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Forum

Politik direkt Forum vom 08. 07. 2010

„Nehmen Behörden Bürger ernst?"

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Viele Hartz IV Bescheide sind fehlerhaft

Informationen zum Thema:

Der "Bescheiderklärer" - Ein Mann im Kampf gegen die Hartz IV-Bürokratie


100.000 Klagen sind bisher gegen Bescheide über Hartz-IV Sozialleistungen am Berliner Sozialgericht erhoben worden. Häufig klagen die Empfänger zu Recht, denn es gibt bei den Bescheiden jede Menge Fehler. Um das zu ändern, gibt es im Jobcenter Berlin-Mitte einen eigenen „Bescheiderklärer“. Der führt oft selbst einen Kampf gegen die Bescheide seiner Kollegen.


Unsere Frage lautet:

„Nehmen Behörden Bürger ernst?"

Antworten unserer Zuschauer:

Cristina H. Bockmuhl, Philippinen:

"Auf den Philippinen wohl kaum. Es herrscht ein unendlicher Schlendrian hier. Oft sind Behördenangestellte mehr damit beschäftigt, sich etwas "zu besorgen", sei es Reis oder Kleingeld, statt ihrer Arbeit nachzugehen. Mit dem sogenannten Expresszuschlag funktioniert vieles schneller. Wozu jedoch Expresszuschlag wenn der Druck auf den PC Knopf so oder so recht schnell geht? Der PC spuckt die Ergebnisse (immer gleich schnell aus, d.Red.). Auch gegen ein kleines Trinkgeld hatte bislang kaum jemand etwas einzuwenden. Vielleicht hilft das gute Image des neuen Präsidenten dabei, auf Ämtern dem Bürger schneller helfen zu wollen."

Helge Weyland, Argentinien:

Hier werden die Bürger sehr ernst genommen, wenn in dem Personalausweis der bei der Vorstellung vorgelegt werden muss, der richtige Betrag liegt.“

Herbert Fuchs, Finnland:

„Die Bürokratie in Deutschland schreit nach meiner Meinung förmlich zum Himmel. Was der einfache Mensch durchleiden muss für irgendeine winzig kleine Genehmigung. Schon der Sänger Reinhard Mey sang: „Einen Antrag auf Erteilung eines Antragformulars…“. (…) Wenn ich in meiner alten Heimat Deutschland bin, erledige ich oft die Behördengänge für meine alte Mutter, die schwer gehbehindert ist und eine künstliche Herzklappe hat. Das letzte Mal hat sie mich gebeten, zum Gemeindeamt zu gehen, um ihren Schwerbehinderten-Parkausweis zu verlängern. (…) Die Beamtin sagte mir, dass sie erst wieder zum Arzt muss und der es bestätigen musste und dann das Versorgungsamt seinen Segen erteilen muss, um einen neuen Stempel mit Unterschrift in den blauen Parkausweis zubekommen. Man versicherte mir, dass es einige Zeit in Anspruch nehmen wird und ich wohl schon wieder lange warten müsste bis die Genehmigung erteilt wird. Ich war wieder einmal geschockt von der Bürokratie in Deutschland und ich war heilfroh, dass ich in meinem zweiten Heimatland nicht solchen scheußlichen Schikanen ausgesetzt bin. (…) Die Bürokratie ist wie ein Sumpf, in dem es keinen Halt gibt für die Belange der einfachen Menschen. (…) Armes Deutschland, dachte ich mir, als ich das Gemeindeamt verließ. Was würde der Götz von Berlichingen dazu sagen?“

Gerhard Seeger, Philippinen:

„Hier auf den Philippinen geht es in den Behörden meist sehr langsam zu; man lässt den Bürger lange warten, was man durchaus als eine Form des „den Buerger nicht ernst nehmen“ sehen könnte. Es sei denn, man zahlt eine relative hohe Expressgebühr. Dann kann man innerhalb von zwei bis drei Stunden bekommen, auf was man sonst leicht bis zu einer Woche warten muss.“

Hannelore Krause, Deutschland:

"Der Kunde ist König - es lebe der König!" Und wie steht es mit Verwaltungen und ihren Bürgern? Verwaltungen bezeichnen sich vielfach schon als Dienstleistungsunter-nehmen, deklarieren das auch und verstehen den Bürger als Kunden. Aber man vermisst oftmals die Ernsthaftigkeit der Behörden gegenüber dem Bürger. Er ist für die Verwaltung immer noch eine Nummer, die er ja auch ziehen muss, wenn er sich zu einer Behörde begibt. Er kommt sich oft wie ein Bettler vor und ist immer der Allmacht seines Gegenübers ausgesetzt und auf dessen Wohlwollen angewiesen. Und wer sich nicht richtig artikulieren kann, muss damit rechnen, von Pontius zu Pilatus geschickt zu werden. Das Gegenüber hat nichts zu befürchten. Es sitzt warm eingebettet auf seiner Planstelle im Amt und darf auch Entscheidungen nach "seinem Gusto" treffen. Wohlgemerkt: Es gibt auch Verwaltungen, die ihre Bürger auf Händen tragen!"

Erwin Scholz, Costa Rica:

„Trotz sehr vieler Großbehörden

klappt's nicht recht auf unsrer Erden.

Muss echt staunen, wie die Affen

es tatsächlich ohne schaffen.“

Kai Nicholson, Indien:

"Bei uns in Indien trottet der Amtschimmel sehr langsam und dabei weiß er oft nicht mal, wozu er da ist."

René Junghans, Brasilien:

"Es ist überall das gleiche Trauerspiel: Behörden nehmen die Bürger meistens nicht ernst. Beamte zeigen sich oft anmaßend und überheblich, scheinen sich einen Dreck um die Bedürfnisse der Bevölkerung zu scheren. Wenn es dann um Bittgesuche geht, scheinen sie buchstäblich ihr Gegenüber zu verachten, denn Arme sind für sie nicht auf gleicher Höhe zu behandeln, als einer aus der Mittelklasse, der nur irgendein Dokument benötigt. Daher gibt es auch soviel Beamtenwitze. Es scheint mir richtig, wenn der Volksmund es so schön zum Ausdruck bringt: "Es gibt Menschen und es gibt Beamte". Auf der anderen Seite gibt es zwischendurch auch mal einen Beamten, der seine Arbeit erwartungsgemäß tut, aber leider ist das die Ausnahme und nicht die Regel. Um Effizienz ins System zu bringen, sollte man alle Dienstleistungen privatisieren, dann müssten die heutigen Beamten arbeiten, damit sie nicht ihren Job verlieren."

Die Redaktion von ‚Politik direkt’ behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen.