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Forum

Politik direkt Forum vom 09. 09. 2010

"Ist es richtig, Atomkraftwerke länger laufen zu lassen?"

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(AP Photo/Joerg Sarbach)

Informationen zum Thema:

Energierevolution? - die Regierung hält an der Atomkraft fest

Eigentlich sollte in Deutschland das letzte Atomkraftwerk 2022 vom Netz gehen. So hatte es einmal die rot-grüne Regierung unter Kanzler Schröder beschlossen. Die Koalitionsregierung von Angela Merkel will nun aber länger an der umstrittenen Atomkraft festhalten. Die letzten Meiler würden nach dem gerade verabschiedeten Konzept erst 2040 oder 2050 abgeschaltet. Die Regierung feiert ihr neues Energiekonzept, das auch die Förderung von Alternativenergie berücksichtigt, als Revolution. Die Opposition läuft Sturm gegen die Pläne, droht mit Demos und Gerichten.

Unsere Frage:

"Ist es richtig, Atomkraftwerke länger laufen zu lassen?"

Anworten unserer Zuschauer:

Paul Schaller, Argentinien

"Ich finde es falsch, da die Antwort nur von der Finanzpolitik bestimmt wird! Brennelementsteuer und Abgabe für die Erneuerbare Energie sind schon 4 Milliarden für den Staat, plus die Gewinne der Konzerne. Da stellt sich die Frage: Wieviel bezahlt der Stromkonsument zuviel für die Energie? Ist das eine zusätzliche Steuer?"

René Junghans, Brasilien

"Wenn man die Energie braucht, ist es sicher ganz richtig, die Atomkraftwerke weiterhin laufen zu lassen. Man kann ja nicht einfach das Licht abschalten, nur weil es einigen Querdenkern nicht passt, dass Atomenergie eingesetzt wird. Diese Frage hätte man stellen sollen, bevor das erste Atomkraftwerk gebaut wurde, nicht jetzt, wo diese milliardenteuren Kraftwerke bereits seit Jahrzehnten Energie produzieren, ohne die Deutschland sich sicher nicht so erfolgreich entwickelt hätte. Man sollte sich allerdings verstärkt um alternative Energiequellen bemühen!"

Axel Werner, Deutschland

"Grob gerechnet, erzeugen die abgeschriebenen Kernkraftwerke jährlich ca. 7 Mrd. Euro Gewinn. Abzüglich ca. 3 Mrd Euro neue Steuern macht das einen Nettoertrag von 4 Mrd Euro. Die Atomlobby wäre dumm gewesen, dafür nicht den bekannten Druck zu machen. Soweit die kurzfristige Perspektive. Langfristig ist das aber eine Katastrophe für das Land. Um eine Einheit BSP zu erzeugen, braucht Deutschland weniger als halb so viel Energie wie die USA. Und dieser Wert hat sich in den letzten 20 Jahren um 40 % verbessert, während die USA sich nur um 17 % verbessert haben. Mit anderen Worten: Verglichen mit Europa sind die USA weit abgeschlagen, was die Energieeffizienz betrifft. Und warum? Weil Europa immer schon Energie mittels Steuern gegenüber den USA stark verteuert hat. Damit wurde der technische Wandel gefördert, was uns heute entscheidende Vorteile auf den Weltmärkten und in der Energiebilanz bringt. Ein guter Teil der Misere der US-Autohersteller liegt ja an deren vorsintflutlichen Motoren, die enorme Mengen an viel zu billigem Benzin schlucken. Diese jahrzehntelange Logik wird jetzt unterbrochen. Die Atomkraftwerke abzuschalten, wie geplant hätte zur Folge, dass die "billige" Atomenergie ausläuft und Energie insgesamt "teurer" wird. Wir wären also gezwungen, weiterhin alle Formen der Energiegewinnung- und nutzung konsequent zu verbessern. Dieser Druck ist jetzt zumindest sehr stark verringert, und Deutschland hat damit ein strategisches Entwicklungspotential für ein Linsengericht vergeben."

Erwin Scholz, Costa Rica

"Ob's nun zwanzig, fünfzig Jahre,

final wartet die Bahre

auf Kluge, Dumme, aufs Atom.

Vorher aber "brauch ma" Strom."

Gerhard Seeger, Philippinen

"Die Regierung lobt sich selbst hoch, für das, was sie "Energierevolution" nennt, obwohl es doch eher den Eindruck einer Rolle rückwärts macht. Diese Jahre an längerer Laufzeit, bedeuten auch tausende Tonnen mehr gefährlichen Atommülls und das Problem, wie man diesen wirklich sicher endlagern kann. Die Betreiber würden mit hohen Abgaben belastet. Werden sie diese Kosten wirklich selbst tragen? Oder Wege finden, wie man diese Kosten an die Verbraucher weitergibt? Die Opposition sagt, Schwarz-Gelb habe sich kaufen lassen. Ein Hinweis, dass das zutreffen kann ist auch, dass es so eingerichtet ist, dass auch später eine andere Regierung an den gemachten Zusagen nichts mehr ändern kann."

Martin Burmeister, Venezuela

"Zurzeit produzieren AKWs ca. 30% der Stromabnahme unabhängig von Wind und Wetter. Wahrscheinlich wird es nicht möglich sein, diesen Anteil der Produktion sicher bis 2020 mit erneuerbaren Energien zu decken. Sollten dann AKWs technisch zuverlässig und möglichst störungsfrei Strom erzeugen können, ist eine Verlängerung der Laufzeit gerechtfertigt, statt Atomstrom aus Frankreich zu importieren."

James F. Dunn, USA

"Natürlich sollten alle deutschen Atomkraftwerke weiterlaufen! Sonst wäre doch die internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft gefährdet. Deutschland ist doch viel zu wichtig, um den Argumenten von grünen Umweltschützern nachzugeben."

Waltraud Maaßen, Neuseeland

"Die Verlängerung der Laufzeit für Atomkraftwerke finde ich äußerst riskant und auch rückwärts gewandt. Dadurch hat man den Ausbau der Alternativenergie um Jahrzehnte abgewürgt. Genau wie im Autobau - damals wurde eine Chance für umweltfreundliche Motoren verpasst, weil die Petroliumlobby einfach zu stark war und immer noch ist. Hat die Regierung Tschernobyl vergessen? Neuseeland ist atomfreie Zone, Gott sei Dank. Das Erdbeben vom 4.September hat Christchurch schwer getroffen. Seitdem hatten wir 548 Nachbeben, Experten hatten keine Ahnung, dass um Christchurch herum eine Erdfalte existiert. Die Stadt galt als der sicherste Ort in Neuseeland. 44000 Häuser sind beschädigt, 5000 haben Totalschaden, keine Toten. Was für einen Schaden hätte ein beschädigtes Atomkraftwerk angerichtet?"

Die Redaktion von ‚Politik direkt’ behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen.