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Forum

Politik direkt Forum vom 09. 10. 2008

"Sollen Banker für ihre Fehler haften?"

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Börse in Frankfurt am Main. (AP Photo/Michael Probst)

Informationen zum Thema:

Finanzkrise in Deutschland - Wer trägt die Haftung?

Die Worte von Finanzminister Steinbrück sind deutlich, er fordert offen den Rücktritt von Bankmanagern. Ähnlich wie Steinbrück monieren immer mehr deutsche Politiker, dass Banker ihre milliardenschweren Fehler auf den Staat abschieben. Im Mittelpunkt der Kritik: der Chef der Hypo Real Estate. Auf Druck der Bundesregierung ist er mittlerweile zurückgetreten. Er verschätzte sich um mindestens 15 Milliarden Euro, die jetzt zusätzlich zum Erhalt des Bankhauses nötig sind. Ein erstes Rettungspaket der Bundesregierung ist deshalb geplatzt. Der Vorsitzende des Verbandes der Jungen Unternehmer geht sogar weiter, er verlangt, dass Manager für Fehlentscheidungen auch mit Ihrem Privatvermögen haften müssen.

Unsere Frage lautet:

"Sollen Banker für ihre Fehler haften?"

Antworten unserer Zuschauer:

Hannelore Krause, Deutschland:

"Jeder Arzt wird für einen Kunstfehler, den man ihm nachweisen kann, haftbar gemacht. Jeder Mensch, der Fehler macht, wird in Regress genommen. Daher wird jedem Bürger für etwaige Regressansprüche eine Haftpflicht-Versicherung ans Herz gelegt, weil es ihn im Ernstfall teuer zu stehen kommen kann. Mit Unsummen bezahlte Manager, die ganze Finanzimperien in den Ruin stürzen, sollten nicht ungeschoren davonkommen. Sie sollten mit einem Teil ihres Privatvermögens, so es denn vorhanden ist, haften. Und da sie sich kriminellen Handlungsweisen unterworfen haben, sollten ihnen Belohnungen wie Abfindungen oder Ruhegelder entzogen werden."

Charles Smyth, Großbritannien:

"Banker sind immer unter Druck ihren Job zu verlieren, wenn sie nicht virtuos auf der Klaviatur von Finanzinstrumenten zu spielen verstehen. Insofern ist es unrealistisch sie bestrafen zu wollen, wenn sie sich nicht des Betrugs schuldig gemacht haben. Den Fehler hier haben die Wähler/Steuerzahler/Sparer gemacht, indem sie Politiker gewählt haben, die dieses System immer gestützt haben. Diese Politiker müssen ehrlicher sein und gegen ein solches Verhalten von Bankern vorgehen. Gegen die Banker vorzugehen, ist wie wenn man den Überbringer der schlechten Botschaft bestraft. Finanzminister Steinbrück missfiel die Botschaft. Steinbrück hat selbst darauf hingewiesen, dass tiefgreifende Finanzkrisen wie die jetzige in der Vergangenheit dazu geführt haben, dass einer wie Adolf Hitler an die Macht gekommen ist."

Paul A. Stadelmann, Venezuela:

"Wenn ein normaler Bürger in dem Maße fremdes Geld verzockt und vernichtet und die Bilanzen fälscht, wäre er schon längst am Pranger und im Gefängnis. Es darf doch nicht angehen, dass Banker mit unserem Geld im Börsencasino spielen, falsche Gewinnversprechen machen, bei Gewinn sich dumm und dämlich verdienen und bei Verlust sich vor Verantwortung drücken! Die Verstaatlichung der Banken ist die einzige seriöse Lösung um die Interessen der Kleinanleger zu schützen. Also öffnet die Tore der Gefängnisse für die weißen Kragenmänner und klopft ihnen tüchtig auf die Finger!"

Dietmar Kupschus, Togo:

"Wieso haften? VERhaften und nicht wie im Angela-Land üblich mit Millionen Abfindung und wohlmöglich noch Bundesverdienstkreuz in den Ruhestand schicken. Zum Glück hab ich den Mauerfall richtig gedeutet und bin abgehauen. Gott sei Dank!"

Gerhard Seeger, Philippinen:

"Einzuführen, dass Banker für Fehler haften, ist mehr als überfällig. Aber hier darf es nicht enden, das gleiche muss auch für Top-Manager in anderen Unternehmen gelten. Und: Waren es immer nur Fehler? Steckte nicht (häufig) auch das Motiv dahinter -trotz ihrer bereits überzogenen Multi-Millionen-Gehälter - noch mehr Geld für sich selbst zu machen, ohne Rücksicht auf den Schaden für die Allgemeinheit? Darum darf ihr Privatvermögen nicht mehr tabu sein. Auch Haftstrafen, mindestens wegen Betrugs, sollten möglich sein."

Martin Burmeister, Venezuela:

"Auf jeden Fall sollten Vorstand und Aufsichtsrat zivil- und strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können. Dies gilt auch für die Wirtschaftsprüfer, obwohl diese die Verantwortung in ihrem Bericht auf die Vorstände der geprüften Firmen schieben. Hier sind Hinweise auf alle Risiken und die entsprechende Vorsorge besonders zu erwähnen."

René Junghans, Brasilien:

"Jeder muss für seine Fehler haften, auch mit seinem Privatvermögen. Vor allem Menschen mit höherem Studium können sich doch nicht einfach hinter sogenannter "Unkenntnis der Sachlage" verschanzen, behaupten, es seien Fehler passiert und dann soll der Steuerzahler für den Schaden aufkommen? Diese Bankiers haben übel spekuliert, um Vermögen zu verdienen. Jeder Spekulant ist sich der Risiken bewusst und muss diese richtig einschätzen. Wenn Otto Normalverdiener seine Ersparnisse auf dem Aktienmarkt verspekuliert, dann steht dafür doch auch keiner da und bietet an, den Verlust zurückzuerstatten. (...) Zocker müssen auf jeden Fall mit ihrem Privatvermögen zur Rechenschaft gezogen werden und wenn Unverantwortlichkeit nachweisbar ist, dann gehören solche Manager auch eingesperrt. Wer Sparer um ihr Geld bringt, ist ein Betrüger und den entsprechenden Gesetzen unterworfen."

Franz Gelbke, Indonesien:

"Allein die Frage kommt mir wie Hohn vor. Wir haben auf unserer Welt Millionen von klein- und mittelständischen Unternehmen. Alle müssen für ihre Fehler haften. Fehler haben bei ihnen immer eine Auswirkung auf die ganze Familie. Warum sollen dann Banker nicht haften? In den letzten Jahren hat sich das Finanzgeschäft verselbstständigt und Banker haben sich hochherrschaftlich aufgeführt. Die Menschen die geforscht, entwickelt und produziert haben sind als drittklassig belächelt worden. Jetzt sollen nur die bezahlen, die vorher für die hohen Einkommen in der Finanzwelt geschuftet haben? 200 Milliarden € alleine in Deutschland, ca. 2.500 € pro Kopf, sollen helfen die Probleme abzufangen. Die Auswirkungen sind zur Zeit nicht annähernd abzuschätzen. Selbstverständlich sollten die Banker für ihre Fehler haften, sonst geht der letzte Funken Vertrauen in unser System verloren."

Lee Davis, USA:

"Ja, Banken sollten für ihre Fehler haften. Ich lebe in einem Land, wo ich mich um mich selbst kümmern muss. Wenn ich meinen Job verliere, bleiben mir sechs bis zwölf Monate Arbeitslosenversicherungsgelder und dann stehe ich auf der Strasse. Wenn aber Bankmanager meine Ersparnisse stehlen und damit zocken um noch reicher zu werden, dann muss ich für deren Verluste gerade stehen. Diese Leute gehören hinter Gitter!"

Erwin Scholz, Costa Rica:

"Wild phantasiern und Geld vernichten,

real heut diese Bankgeschichten.

Für euren Wahn, ihr Zaster-Profis,

stehn wir dann wieder ein, die "Doofis".

Harald Schmitz, Brasilien

"Klarer Fall bei Pflichtverletzung:Im Deutschen Aktiengesetz vom 16. Juli 2007 steht unter § 93 Sorgfaltspflicht und Verantwortlichkeit der Vorstandsmitglieder im Abschnitt 2: Vorstandsmitglieder, die ihre Pflichten verletzen, sind der Gesellschaft zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens als Gesamtschuldner verpflichtet."

Die Redaktion von ‚Politik direkt‘ behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen.