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Forum

Politik direkt Forum vom 08. 04. 2010

"Widerstand gegen Google - ist das typisch deutsch?"

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Google-Street-View

Informationen zum Thema:

Big brother watching - Deutsche wehren sich gegen den Internetgiganten Google

Empörte Anwohner, entsetzte Datenschützer - Riesenstreit um Google-Street-View. Seit Wochen fahren Kamerawagen der Internetfirma durch Deutschland. Jede Stadt, jedes Dorf, jeder Vorgarten soll fotografiert und dann ins Internet gestellt werden. Viele Menschen wollen sich das aber nicht gefallen lassen. In Bayern, wo die Google-Autos gerade unterwegs sind, gehen die Menschen auf die Barrikaden. Auch Politiker sehen die exakten Aufnahmen von Häusern, Vorhängen, frisch geschnittenen Hecken und den Autos davor skeptisch.

Unsere Frage lautet:

"Widerstand gegen Google - ist das typisch deutsch?"

Antworten unserer Zuschauer:

Andrei Bolshoi, USA:

"Ja, ich bin schon der Meinung, dass die Deutschen ein bisschen überreagieren. Wie wäre es denn, wenn ich als Privatperson Fotos von einem öffentlichen Platz machen würden, auf dem natürlich auch Menschen sind und das Foto dann ins Internet stellen würde? Ich verstehe deshalb die ganze Aufregung nicht. Ich habe nichts zu verbergen. Google guckt nicht in mein Schlafzimmer oder meinen Garten! Über Google-Street-View muss man also wirklich nicht besorgt sein!"

Axel Werner, Deutschland:

"Vielleicht sollte man die Frage umdrehen: Sich in alles einzumischen und überall herumzuschnüffeln, auch wenn es einen absolut nichts angeht - ist das typisch amerikanisch?"

Smbat Rafayelyan, Deutschland:

"Meine Meinung: Überall und stets in dieser Welt den Zugang zu haben - das ist typisch amerikanisch."

Victor Chan, USA:

"Die Deutschen übertreiben überhaupt nicht mit ihrer Skepsis. Ich würde mich auch sehr darüber ärgern, wenn ein komisch aussehendes Gefährt in meiner Nachbarschaft rumfährt und Aufnahmen von Allem und Jedem macht. Ich bin der Meinung, dass Google kein Recht dazu hat, die Daten kommerziell zu nutzen. Schließlich haben sie dazu keine Genehmigung eingeholt. Google ist einfach respektlos und sogar arrogant. Sie ignorieren die Rechte, des Landes, wo sie ansässig sind. (die USA, Red.) Die von Google können sich doch nicht einfach über das Gesetz stellen!"

Martin Burmeister, Venezuela:

"Die Deutschen sind bezüglich Datenschutz und Persönlichkeitssphäre sehr voreingenommen. Mir hat die Google-Suchmaschine bisher sehr gut geholfen und wahrscheinlich vielen anderen Menschen auch."

Paul Lenz, Argentinien:

"Ist es nicht schizophren, wenn man sich einerseits tagtäglich aller Öffentlichkeit zeigen will und muss, andererseits aber dort durch Abbildungen nicht gezeigt werden will? Gegen das Geschäft der Filmaufnahmen vom Papst in Deutschland hat ja auch niemand protestiert. Das Fotografieren von Stand- und bewegten Bildern sollte nur von privatem Gelände, bzw. Grundstück verboten werden, sofern es nicht schon von einem öffentlichen Ort aus zu erkennen ist."

Erwin Scholz, Costa Rica:

"Nein,

man braucht ein Schild

gegen den Trubel,

wenn Neugier quillt,

die des "Herrn Google"."

Charles Smyth, Großbritannien:

"Die Beschwerden über Google-Street-View sind nicht typisch deutsch. Die gibt es auch anderswo. Das Schnüffeln in der Privatsphäre und Street-View als mögliche Hilfestellung bei kriminellen Taten oder Terrorakten; das ist allerdings so eine Sache. Die Informationen sind nämlich meistens veraltet. Die Fotos werden nämlich nur selten aktualisiert. Wer wirklich etwas Kriminelles vorhat, der wird sich jedenfalls kaum veralteter Daten bedienen."

René Junghans, Brasilien:

"Ich finde den Widerstand gegen Google-Spione nicht typisch deutsch, sondern mehr als notwendig. Es ist eine klare Verletzung der Intimsphäre der Menschen, deren Heim und Eigentum ohne ausdrückliche Erlaubnis der Eigentümer abzulichten und ins Internet zu stellen. Ich würde in diesem Fall die Polizei rufen und gegen diese Google-Spitzel Strafanzeige stellen, genau wie gegen jede andere Person, die mein Eigentum unerlaubt fotografiert. In Brasilien haben wir schon mehrmals von Fällen gehört, wo Einbrecher in Häuser eingestiegen sind, die sie vorher über Google-Earth ausspioniert hatten. Aus dem Google erfahren solche Kriminellen, welche Schwachstellen ein Haus, eine Mauer, ein Zaun hat, ob das Haus Gitter vor den Fenstern hat, ob ein Wachhund da ist, wie viele Autos, welche Modelle, die auf den Reichtum des Bewohners hindeuten usw.. Es ist eine Schande, dass Google dadurch, auch wenn indirekt, zur Erhöhung der Kriminalität beiträgt. Google sollte sich darauf beschränken, Informationen zu liefern, die anderen Menschen nicht Schaden bringen, sonst ist Google nicht Big Brother, sondern Big Devil. Ich sage dazu abschließend: Google spies go to hell!"

Michael Schreiber, Taiwan:

"Alles, was neu ist, alles was ungewohnt ist, alles was anders ist, wird in Deutschland (d.Red.) zunächst vehement abgelehnt. Typisch deutsch ist das 'nicht mit mir'! Die Deutschen sind Fernreise-Weltmeister; gelernt haben sie aber nicht viel vom vielen Reisen. Nach wie vor wird sofort nach dem Gesetz und dem Staat gerufen, wenn Ungewohntes am Horizont erscheint. Traurig!"

Gerhard Seeger, Philippinen:

"Widerstand, sich von Google ausspähen zu lassen, hat nichts mit typisch deutsch zu tun. Es sollte besser typisch menschlich sein, gegen derartiges Ausspähen (Spionieren?) zu protestieren, das auch leicht in Kontrolle umzufunktionieren ist. Vielleicht sollte die Frage so sein: Sind die Länder, die das akzeptieren, bereits so an Überwachungskameras gewöhnt, dass es sie nicht mehr stört, wenn Google mit seinen hochauflösenden Kameras sie durch ihre Fenster filmt? Vielleicht gar bis aufs stille Örtchen oder unter der Dusche? Im Netz geht so leicht nichts verloren, irgendwer hat es eventuell bereits herunter geladen und kann es jederzeit wieder ins Netz setzen. Und dass Google alles löscht, was nicht für den eigentlichen Zweck gebraucht wird, dafür haben wir nur ihr Wort. Soll das eine Navigationshilfe im Straßenverkehr sein? Dazu genügt es, dass eine gute Art Straßenkarte auf dem Screen erscheint, mit genauer Bezeichnung der Straßen, der Gebäude usw. Blicke ins Wohnzimmer oder den Vorgarten mit Personen (Personen brauchen noch nicht mal auf der Straße zu sehen zu sein, um den Weg zu finden) und was sonst noch so gefilmt wird, sind dazu absolut nicht nötig."

Die Redaktion von ‚Politik direkt’ behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen.