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Forum

Politik direkt Forum vom 05.03.2009

"Sollte man Deserteuren Asyl gewähren?"

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André Shepherd

Informationen zum Thema:

Deutsches Asyl für einen amerikanischen Deserteur? - der Fall Shepherd

Irgendwann hatte Rekrut André Shepherd genug. Der amerikanische Berufssoldat sollte eigentlich im Irak seinen Dienst tun. Tatsächlich ist er untergetaucht, desertiert, lebt nun in einer Flüchtlingsunterkunft in Deutschland und hat Asyl beantragt. Der Fahnenflüchtige hält den Irakkrieg für unmoralisch und völkerrechtswidrig. Sheperd ist der erste Deserteur, der in der Europäischen Union Asyl beantragt hat. Seine Landleute halten ihn schlicht für einen Vaterlandsverräter. Aber Shepherds Anwalt beruft sich auf die Genfer Flüchtlingskonvention. Deutsche Politiker geben dem Ansinnen von Shepherd kaum Chancen.

Unsere Frage lautet:

Sollte man Deserteuren Asyl gewähren?"

Antworten unserer Zuschauer:

Gerhard Seeger, Philippinen:

"Politiker sind der Meinung, dass Shepherd nicht durchkommen wird. Wahrscheinlich werden sie – leider - Recht haben. Das Militär und der Staat werden in Fällen von Deserteuren, um ihre Autorität Aufrecht zu erhalten, nicht nachgeben. Vom menschlichen Standpunkt wäre ich in so gelagerten Fällen für Asyl. Denn Bush und sine Gang starteten diesen Krieg wissentlich mit gefälschten Angaben - auch geplant war es schon vor dem 11. September 200. Aber sie kamen damit durch. Und keine Regierung wird Deserteure davon kommen lassen können. Auch würden sie damit einen Präzedenzfall schaffen. Auch müssen nach militärischer und staatlicher Ansicht Soldaten jeden Befehl befolgen ohne Fragen nach der Richtigkeit zu stellen."

Hannelore Krause, Deutschland:

"André Shepherd hätte wissen müssen, was auf ihn zukommt, als er sich der Berufsarmee verschrieben hat. Viele US-Bürger erhoffen sich durch den Dienst in der Berufsarmee ein besseres Leben. Dass Kriege unmoralisch sind, wissen wir - auch dass sie völkerrechtlich nicht zu vertreten sind. Aus menschlicher Sicht könnte man ihm in Deutschland Asyl gewähren, wobei laut Genfer Konvention Asyl nur Zivilisten und keinen Soldaten zusteht. Er gilt verständlicherweise bei seinen Landsleuten als Vaterlandsverräter. Bei einer Ablehnung seines Asylantrages durch die deutschen Behörden würde er in sein Heimatland zurückgeschickt, wo er strafrechtlich verfolgt würde. Die politische Kehrseite allerdings wäre vermutlich die Trübung der deutsch-amerikanischen Beziehungen, die sich neu zu definieren scheinen. Und da gilt es abzuwägen."

Karl Heinrich Pflumm, USA:

"In diesem speziellen Fall sollte Asyl gewährt werden. Die Bundesrepublik hat den Krieg im Irak weder militärisch noch sonstwie unterstützt und damit ihren politischen Standpunkt klar definiert. Auch Berufssoldaten haben das Recht, einen Militäreinsatz moralisch zu bewerten. Sheperds Entscheidung verdient Respekt, denn er wird sein Leben lang dafür büßen müssen."

Hans Georg Keppler, Deutschland:

"Wenn Shepard Asyl bekommen sollte, hätte das negative Folgen für die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Hier muss wie im Fall Steinbach das höherwertige Gut einer immens wichtigen bilateralen Länderbeziehung den Vorrang haben vor dem Interesse eines Einzelnen. Außerdem ist der Irakkrieg völkerrechtlich abgedeckt, und bereits jetzt zeigen sich deutliche Vorteile für eine Mehrheit der Iraker durch den US-Einsatz."

Christian Steffen, Thailand:

"Beim Eintritt als Berufssoldat in die US-Army mit deren Historie und der offensichtlichen Ausbildung zum Apachy-Helikopter-Mechaniker an eine " Hilfsaufgabe" für die Bevölkerung zu glauben, (ist genauso naiv wie, d. Red.) Asyl in Deutschland zu beantragen. Dieser Mann hat nach meiner Meinung sein Schicksal selbst gewählt. Zu Entscheidungen muss man stehen. Eine Gewährung von Asyl in Deutschland wäre ein unakzeptabler Schlag ins Gesicht der tatsächlich verfolgten Menschen, die täglich um dieses Recht in Deutschland kämpfen."

Michael Kurt Stanek, Brasilien:

"Im Fall Shepherd sollte man Asyl gewähren. Aus meiner Sicht war der Angriffskrieg gegen den Irak absolut illegal. Leider kann man Herrn Bush nicht vor den internationalen Gerichtshof stellen, absurd!"

René Junghans, Brasilien:

"Auf gar keinen Fall sollte man diesem Deserteur Asyl gewähren, denn Berufssoldaten sind Berufsmörder. Wer sich als Berufssoldat verdingt, ist sich bewusst, dass er von seiner Regierung zur Tötung von Menschen eingesetzt wird. Ich meine, Deutschland hat schon genug zu tun mit echten Asylanwärtern, Menschen die vor Armut und Hoffnungslosigkeit Zuflucht suchen. Warum soll der deutsche Steuerzahler die Lebenshaltungskosten eines US-amerikanischen Deserteurs aufgehalst werden? Es scheint mir zu einfach, wenn jemand moralische Bedenken gegen einen Kriegseinsatz als Vorwand nimmt, um Asyl zu beantragen. Würde man hier dem Asylantrag zustimmen, würden bald Millionen Soldaten aus allen Krisengebieten der Welt auf ähnliches Recht pochen und was dann? Soll Deutschland zum Tummelplatz ausländischer Deserteure werden? Dass dann bald die Häscher verschiedener Diktaturen nach Deutschland kommen, um diese Asylanten umzubringen oder zur gewaltsamen Rückkehr in ihre Heimat zu "überzeugen", wäre dann nur ein kleiner Schritt. Die Politik muss hart bleiben, gegen diesen Deserteur entscheiden und ihn in die USA zurücksenden. Es spielt hier keine Rolle, ob der erste Deserteur US-Amerikaner ist oder Somali oder Iraker oder Afghane etc. Man muss hier ein klares Nein sagen!"

Klaus Uhle, Kanada:

"Was der Immigrationsantrag des US-Soldats Shepherd anbelangt, stimme ich dafür. Grund: Der Irak war von Anbeginn an ein Angriffskrieg wegen Öl, Saddam Hussein als Diktator war nur vorgeschoben, war er doch für viele Jahre ein Verbündeter der USA gegen Iran. (In diesem Krieg wurden, d.Red.) viel mehr Terroristen weltweit gezüchtet als vor dem "pro-activ strike"; übrigens genauso wie die (...) beiden letzten Angriffskriege Israels gegen Libanon und Gaza, bei denen die Zivilbevölkerung unaussprechlichem Leid ausgesetzt war (...)."

Jorge Vidaurre Hueeck, Nicaragua

"Wenn ein Krieg (völkerrechtswidrig ist, d.Red.), sollten die Deserteure (...) eine Möglichkeit zu Asyl haben."

Sunisa Pongchanwit, Thailand:

"Die Beziehung zwischen Deutschland und Amerika würden durch eine Asylgenehmigung ernsthaft belastet. Das Allgemeinwohl hat Vorrang vor dem Interesse eines Einzelnen. Der Krieg im Irak ist völkerrechtlich gedeckt. Der US-Einsatz hilft den Irakern zu mehr Demokratie und verhindert Massenmorde an Kurden und zwischen unterschiedlichen muslimischen Glaubensrichtungen."

Mustafa Alani, Irak

"Ich bin der Ansicht, dass Deserteure Asyl erhalten sollten. Sie wurden auf Befehl der Politik gezwungen, gegen ihr Gewissen zu handeln und an Kriegen teilzunehmen. Sie hatten während des Krieges keine Möglichkeit, straffrei ihre Meinung zu sagen."

Amin Zoqurti, Jordanien:

"Alle haben das Recht, sich am Krieg nicht zu beteiligen. Es ist ein Menschenrecht!"

Erwin Scholz, Costa Rica:

"Wenn alle Welt mit demonstrierte,

gleich Andre Shepherd desertierte,

dann fehlte erdweit Barras-Köpfen

die Plattform Helme drauf zu setzen."

Carl Zdenek, USA:

"Wie Kurt Stanek aus Brasilien und Klaus Uhle aus Kanada richtigerweise bemerkt haben, istt der jetzige Irak-Einsatz als illegaler Krieg begonnen worden. Von daher ist das Geringste, was die deutsche Regierung tun kann, dem US-Soldaten Sheperd Asyl zu gewähren. Die Frage ist, ob die Deutschen sich das trauen."

Bryan Moody, USA:

"Mein Bruder, meine Mutter, mein Vater, Großvater und ich selbst, wir haben im US-Militär gedient. Außenstehende übersehen leicht den guten Willen und die Professionalität dieser Institution. Herr Sheperd hat mit seiner Fahnenflucht einen Fehler gemacht und sollte dafür bestraft werden. Als Militärangehöriger hat man schon Möglichkeiten, einen Krieg zu kritisieren und dann ehrenhaft vorzeitig entlassen zu werden. Herr Sheperd hat mit seiner Fahnenflucht seine Kameraden gefährdet, denn ihnen fehlt jetzt im Irak ein wichtiges Mitglied im Team. Er ist ein Feigling und er weiß es auch – das konnte man schon an seiner brüchigen Stimme hören. Deutschland sollte Deserteuren wie ihm aus zwei Gründen kein Asyl gewähren. Erstens: Man müsste konsequenterweise jeden Konflikt auf seine Legitimität hin untersuchen, denn es werden andere Deserteure um Asyl bitten. Zweitens: Es gibt für Andre Shepard auch in Amerika eine hoffnungsvolle Zukunft. Hat sich schon jemand gefragt, warum er gerade jetzt wegläuft? Jeder weiß doch, dass der Apache-Helikopter ein tödliches Waffensystem ist und dass damit Unschuldige getötet werden können. Er hat aus "Karrieregründen" angeheuert und läuft davon, weil er plötzlich zu der Erkenntnis kommt, dass das Militär Leute tötet. Herr Sheperd ist weder ein idealer Pazifist noch ein echter Asylbewerber. Warum sollte Deutschland sich überhaupt mit ihm auseinandersetzen?"

Victor Chan, USA:

"Ein Krieg ist nie legal. Aggression zwischen Ländern ist immer politisch. Andre Sheperd ist auch kein Opfer, weil er ein Soldat einer feindlichen Besatzungsmacht ist. Er konnte einfach nicht mehr seine Soldatenpflicht erfüllen, weil er in seinem Beruf nichts Ehrenhaftes mehr erkennen konnte. Als Soldat hinterfragt man meist nicht den moralischen Sinn des Krieges. Das ist Sache der kommandierenden Offiziere und des Oberbefehlshabers. Es gibt aber so etwas wie ein Urvertrauen, das Soldaten mit ihrer Armee und ihrem Land verbindet. Wenn diese Verbindung zerstört wird, bekommt man Zweifel. Sheperd ist zum Deserteur geworden, weil er sein Urvertrauen verloren hat, nicht weil er zur Erkenntnis gelangt ist, dass im Krieg unschuldige Zivilisten getötet werden - das liegt in der Natur jeden Krieges."

Adalbert Goertz, USA:

"Deserteure sollten in Deutschland Asyl finden."

Mohammed Fahel, Syrien:

"Ich finde man sollte Andre Sheperd mehr als nur Asyl gewähren. Man sollte ihm sogar einen Preis geben."

Christian Jürgen Klein, Kanada:

"Wir sind entsetzt über Wolfgang Bosbachs Aussage, dass die Bundesrepublik Deutschland den Irak-Krieg als einen gerechten Krieg anerkennt. Das wird inzwischen von der überwiegenden Mehrheit der Menschen anders gesehen. Man hatte gehofft, dass die Demokratische Partei im US-Kongress nun die Nürnberger Gesetze auf die Bush-Regierung anwenden würde - handelt es sich doch im Irak, wie auch in Afghanistan, um Angriffskriege. Deshalb hätte Deutschland allen Grund, dem Kriegsdienstverweigerer Sheperd Asyl zu gewähren. Auch hier in Kanada haben wir einen solchen Fall mit Jeremy Hinzman, einem von 50 Asylsuchenden, für den unsere Regierung seit 2004 noch zu keiner Entscheidung gekommen ist. Man fragt sich verwundert, was heute anders ist als damals im Vietnam-Krieg, als Hunderte junger Männer bei uns Asyl suchten und auch fanden."

Lukas Mc Kenzie, USA:

"Ja, auf jeden Fall sollte Sheperd Asyl in Deutschland bekommen. Die USA sind nicht die weltweiten Hüter der Moral. Die Internationale Gemeinschaft muss die Fehler einzelner Nationen beim Namen nennen und beurteilen. Das gilt auch für den Fall, dass die USA sich eindeutig gegen die Menschlichkeit versündigt. Vor 60 Jahren hat die Welt auch den Verbrechen der Deutschen nicht tatenlos zugesehen. Herr Sheperd hat ganz klar das richtige getan gegenüber Bush und gegenüber Amerikas Albtraum in Irak. Bestraft ihn nicht dafür, dass er sich für die3 Menschlichkeit einsetzt!"

Die Redaktion von 'Politik direkt‘ behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen.