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Forum

Politik direkt Forum vom 08. 05. 2008

"Was ist Armut"

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Suppenküche für Arme (AP Photo/Frank Rumpenhorst)

Informationen zum Thema:

Armut in Deutschland - Wie groß ist die Not?

Nach dem aktuellen Armutsbericht gilt fast jede fünfte Familie in Deutschland als arm. Dabei steckt kaum ein Land weltweit soviel Geld in Sozialkassen wie die Bundesrepublik. Über Armut in Deutschland muss man deshalb nicht reden - das sagen Fachleute wie der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin. Trotzdem steigt in Deutschland die Zahl derjenigen, die als arm gelten. Eine Reportage über eine Familie, die am deutschen Existenzminimum lebt - und wie sie mit ihren Mitteln versucht, zurecht zu kommen.

Unsere Frage lautet:

"Was ist Armut"

Antworten unserer Zuschauer:

Wolfgang Hoebler, Mexiko:

"Armut ist, von der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein."

Harald Schmitz, Brasilien:

"Armut ist ein ungenauer Begriff wie zum Beispiel Hitze oder Kälte. Was für den einen noch warm ist, ist für den anderen bereits kalt. Somit ist auch das Armutsempfinden in jedem Land und bei jedem Menschen verschieden. Eine absolute Armut, wie man sie aus unterentwickelten Ländern kennt, gibt es in Deutschland nicht."

Janna Drummer, Argentinien :

"Armut ist Definitionssache. Ich wohne seit fast 2 Jahren in Buenos Aires. Bei meiner Ankunft war ich natürlich geschockt von den Lebensverhältnissen und der großen Schwelle zwischen arm und reich in Argentinien. Vor kurzem bin ich aus einem zweimonatigen Urlaub in Peru und Kolumbien zurück gekommen und war erstaunt von den guten Lebensverhältnissen in Argentinien. Was als 'Armut' zu bezeichnen ist, variiert also von Land zu Land. So ist es durchaus wichtig, auf die Armut in Deutschland hinzuweisen, auch wenn jeder Argentinier nur lachen könnte, wenn jemand als arm bezeichnet wird, nur weil er sich den Kinobesuch oder den Schulausflug nicht leisten kann."

Paul Stadelmann, Venezuela :

"Die Frage was Armut ist, ist eine gute Frage. Zum einen gibt es die wirklich Armen, die mehr aus ihrem Leben machen möchten. Zum anderen gibt es sehr viele Arme, die gar nicht mehr möchten, aus welchen Gründen auch immer. Zum dritten gibt es die Sozialschmarotzer, welche sich in Armut fallen lassen, damit sie nicht arbeiten gehen müssen, die sich auch nie selbst versorgen möchten, da sie ja mit ihrer Situation glücklich sind."

Stephan Pabel, Brasilien:

"Wer sich kein wetterfestes Dach über dem Kopf, 3 Mahlzeiten am Tag, keine der Witterung angemessene Kleidung leisten kann und keinen Fernseher hat, um am kulturellen Leben teilzunehmen, der lebt in Armut, der wird krank vor Armut, der muss sich ungesetzliche Wege suchen, um menschenwürdig zuleben."

Herbert Fuchs, Finnland:

"Armut könnte man bezeichnen als großes menschliches Elend, wo ein Mensch Angst haben muss vor den nächsten Tag. Armut heißt zum Leben zuwenig und zum Sterben zuviel. Armut ist der größte Feind der Menschheit."

Claus Stauffenberg, Australien:

"Armut ist ein Mangel an Wissen. Bildung ist der Schlüssel, um Arbeitslosigkeit zu begegnen. Sie befähigt die Menschen jenseits von niederer Tätigkeit und industrieller Arbeit, Positionen zu besetzen, die in der modernen Infrastruktur gebraucht werden."

Erwin Scholz, Costa Rica:

"In Armut leben viele

im weiten Erdenrund,

solang der Macher Ziele

ichsüchtig tun sich kund.

Würd' Machenschaft gemieden,

erfolgreich wär' die Reis'.

Meist aber wird entschieden,

getrickst sein muss der Preis."

Gerhard Seeger, Philippinen:

"Manch einer fühlt sich schon arm, wenn er auf den Zweitwagen verzichten muss, ein andrer braucht gar keinen und ist mit Kleidung und Nahrung vom Discounter zufrieden. Das soll nicht heißen, es gäbe keine Armut im 'reichen" Deutschland, aber es hapert an der Verteilung. Total arm ist, wer wie z. B. auf den Philippinen ohne Sozialhilfe, krank, schwach, dazu noch alt auf der Straße liegt."

Aeron Paul Soriano, Philippinen:

"Armut betrifft einen Großteil der Bevölkerung, denen es an etwas Notwendigem oder Wünschenswertem mangelt. In unserem Land sind Armut und Arbeitslosigkeit die größten Probleme, die unsere Regierung lösen muss, und zwar so, dass die Menschen ihre täglichen Bedürfnisse stillen können, nicht nur für sich selber, sondern auch für ihre Familien."

Hassan Munir Khan, Ukraine:

"Wenn man arm ist, kann man sich die grundlegenden Dinge des Lebens nicht leisten, wie Gesundheit, Bildung oder Gerechtigkeit."

Martin Burmeister, Venezuela:

"Der Begriff 'arm' wird überall auf der Welt unterschiedlich ausgelegt. Nach meiner Meinung ist es die Einstellung jedes einzelnen Menschen zum Leben in seiner Umgebung, sich für arm oder reich zu halten. Abwegig ist es, die Armut nur ab einer finanziellen Grenze zu suchen. In meiner Jugend sagten wir scherzhaft: ‚Lieber reich und gesund, als arm und krank‘. Zu der Zeit (kurz nach dem Weltkrieg) hatten wir alle nichts und fühlten uns trotzdem nicht arm, sondern eher reich."

Lee S. Davis, USA:

"In einem Wort: Armut ist Hoffnungslosigkeit. Für mich bedeutet Armut, wenn man sich grundlegende Dinge wie Obdach, Essen, Wasser oder Gesundheitsversorgung nicht leisten kann, ohne zwischen ihnen auswählen zu müssen."

René Junghans, Brasilien:

"Die zunehmende Armut in Deutschland ist beeindruckend. Wenn man sieht, dass in dem einst so reichen Land so viele Menschen ohne Arbeit, ohne das Notwendigste auskommen müssen, merkt man klar, wie die deutschen Politiker versagt haben. Armut für mich bedeutet, nicht genug Essen zu haben, kein Zugang zu ausreichender medizinischer Versorgung, gute Schulen für die Kinder und Freizeitvergnügen, dazu gehört ab und zu eine Fahrt am Wochenende und einmal in Jahr mindestens zwei Wochen Ferien irgendwo, wo man entspannen und sich vergnügen kann, angemessener Wohnraum in einem guten Wohnviertel, vorzugsweise ein Eigenheim und ein Mittelklassewagen, wenn man das nicht hat, ist man echt arm. In Brasilien können wir uns das glücklicherweise alles bequem vom unserem Arbeitslohn leisten. Aber leider haben wir auch hier noch zu viele Armutsviertel (Favelas), wo die Menschen in Holzhütten ohne sanitäre Installationen hausen. Doch hier geht es immer mehr aufwärts."

José Rafael Dimagiba, Philippinen:

"Diese deutsche Familie scheint zwar unter dem materiellen Niveau ihrer Nachbarn zu leben, aber sie kommt bei weitem nicht an die Erfahrung von Armut in meiner Gegend heran, wo Menschen im Abfall nach Essen suchen, ihre Körper verkaufen oder stehlen um essen zu können. Diese deutsche Familie sollte dankbar dafür sein, in einem solchen Sozialstaat zu leben. Der garantiert ihnen ein zwar bescheidenes, aber doch sorgenfreies Leben, selbst wenn Kaufkraft und Lebensstandard etwas niedriger sein sollten."

Rina Verwoerd, Südafrika:

"Armut ist: Zu viele Menschen auf der Erde, zu wenig Arbeit und zu wenig
Nahrung."

Kamil Lis, Polen:

"Man müsste nach Polen kommen und sich persönlich überzeugen, was Armut bedeuten kann Für uns wäre die letzte deutsche umstrittene Sozialreform, die das Arbeitslosengeld II eingeführt hatte, eine komplexe Lösung für viele arbeitslosen Polen, die einfach in ihrer Armut durch den Staat vergessen wurden.
In der Reportage der DW-Journalisten habe ich persönlich keine Armut in derdargestellten arbeitslosen Familie gesehen, die sich sogar Telefonanschluss, 4 Haustiere und weiteren Luxus leisten konnte. In Polen bekommen über 80% aller Arbeitslosen kein Arbeitslosengeld, gar keine staatliche Unterstützung.
Sie machen sich dann auf den einzigen Weg ins Ausland. Ich beobachtete in einer deutschen Stadt, während meines Praktikums bei einer Wohngemeinschaft, wie wohl sich einige dauerhaft Arbeitslose fühlen. Ich dachte dann, es würde reichen,
wenn sie nur für einen Monat nach Polen kommen und dort als Arbeitslose zu überleben versuchen. Dann lernen sie wieder zu schätzen, was sie in Deutschland haben. Mittlerweile ist die Arbeitslosenquote in einer der ärmsten Wojewodschaften Polens Zachodniopomorskie weit niedriger als in dem deutschen
Nachbarbundesland Mecklenburg-Vorpommern."

Horst Nigrin, Ecuador:

"Armut ist, wenn ich nicht weiß, wie ich zu meiner nächsten Mahlzeit komme.
Armut ist, wenn ich nicht weiß, wo ich die nächste Nacht verbringe. Armut ist, wenn ich nicht weiß, wo ich ein Glas Wasser trinken kann. Deutschland hat in seiner Vergangenheit sicherlich schon große Armut erlebt, doch was jetzt viele Menschen als Armut sehen, ist sehr traurig mit anzusehen. Man sollte sich einfach mehr freuen an dem was man hat."

Die Redaktion ‚Politik direkt‘ behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen