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Forum

Politik direkt Forum vom 14. 08. 2008

“Geschäft oder Gedenken - wie soll man mit Geschichte umgehen?”

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Informationen zum Thema:

Die zweite deutsche Diktatur - warum viele Deutsche die DDR-Vergangenheit verklären

In dieser Woche jährt sich der Bau der Mauer zum 47. Mal. Rund zwei Jahrzehnte ist es her, dass die Mauer wieder gefallen ist. Der Beginn vom Ende der DDR. Doch nicht nur die ostdeutschen Schüler wissen kaum etwas über die DDR-Diktatur. Auch viele Erwachsene verklären die Zeiten der Meinungsunterdrückung, der Todesstrafe, Schnüffelei und der Todesschüsse an der Mauer. Erinnerung an die DDR zwischen Ostalgie und ernsthafter Auseinandersetzung.

Unsere Frage lautet:

"Geschäft oder Gedenken - wie soll man mit Geschichte umgehen?"

Antworten unserer Zuschauer:

Sadick Mashud, Ghana, schreibt:

"Ich finde, es ist in Ordnung, mit Geschichte Geld zu machen. Durch Kommerz kann man durchaus die Erinnerung wach halten, das Gedenken an Mutige, die für ihr Land, für ihre Gemeinschaft etwas erreicht haben. Es braucht natürlich Geld, Gedenkstätten und Museen für nachfolgende Generationen zu erhalten und zu pflegen. Dass man dafür etwas zahlt, ist normal."

Herbert Fuchs, Finnland:

"Als gelernter Kaufmann weiß ich gut genug, dass man aus allem ein Geschäft machen kann. Besonders leider auch mit den negativen Seiten der menschlichen Geschichte wie sie sich weltweit zeigen. Auch, was Menschen anderen Menschen antun können gehört dazu. Die andere Seite des Gedenkens rückt da völlig ins Nebensächliche und gilt als uninteressant. Die Geschichte ist wenn sie sprichwörtlich erledigt ist ein gewöhnliches Gut, das von den Überlebenden als 50% / 50% im Geschäft zum Gedenken steht. Man kann im nachhinein den jungen Geschäftsleuten gar nicht böse sein, wenn sie durch die traurige Vergangenheit noch etwas gewinnen und es vermarkten. Sprichwort: "Den einen ihr Tod ist der anderen Brot". P.S.: Den nachfolgenden Generationen ist das Gedenken leider nicht mehr so wichtig wie denen, die das alles hautnah miterlebt haben. Das ist die Tatsache. Deshalb sollte man das nicht so ernst nehmen mit der Geschichte, weil jede neue Generation ihren eigenen Stil hat, mit der Vergangenheit umzugehen und das ist gut so."

René Junghans, Brasilien:

"Ganz sicher muss Geschichte ein permanentes Gedenken sein und niemals ein Geschäft. Wer sich seiner Geschichte nicht bewusst ist, vergisst zu leicht seine Vergangenheit und kann dadurch Opfer von Opportunisten werden, die die Vergangenheit in der Gegenwart bzw. Zukunft wieder aufleben lassen. Man sollte sich nicht seiner Vergangenheit schämen, sondern aus ihr lernen, um die Zukunft besser zu gestalten. Wer Geschichte zum Geschäft macht, sollte ganz einfach ignoriert werden. Ansonsten wird weiterhin den Russen der Mauerbau zugeschoben, obwohl dieser erst durch Kennedys OK ermöglicht wurde, weil die Amerikaner Angst hatten, dass der Westen die zunehmende Anzahl an Ostflüchtlingen nicht mehr kontrollieren konnte. Kennedy war ganz und gar kein Friedenspräsident. Vietnam hat das gezeigt. Von wegen "Ich bin ein Berliner" - auf solche Berliner kann man dankbar verzichten!"

Rahul Deshmukh, Indien:

"Ich denke, dass Menschen überall auf der Welt ihre nationale Geschichte respektieren sollten. Wenn jemand aus der Geschichte seines Landes einen Beruf macht, um seine Familie zu ernähren, ist das nicht verwerflich, sondern geschieht aus einem gutem Grund."

Gerhard Seeger, Philippinen:

"An fast allen geschichtlichen Orten werden Geschäfte gemacht; das ist nicht zu vermeiden. Aber das Wichtigste sollte sein, bei der geschichtlichen Wahrheit zu bleiben. Nichts beschönigen, nichts vertuschen, nichts so verändern wie es einige in einflussreichen Kreisen haben wollen."

Martin Burmeister, Venezuela:

"Aus der Geschichte sollte man, theoretisch, lernen, weshalb das Gedenken und auch entsprechende Gedenkstätten sinnvoll und angebracht ist. Dass dabei das Geschäft immer mit im Spiel ist, ist nicht zu vermeiden und hilft in vielen Fällen sogar, das Gedenken zu verstärken."

Die Redaktion von ‚Politik direkt‘ behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen.