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Forum

Politik direkt Forum vom 12. 11. 2009

„Krippe oder Familie – was ist für Kinder besser?"

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Mehr Betreuungsgeld für Kinder

Informationen zum Thema:

Familie oder Kinderkrippe - Wie wird in Deutschland erzogen?

Mit 150 Euro sollen Eltern unterstützt werden, die ihre Kleinkinder zuhause erziehen statt sie in die Krippe oder in die Kindertagesstätte zu schicken. Die schwarz-gelbe Koalition will damit die Erziehung daheim in der Familie unterstützen und erntet damit erzürnte Proteste. Vor allem die "bildungsferne" Unterschicht würde das Geld nicht zum Wohl ihrer Kinder nutzen, so der Vorwurf. Eine Reportage über den Erziehungsalltag und -ideale in deutschen Familien.

Unsere Frage lautet:

„Krippe oder Familie – was ist für Kinder besser?"

Antworten unserer Zuschauer:

Ruthild Brülls, Costa Rica:

„Ich lebe mit meinen Kindern in Costa Rica und kann nur schreiben, dass ich mir keine besseren Kindergärten oder Schulen vorstellen kann. Die Kinder werden in den Kindergärten nicht (verwahrt, d. Red.) sondern spielend gefördert und unterrichtet. Die Gruppen sind klein und die Erzieherinnen haben studiert. Meine Kinder sind mit drei Jahren in den Kindergarten gekommen und wurden vorher zu Hause betreut. Es gibt kein Kinder- oder Betreuungsgeld und in diesem Land haben wir viele Kinder. Meine jüngste Tochter ist in der Schule. Es gibt keine Schulstundenausfälle. So kann man sich als Mutter auf die Arbeitszeit sehr gut einstellen, zumal es auch Schulbusse gibt, die die Kinder bis vor die Haustüre fahren.“

Hannelore Krause, Deutschland:

"Ich denke mal, dass es im Normalfall besser ist, Babys oder Kinder bis zum 3. Lebensjahr zu Hause aufzuziehen. Die mündige Familie sollte allerdings - je nach finanzieller Situation, allerdings ohne staatliche finanzielle Wohltaten - selbst über Krippe oder Familie entscheiden. Denn den Krippen fehlt nach wie vor qualifiziertes Personal, um sich individuell um jedes Menschlein kümmern zu können. Ab dem 3. Lebensjahr sollten Kinder generell einen Kindergarten besuchen müssen. Für das veranschlagte häusliche Betreuungsgeld sollte man die staatlichen Fürsorgen wieder aufleben lassen, die sich vermehrt um die Familien kümmern, die dringend der Hilfe bedürfen."

Herbert Fuchs, Finnland:

"Es spricht überhaupt nichts gegen eine Krippe bzw. Kindertagesstätte. Ein Kind, das in einer Kindertagesstätte heutzutage mit gleichaltrigen Kindern aufwächst, lernt weit mehr als zuhause in vielen Familien, wo beide Eltern arbeiten müssen um einigermaßen gut die Familie finanziell durchzubringen. (…) Ein Grossteil der Kinder im Vorschulalter lernt in einer Kindertagesstätte weit mehr als zuhause bei Eltern, die nicht die Möglichkeit haben, (…) ihren Kindern das zu bieten, was ein Kindergarten (bieten kann, d. Red.). Ein Kind sollte so früh wie möglich lernen mit anderen Kindern gut auszukommen. (…) Zuhause geht das zwar auch, aber viele Eltern verhätscheln ihre Kinder soweit, dass sie Eigenbrötler werden."

Gerhard Seeger, Philippinen:

"Ich glaube, es ist besser, wenn Kinder in der Familie aufwachsen. Aber viele kommen nicht mehr wie früher mit einem Einkommen aus. Deshalb und nicht weil Eltern die Kinder los sein wollen, bringen sie Kinder in die Krippe. 150 Euro sind zu wenig, dass ein Ehepartner zu Hause bleiben kann. Hier auf den Philippinen hatten wir unseren Sohn zunächst zuhause behalten bis ich erfuhr, dass zur Einschulung in Privatschulen (…) eine Vorschulzeit zu den Aufnahmebedingungen gehört. So blieb keine Wahl, als ihn dorthin zuschicken."

Erwin Scholz, Costa Rica:

"Familie und Krippe

tun heut was einst die Sippe

gemacht mit kleinen Wilden,

die Bengels auszubilden."

Erich Prinz, Thailand:

„Zu Ihrer Frage kann ich nur sagen: Die beste Mutter und der beste Vater kann einen so wertvollen Platz wie einen Krippenplatz mit Sicherheit nicht ersetzen."

René Junghans, Brasilien:

„150 Euro anzubieten, um Kleinkinder zu Hause zu erziehen, scheint mir realitätsfremd zu sein. Wenn Eltern ihre Kleinkinder in die Krippe schicken, dann sicher nicht, um sie los zu werden, sondern weil beide Eltern arbeiten gehen. Für arbeitende Eltern sind diese 150 Euro gar nichts, und keiner wird seine Arbeit aufgeben, um daheim zu bleiben und 150 Euro einzustecken. Den meisten Eltern geht es wohl so, dass ihnen das Herz weh tut, wenn sie ihr Kleinkind in die Tagesstätte bringen; aber sie brauchen das Einkommen aus der Arbeit, um zu überleben und für das Kind zu sorgen. Diese 150 Euro würden also nur jenen Menschen in die Tasche fließen, die ohnehin arbeitslos sind, oder Familien, wo nur ein Elternteil arbeitet. Also jenen Familien, die, aller Wahrscheinlichkeit nach, das Geld nicht für das Kind, sondern für sich selbst verwenden werden. Vor allem Familien mit Immigrantenhintergrund werden davon profitieren. Kurz gesagt, es wäre rausgeschmissenes Geld der ohnehin schon überlasteten Steuerzahler.“

Ferenc Deak, Rumänien:

„Meiner Meinung nach brauchen die Kinder beides: sowohl die Krippe als auch die Familie.“

Kai Nicholson, Indien:

„Eine Frage, die sich für die Mehrzahl der Familien in Indien nicht stellt. Denn wer Kinder zur Krippe schicken kann, muss erstmal ein dickes Bankkonto haben. Und in einem Land, wo mehr als ein Drittel der Bevölkerung mit weniger als einem Euro am Tag auskommen muss, ist bloß der Gedanke einer Krippe für die Kleinen unvorstellbar.“

Die Redaktion von ‚Politik direkt’ behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen.