migrationshintergrund (…) bei Straffälligkeit einem Ausbürgerungsverfahren zu unterziehen oder sie ganz einfach auszuweisen. Dann kommt der Wille der betreffenden Personen von selbst, sich in einem Gastland zu integrieren. Angebote zur Integration gibt es genug in Deutschland, man muss sie nur nutzen."

Ahmed Deddi, Kanada:

„Ihre Frage ist falsch gestellt. Es geht nicht um 'muslimische Einwanderer', es geht Sarrazin nur um Türken und Araber. Wenn Sie von muslimischen Einwanderern sprechen, dann machen Sie das Problem nur noch größer, weil ein Zusammengehörigkeitsgefühl der Muslime entsteht. Das Problem in Deutschland ist, dass es Einwanderer gibt, die nicht produktiv sind im deutschen Sinne von 'Ordnung und Sauberkeit'. Der Islam lehrt seine Anhänger keinesfalls Unwissenheit und Kriminalität – im Gegenteil: Er lehrt Gemeinschaftssinn und Menschlichkeit. Den Druck in diese Richtung zu erhöhen kann zu mehr Integration führen. In der Sache gebe ich Herrn Sarrazin insofern recht. Aber die Deutschen müssen definieren, was sie mit Integration meinen. In manchen Medien ist oft zu lesen, dass damit auch sexuelle Freiheit, Alkohol- und Schweinefleischkonsum gemeint ist."

Douglas Ort, Thailand:

„Eine Regel für Zuwanderer müsste lauten: Wenn ein Mitglied der Familie sich eines Verbrechens schuldig macht, dann wird die gesamte Familie in ich Heimatland zurückgeschickt.“

Ron Beraha, USA:

„Es gibt ein Sprichwort: 'Wenn du in Rom bist, verhalte dich wie die Römer!' Wenn Menschen die Entscheidung treffen, in einem fremden Land zu leben, dann ist das auch eine Entscheidung für eine andere Kultur. Wenn die Einwanderer das verweigern, dann werden sie in ihrer neuen Heimat ganz schnell anecken. Solche Leute sollten nur so lange bleiben dürfen wie Gäste. Einwanderer sollten ihre Kultur und Identität nicht aufgeben, aber das muss innerhalb des Rahmens der neuen Kultur geschehen. Man kann Muslim sein ohne das anderen aufzuzwingen.“

Karim Doha, Libanon:

„(…) Man kann die Muslime nicht alle über einen Kamm scheren. Moslem ist nicht gleich Moslem. Und der Islam ist mehr als eine Moschee, ein Freitagsgebet, ein Gewand oder ein langer Bart. (…) Also bitte Vorsicht mit vorschnellen Urteilen! Unabhängig von ihrer Religion sollten Einwanderer in Europa natürlich die Gesetze und Regeln ihres neuen Heimatlandes befolgen. (…) Das gibt aber dem Einwanderungsland nicht das Recht, die Ansichten der Einwanderer gering zu achten. Integration ist ein langer Prozess, in dem der Zuwanderer Schritt für Schritt lernen muss, sein Sozialverhalten anzupassen. Nur so kann die Entstehung von Parallelgesellschaften vermieden werden, die die Integration gefährden. Die Regeln und Gesetze sollten den Zuwanderern intensiv erklärt werden. Auch sollte man ihnen eine zweite Chance geben, wenn das nicht auf Anhieb klappt. Nur totale Integrationsverweigerer sollten ausgewiesen werden. Nicht akzeptabel ist es, wenn die Zuwanderer ihre neue Heimat ändern wollen. Sie sollten sich integrieren und durch behutsame soziokulturelle Aktivitäten auf die Kultur ihres Gastlandes Einfluss nehmen.“

Victor Chan, USA:

„Der Staat sollte mehr Druck auf die muslimischen Einwanderer ausüben, damit sich vor allem die jungen Leute in die deutsche Gesellschaft integrieren. Denn die haben sicherlich größere Integrationsanreize als ihre Eltern. Und das kann nur durch soziale Kontakte in der Schule und generell im staatlichen Erziehungssystem geschehen. Die Eltern können ihnen die deutsche Gesellschaft und Kultur nicht näherbringen. Die Jugendlichen müssen sich die deutsche Identität zu eigen machen, auch wenn sie sicherlich irgendwann feststellen müssen, dass das Leben als Deutsch-Türke nicht einfach ist.“

Arif Oomer, Indien:

"Es ist interessant, wie man hier (…) einfach Vorurteile mit Debatte verwechselt. Wie soll man Integration definieren? Soll es heißen, dass man seine Religion aufgibt, alle damit verbundenen Regeln und Gebote ignoriert, nur um damit sein 'Deutschtum' zu beweisen? Tatsächlich muss man dann noch eine Frage stellen: Muss man Integration nur auf Kosten der eigenen Religion oder Kultur erreichen? Säkularismus heißt alle Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind, Es sollte nicht versucht werden, alles nach dem Vorbild (der Mehrheitsgesellschaft, d. Red.) zu gestalten."

Brigitte Weingartner de Vera, Venezuela:

"Das erste, was man machen muss, wenn man sich wirklich integrieren will in einem neuen Land, ist sicher, die Sprache zu lernen. Wer das nicht einsieht, kann auch kein Verständnis von den 'Einheimischen' erwarten. Nochmals, als Einwanderer muss der Wille da sein, die Landessprache zu lernen und auch in einem gewissen Maß sich Land und Leuten anzupassen. Wenn (man das nicht will, d. Red), soll man bleiben, wo man ist."

Mohanad Mahli, Syrien:

„Mehr Druck ja, aber der Staat soll sich nicht in allen Bereiche des Lebens einmischen! Der Staat sollte nicht Radikalen Vorschub leisten!"

Gerhard Seeger, Philippinen:

"Wenn die Muslime ins Land kommen durften und (…) Sozialleistungen in Anspruch nehmen, Religionsfreiheit haben und überhaupt -nehme ich an - mehr Freiheit als in ihrem Herkunftsland haben und wohl noch einige andere Vorteile, sollten sie sich auch mehr um Anpassung bemühen. Tun sie das nicht oder wollen sie das nicht, dürfte der Staat eigentlich etwas 'nachdrücklich' werden. Mit dem Wie ist es in einem Rechtsstaat natürlich so eine Sache, vielleicht mit Kürzung finanzieller Unterstützung?"

Martin Burmeister, Venezuela:

"Alle Einwanderer sollten vom Staat nur unterstützt werden, wenn sie sich den Gesetzen des Landes vollständig angepasst haben; dazu gehört auch, dass sie die deutsche Sprache im Umgang beherrschen, ihre Kinder ordnungsgemäß in die Schule schicken und sich dem deutschem Recht anpassen, auch wenn dieses im Widerspruch zu ihren aus der Heimat überlieferten Riten und Gebräuchen steht."

Charles Smyth, Großbritannien:

„Man kann den Druck auf diese Einwanderer erhöhen, indem man sie die sozioökonomischen Konsequenzen ihres eigenen Nichtstuns spüren lässt. Das müsste dann allerdings für jeden gelten, der in Deutschland lebt.“

Erwin Scholz, Costa Rica:

"Als Monotheisten

sollten Moslems, Christen

mit mehr Geist agieren

um sich zu kapieren."

Hugo Sieder, Frankreich:

"Wir Bürger sind der Staat (d. Red.). Somit hat der Bürger ein Anrecht, dass die Politiker die Gesetze in Anwendung bringen und Immigranten zwingen, sich den Gesetzen zu beugen. Sie sind schließlich solange Gäste bis sie sich integriert haben. Akzeptieren sie diese Gastfreundschaft nicht, haben sie auch kein Bleiberecht."

René Junghans, Brasilien:

"Was man in Deutschland benötigt, ist nicht mehr Druck auf muslimische Einwanderer, sondern mehr Verständnis. Es ist sichtbar, dass Einwanderer in Deutschland oft diskriminiert werden. Ich selbst habe das mehrfach gespürt, als ich mit meiner afro-brasilianischen Frau in Deutschland war. Einmal tat ich so, als ob ich kaum Deutsch spreche und da habe ich an eigener Haut gespürt, was einige Menschen an gemeinen Bemerkungen machen, vor allem nach Anbruch der Dunkelheit. Es ist schon klar, dass muslimische Einwanderer nicht nur kulturell anders sind als wir Deutsche, doch die kulturelle Vielfalt macht das Zusammenleben gerade so schön (siehe Brasilien als multikulturelles Land). Solange die Deutschen Einwanderer anfeinden, dürfen wir nicht erwarten, dass diese sich anpassen, denn es ist doch nur natürlich, dass der Mensch sich verschließt, wenn er angefeindet wird. Wer Türken und Araber damit abstempelt, sie seien nur als Gemüsehändler einsetzbar, der sollte wegen Rassismus vor Gericht zitiert werden. Die Menschen können nur langfristig in Frieden leben, wenn sie damit aufhören, sich gegenseitig zu diskriminieren."

Hannelore Krause, Deutschland:

"Auf alle Fälle! Um hier Aufnahme zu finden, sollte das Beherrschen der deutschen Sprache in Wort und Schrift oberstes Gebot sein. Denn wir sind ein hoch industrialisiertes Land, das auf qualifizierte Menschen setzt. Und diejenigen, die schon lange hier ohne Deutschkenntnisse leben, sollten angehalten werden - ohne Wenn und Aber - die deutsche Sprache zu erlernen. Davon profitierten dann auch nachfolgende Generationen, und wir wären einen großen Schritt weiter in Sachen Integration. Denn wenn ich die Sprache spreche, fällt es mir leichter, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, mich eventuell auch mit kulturellen Dingen des Gastgeberlandes befassen zu können. Allerdings: wo hier die Verteilung der Wohltaten stattfindet, das wissen alle - ob mit oder ohne Sprachkenntnisse."

Die Redaktion von ‚Politik direkt’ behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen.