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Forum

Politik direkt Forum vom 11. 02. 2010

„Sexueller Missbrauch – Warum immer wieder in der katholischen Kirche?"

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Jesuiten-Kolleg in Berlin

Informationen zum Thema:

Missbrauchskandal bei den Jesuiten - zu lange tabuisiert

Kindes-Missbrauch an einer Berliner Jesuiten-Schule in den 70er Jahren. Als das nun herauskam, war die Republik empört. Pater hatten Jungen offenbar mehrfach sexuell gedemütigt und missbraucht. Aber die Verantwortlichen schwiegen damals, versetzten die Täter einfach an andere Dienstorte, wo sie ihr Unwesen weitertrieben. Jeden Tag melden sich mehr Betroffene. Warum hat die Kirche versagt? Was tut sie nun? Wie verarbeiten die Misshandelten ihr Schicksal?

Unsere Frage lautet:

„Sexueller Missbrauch – Warum immer wieder in der katholischen Kirche?"

Antworten unserer Zuschauer:

David A. Coats, USA:

„Ich habe als Psychotherapeut viele Jahre lang mit Opfern und Tätern von sexuellem Missbrauch gearbeitet. Von daher weiß ich: Es gibt sechs verschiedene typbezogene Gründe für den Missbrauch. Im Falle der katholischen Kirche habe ich festgestellt, dass die unterdrückte Sexualität, die von Priestern erwartet wird, geradezu zwingend dazu führt, dass die Pädophilie bei Priestern signifikant höher ist als der Bevölkerungsdurchschnitt. Diese Tatsache, in Kombination mit der Vertuschungstradition der Kirche und ihrer Unfähigkeit, auf natürliche Weise über Sex zu reden, führt dazu, dass Priester ihre unterdrückten sexuellen Gefühle einfach ausleben. Das wird sich nicht ändern, wenn die Kirche sich nicht ändert. Sie muss Priestern die Ehe gestatten und sexuell beraten und sie muss homosexuelle Beziehungen erlauben sowie Pädophile hart sanktionieren – zur Not mit der Exkommunikation. Der Vorschlag von Joe Lattuca, die Kirche dafür zur Kasse zu bitten, führt in die richtige Richtung. Millionenschwere Entschädigungsklagen können die Kirche in den Bankrott stürzen und sie zurückführen in die frühen Tage der Christenheit.“

Heinz Hohenstein, Kanada:

"Den Priestern sollte erlaubt werden zu heiraten, wenn sie wollen. Es sollte nicht verboten werden, denn das ist unbiblisch und hat dann auch (die unliebsamen, d.Red.) Konsequenzen, die immer wieder zum Vorschein kommen!"

Susy Valussi, Argentinien:

„Ich glaube, wir finden die Wurzel dieses schrecklichen Übels in den Erlässen der katholischen Kirche aus dem Mittelalter, im Zölibat, mit dem Priester daran gehindert wurden, ein normales Leben zu führen. Sexueller Missbrauch ist keineswegs beschränkt auf die katholische Kirche, aber dennoch sollte die Kirche die Verantwortung für schwarze Schafe in ihren Reihen übernehmen. Und zwar öffentlich, um ein Zeichen für die Opfer zu setzen. Aus großer Macht erwächst große Verantwortung.“

Joe Lattuca, USA:

„Der sexuelle Missbrauch von Internatsschülern ist ein schändliches Verbrechen, für das die Kirche büßen muss. Und zwar, wo es ihr am meisten wehtut: im Geldbeutel. Da man die Täter wegen Verjährung strafrechtlich nicht mehr belangen kann, sollte man zumindest ihre Namen und Gesichter in Zeitungen und im Internet veröffentlichen. Und dann sollte man die Kirche bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auf Schadenersatz verklagen. Wenn man Verbrechen nicht hart bestraft, dann passieren sie immer wieder. Finanzielle Entschädigungen alleine werden den Opfern nicht helfen, aber wenn die Summe nur hoch genug ist, dann ändert die Kirche vielleicht ihre überkommenen Strukturen. Vielleicht kann man so weiteren Missbrauch von Kindern stoppen.“

Hannelore Krause, Deutschland:

"Sexueller Missbrauch - auch in der katholischen Kirche - hat schon immer stattgefunden. Nur wurde das Thema tabuisiert. Der Zölibatszwang gehört einfach nicht mehr in das 21. Jahrhundert. Freiwillige Enthaltsamkeit ist okay, aber sexuelle Enthaltsamkeit per Kirchengesetz ist eine widernatürliche Anordnung und gehört abgeschafft. Der liebe Gott hat Männlein und Weiblein zwecks geschlechtlicher Fortpflanzung geschaffen. Und dies sollte auch die katholische Kirche beherzigen."

Erich Prinz , Thailand:

"(…) Den Glauben trägst du im Herzen und nicht in der Kirche!"

Adalbert Goertz, USA: |

"(Sexueller Missbrauch in der Kirche, d. Red.) ist verursacht durch das Zölibat."

Karl-Heinz Mönnekemeyer, Thailand:

"Religionen, die ihre Gläubigen mit nicht beweisbaren Heilsversprechen nach dem Tode (im Diesseits, d. Red.) in 'Angst vor ewiger Verdammnis' halten, üben die Macht aus, ihre Schäfchen gegen die eigene Natur leben zu lassen. Im Extremfall ist das die Forderung nach sexfreiem Dasein für die Priester: das Zölibat. Da sich die Natur, auch die menschliche Natur, nicht durch Ideologie verbiegen lässt, sucht sie sich ihre Auswege in heimlichen Ehen, illegale Vaterschaften, praktizierter Pädophilie und schwulen Beziehungen der Priester; was wieder Druckmittel für zusätzliche Angst ist. Ob da die Heiligsprechung der Päpste hinreichende Rückversicherung gegen die ewige Verdammnis ist?"

Erwin Scholz, Costa Rica:

"Frömmeln gilt's zu vermeiden.

Es zeitigt zu oft Leiden.

Sollt kirchlich frischer denken

und Karr'n mehr grad aus lenken."

René Junghans, Brasilien:

„Es hört sich etwas eigenartig an, dass die Opfer erst nach ca. vier Jahrzehnten an die Öffentlichkeit treten, um vermutlichen sexuellen Missbrauch anzuzeigen. Vor allem, weil diese Anklagen in Deutschland erst begannen, nachdem in den USA solche Verbrechen fast tagtäglich in den Medien erschienen und die katholische Kirche millionenschwere Entschädigungen zahlte. Es ist natürlich schrecklich, wenn solch ein als Pater verkleideter Sexualverbrecher Kinder missbraucht, aber wie können die Opfer das heute noch beweisen? Ich will hier um Gottes Willen nicht die katholische Kirche verteidigen, aber die rechtliche Grundlage einer Verurteilung ist doch stets der unanfechtbare Beweis der Sachlage. Sollte einem Sexualverbrecher nachgewiesen werden, dass er schuldig ist, gehört er kurzerhand kastriert, denn nur ein kastrierter Mann kann keine weiteren Sexualmissbräuche begehen, und da sollte man vor Patern (oder vor allem bei Patern) keine Ausnahme machen. Wie die Opfer das Verbrechen verarbeiten? Das ist schwer zu beantworten, nachdem sie Jahrzehnte darüber geschwiegen haben.“

Gerhard Seeger, Philippinen:

"Warum? Vielleicht weil die Täter (da Kirche und Priester lange unantastbar waren und noch heute für viele sind) relativ sicher sein konnten, dass sie nichts zu befürchten haben. Tatsächlich ist sexueller Missbrauch in der Kirche nicht nur Jahrzehnte sondern Jahrhunderte alt. (Die kritische Geschichtsforschung kann's belegen.) Früher, als die Kirche noch mehr direkte Macht hatte, hatten sie gewiss nichts zu fürchten. Auch heute haben sie nicht allzu viel zu befürchten. Offen will die Kirche jetzt sein, aber so einiges bleibt von der Offenheit ausgeschlossen, soll Tabu bleiben. Zum Beispiel, dass der jetzige Papst, als er noch Kardinal war, von seinem Vorgänger mit dem, was sie Aufklärung nannten, beauftragt wurde. Diese Aufklärung war in Wirklichkeit Vertuschung. Millionen Dollar sind als Schweigegeld geflossen. Keiner der Täter (auch Bischöfe und Kardinäle waren darunter) wurde bestraft, keiner der Justiz übergeben, ja nicht mal des Amtes enthoben. Unter Ratzingers Schutz wurden sie nur versetzt. Solange die Kirche nicht auch das offen zugibt, ist es mit der Offenheit wohl nicht weit her."

Herbert Fuchs, Finnland:

"Die katholische Kirche ist nach meiner Meinung sehr konservativ mittelalterlich eingestellt. Und der Zölibatszwang, das heißt die Ehelosigkeit aus religiösen Gründen, zeigt deutlich heutzutage, was Negatives geschieht und wie der Priesterberuf in auffallend vielen Fällen zu spektakulären Fällen von sexuellen Missbrauch führt. Eine ältere Frau meinte bei diesen heiklen Thema, dass diese angesehenen, fein aussehenden Herrn ihre Lust auch nicht heraus schwitzen können (…). Schlimm und unverzeihlich ist, wenn die katholische Kirche nicht einsehen will, dass Priester auch nur Menschen sind."

Die Redaktion von ‚Politik direkt’ behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen.