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Forum

Politik direkt Forum vom 12. 03. 2009

"Was kann die Politik gegen Amokläufer tun?"

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Trauernde nach dem Amoklauf in Winnenden(AP Photo/Michael Probst)

Informationen zum Thema:

Amoklauf von Winnenden - kann die Politik Kinder schützen?

Der Amoklauf von Winnenden hat ganz Deutschland tief bestürzt. Ein zuvor vollkommen unauffälliger junger Mann stürmt in seine ehemalige Schule und schießt wild um sich. Insgesamt kommen mindestens 16 Menschen ums Leben. Politiker bis hin zur Bundeskanzlerin zeigen sich betroffen und überbieten sich gegenseitig mit Vorschlägen dazu, wie man derartige Anschläge verhindern kann. In der Diskussion: Verschärfung der Waffengesetze, Kameras und Wachposten in den Schulen, sogenannte "Erziehungs-Partnerschaften", bei denen Eltern schon im Vorfeld Konflikte entschärfen helfen sollen. Doch was kann die Politik tatsächlich tun, um derartige Amokläufe zu verhindern - oder ist sie einfach machtlos?

Unsere Frage lautet:

"Was kann die Politik gegen Amokläufer tun?"

Antworten unserer Zuschauer:

Horacio Velasco, Philippinen:

"(...) Wenn man Amokläufe verhindern will, dann muss man den Zugang zu Schusswaffen noch weiter erschweren."

Amin Zoqurti, Jordanien:

"Die wichtigste Aufgabe der Politiker ist es, die Leute zu schützen. Sie müssen den Amoklauf analysieren und Lösungen finden. Zum Beispiel (sollten sie) gewalttätige Computerspiele verbieten (und Waffen in Privathaushalten, d. Red.) beschlagnahmen."

Herbert Fuchs, Finnland:

"Die Politik kann zwar nicht an jeder Schule überall einen Polizisten hinstellen, aber wenn eine Lehrkraft sich nicht sicher fühlt, sollte ein Waffe greifbar nahe sein um einen gewissen Schüler mit Gewaltbereitschaft unverzagt zu zeigen, dass man nicht ganz hilflos (da) steht, wenn einer Amok laufen sollte und auf Schüler schießt."

Hannelore Krause, Deutschland:

"Ich sehe darin ein gesellschaftliches Problem. Die Gewaltverherrlichung in den Medien muss bekämpft werden, ebenso sollten Filme mit gewaltverherrlichenden Szenen verboten werden. Den Jugendlichen sollte in den Familien mehr Gehör geschenkt, mehr Werteorientierung vermittelt werden. Jugendliche sollten nicht sich selbst überlassen bleiben. Eltern sollten auch mehr Kontrolle darüber haben, was in den Kinderzimmern und in der Freizeit passiert. So könnten auch Drogen- und Alkoholkonsum etwas eingedämmt werden. Eltern sollten ihren Kindern mehr Zuneigung geben, anstatt sie fürstlich mit Euros auszustatten. Die Politik wäre in Sachen Waffenbesitz gefragt. Aber ein generelles Verbot kann sie nicht aussprechen. Auch überraschende Haushaltskontrollen wären nicht sinnvoll und eine geballte Aufbewahrung sämtlicher Waffen in Schützenvereinen oder sonstwo wäre nicht ungefährlicher. Im Übrigen handelt es sich bei den Amokläufern um Jugendliche, die aus gut bürgerlichen Verhältnissen stammen."

Erwin Scholz, Costa Rica:

"Dass solch ein Katastrophenstück

jetzt Thema für die Politik?

Wenn Traumen dergestalt 'vergelten',

ahnen's wohl selbst Eltern selten."

Charles Smyth, Großbritannien:

"In den USA, wo es ja häufiger zu Amokläufen an Schulen kommt, hat man eine ganze Reihe von Gegenmaßnahmen umgesetzt: Schülern ist einerseits das Tragen jeglicher Waffen untersagt, Lehrer und Sicherheitsleute dagegen sind bewaffnet, damit sie im Notfall reagieren bzw. potentielle Killer abschrecken können. Allerdings setzt das voraus, dass die Amokläufer rational agieren, was meistens wohl nicht der Fall ist. Die deutschen Politiker sollten als anerkennen, dass die Schuld eindeutig beim Täter selbst liegt und nicht etwa bei der Gesellschaft. Und zweitens müsste ihnen klar werden: Man kann die Waffengesetze verschärfen wie man will; das wird Amokläufer nicht von ihren Taten abhalten. Ein Amokläufer kann auch mit einem Messer mehr als zehn Leute umbringen. Im Fall Winnenden sollte man den Vater des Amokläufers zur Verantwortung ziehen, denn er ist allzu leichtsinnig mit seinen Waffen umgegangen, obwohl er von den psychischen Problemen seines Sohnes wusste. Man kann nicht für alles nach der Politik rufen."

Christiane Ullmann, Kanada:

"Die Politik kann das Problem nicht lösen. Das Problem ist ein Gesellschaftsproblem. Mit Jugendlichen muss mehr kommuniziert werden, sie müssen wieder mehr in die Gesellschaft integriert werden. Sie leben zu sehr im Abseits und in der Videowelt. Was hat das 'normale' Leben den Jugendlichen zu bieten?"

Theo Pitsch, Thailand:

"Geltungsbewusstsein und 'Ich werde euch noch zeigen, was in mir steckt' - das ist es doch, was diese Idioten treibt. Wenn sie aber als 'der Idiot von Winnenden' und 'dieser Idiot aus Erfurt' in die Geschichte eingehen würden, dann würde vielleicht der eine oder andere abgeschreckt. Denn das will wohl niemand. Nennen wir sie doch ruhig 'Idioten', damit sie erst gar nicht auf die Idee kommen, durch solche Taten zum Held werden zu können."

Martin Burmeister, Venezuela:

"Politiker sollten jede Gelegenheit wahrnehmen, an die Öffentlichkeit und die Medien zu appellieren, die Augen offen zu halten, falls irgendein Verdacht zu Gewalttätigkeiten, besonders bei jugendlichen Einzelgängern, besteht. Trotz Verbotes sollten Videospieler noch strenger überwacht werden."

Michael Kurt Stanek, Brasilien:

"Ich schließe mich voll der Meinung von Herrn Junghans in Brasilien an: Das Hauptproblem ist die Familie. Beide Elternteile arbeiten, niemand kümmert sich um die Belange der eigenen Kinder, Ehescheidungen etc. In den 60er und 70er Jahren kam so etwas kaum vor. Fazit: Einige Minderjährige flippen aus."

Lee Davis, USA:

"Die Politik kann gegen Amokläufe in Schulen wenig tun. Ich denke, man sollte Lehrern beibringen, wie sie emotionale Auffälligkeiten bei ihren Schülern frühzeitig erkennen können. Und dann müssen diese Schüler natürlich therapiert werden."

René Junghans, Brasilien:

"Der Ursprung der steigenden Gewalt der Jugendlichen sind exzessiver Konsum von Drogen und Alkohol und die aggressiven Video Games, welche Zusammenschlagen und Töten als 'Volksvergnügen' runterspielen. Es ist an der Zeit, dass die Politik schärfere Gesetze einführt. (...) Aber man sollte bei all dieser Problematik nie vergessen, dass viele Jugendliche ausflippen, weil sie kein wirkliches Elternhaus haben, keine Elternliebe, keine moralische Stütze, niemanden, mit dem sie sich über ihre Probleme unterhalten können. Dadurch suchen sie entweder Rückhalt in ihre Gruppe, oder, wie im vorliegenden Fall, kapseln sie sich ab, fressen ihren Frust in sich hinein. Und dann kommt es irgendwann zur emotionalen Explosion. Das Ergebnis ist manchmal leider schrecklich. In diesem Fall haben die Eltern kläglich versagt. Sie hätten merken müssen, dass ihr Sprössling schwere Probleme hatte, die ihn psychisch kaputt gemacht haben bis zu diesem grausamen Ende. (...) Dieser Amoklauf war eher ein leider nicht erkannter Hilferuf eines verlorenen Menschen, dem niemand verstand rechtzeitig zu helfen. Merkt denn niemand in Deutschland, wie es um die Kinder steht?"

Dorothea Well, Ghana:

"Zunächst einmal muss gesagt werden: die Politik kann sehr viel präventiv gegen Amokläufer tun! Ja, sie muss es zwingend sogar, denn sie hat die uneingeschränkte Aufgabe, das Leben der Bürger zu schützen. Dafür werden vom Einzelnen Steuern gezahlt! Amokläufer richten einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden an. Daher sollen Politiker nicht nur ihr Augenmerk auf Geld und Wirtschaft legen, sondern vor allem die Bürger im Blick haben. Was nützt es, Waffengesetze zu verschärfen, wenn sie sehr leicht umgangen werden können? Ein Amokläufer entsteht nicht erst mit 17 Jahren, sondern weit früher. Politiker müssen sich einsetzen für psychologische Wachsamkeit, für den Ausbau von sehr weit gefasster psychologischer Beratung in Familien, Schulen und Betrieben und - zuallererst - überhaupt für die Wahrnehmung von psychologischen Fehlentwicklungen und Problemen, die schon in der Kindheit beginnen. Daran krankt es in Deutschland. Psychologische Probleme werden sehr häufig heruntergespielt und nicht ernst genommen! Hier muss die Politik intervenieren und investieren, unbedingt! Was ist außerdem so schlimm daran, auch an deutschen Schulen (wie in anderen Ländern durchaus üblich) Sicherheitsbeamte am Tor von Schulen Dienst tun zu lassen? Die Politik ist unbedingt aufgerufen, die Atmosphäre in Deutschland zu verbessern und sich ernsthafte Gedanken zu machen, mit welchen Mitteln und welchen Veränderungen das Leben der Bürger ernst genommen werden muss."

Martin Mohr, Thailand:

"Ein Land, das den Menschen bereits in der Schule auf wirtschaftliche Nützlichkeit und letztlich willenloses Funktionieren hin trimmt, darf sich nicht wundern, wenn einige da nicht mitkommen. Werden solch labile Zeitgenossen dann von ihren Mitschülern links liegen gelassen, vorgeführt, geärgert und gemobbt, suchen sie woanders die ersehnte Anerkennung. Und landen natürlich meist an der falschen Stelle. Wenn auch die Eltern das nicht erkennen und außer Leistung, Leistung, Leistung zuhause nur Waffenschrank und Schützenverein bieten, darf es nicht verwundern, wenn ein Jugendlicher so durchknallt. Ein Land, in dem die Politik Mehdorn Bahnchef bleiben lässt, in dem Milliarden verschenkt werden an Lobbyisten und dafür der Klassenteiler bei 32 liegt, an dem Schulpsychologen, Beratungs- und Verbindungslehrer bewusst und gezielt Mangelware sind, darf sich nicht wundern, wenn dieser Kessel unter Dauerdruck auch mal explodiert. Es ist eher erstaunlich, dass so was so selten passiert."

Die Redaktion von ‚Politik direkt‘ behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen.