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Forum

Politik direkt Forum vom 03. 12. 2009

„Familienministerin ohne Familie – geht das?"

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Bundespräsident Horst Köhler übergibt der neuen Familienministerin Kristina Köhler die Ernennungsurkunde

Informationen zum Thema:

Kristina Köhler - eine junge Hinterbänklerin wird Familienministerin

Nach dem Rücktritt von Arbeitsminister Jung hat die Bundeskanzlerin eine junge Frau ins Familienministerium gebracht, die kaum jemand kennt: Kristina Köhler von der hessischen CDU. Die promovierte Soziologin ist erst 32 Jahre alt, sitzt seit 2002 auf den hinteren Bänken des Deutschen Bundestages. Sie ist zierlich, blond, hübsch und: knallhart. Ihr Ritterschlag in der Politik war der sogenannte BND-Untersuchungsausschuss. Dort hat sie immer wieder den Sozialdemokraten Frank-Walter Steinmeier hart attackiert. Wir stellen Kristina Köhler, die Schnellaufsteigerin, vor.

Unsere Frage lautet:

„Familienministerin ohne Familie – geht das?"

Antworten unserer Zuschauer:

Dirk Marotzke, Brasilien:

"Die neue Familienministerin ist kein außerirdisches Wesen. Sie hat Vater, Mutter, möglicherweise Geschwister, außerdem Großeltern, Onkel, Tanten usw.

Sie weiß also, was eine Familie ist, was sie bedeutet und was sie braucht.

Dabei ist ihr augenblicklicher Familienstand 'ledig' völlig irrelevant."

Gerhard Seeger, Philippinen:

"Minister wurden schon immer zwischen den verschiedenen Ministerien hin und her versetzt. Eben noch Finanzminister, dann (Minister) für Verteidigung oder Inneres, was es so alles gibt. Sie können kaum Experten für alles sein, aber sie haben ihren Mitarbeiterstab, auch Fachleute, die sich auskennen und sie beraten, wenn nicht gar eigentlich entscheiden. In der Regel ist jeder in einer Familie aufgewachsen und kennt somit etwas von Familie, hat Verwandte und Bekannte mit Familie. In der Politik geht so Vieles, warum nicht eine Familienministerin ohne eigene Familie?"

Martin Burmeister, Venezuela:

"Warum nicht? Der Verteidigungsminister ist ja auch kein Soldat! Man soll doch zunächst abwarten, wie die neue Ministerin handelt und ihr Amt führt, ehe voreilige Kritik laut wird. Erfahrungen müssen wir alle immer noch täglich sammeln, auch wenn wir, wie ich, schon über 80 Jahre alt sind."

Erwin Scholz, Costa Rica:

"Wie Pfarrer ohne Frau und Kind

dozieren über Lieb und Sünd,

geht's der Kristina mit der Eh'.

Jetzt hoff' ma halt, sie find' den Dreh."

Waltraud Maassen, Neuseeland:

"Ich wollte eigentlich keine Stellung zu diesem Thema nehmen, weil ich selbst keine Kinder habe. Sehe aber, dass große Vorbehalte gerade von Herrn Junghans aus Brasilien erhoben werden, weil die junge Soziologin in ihrem Alter noch nicht verheiratet ist. Ja, was soll das denn? Mit solchem hinterwäldlerischem Argument sollte man ganz stille sein. Ich denke, Frau Köhler könnte - gerade durch ihr Studium - einige Einblicke in familiäre Angelegenheiten haben, die Herr Junghans ganz außer Acht gelassen hat. Außerdem ist sie ein frischer Wind, und Angela Merkel würde ihr nicht diese Aufgabe gegeben haben, hätte sie kein Vertrauen in die Fähigkeiten der neuen Familienministerin!"

Said Lassri, Marokko:

"Die neue Familienministerin hat eine riesige Herausforderung vor sich. Manchmal sehen junge Abgeordnete klar, da sie noch nicht so unter Druck sind durch ihre (familiären Lebensumstände, d.Red.). Ich sehe das nicht als Mangel an Erfahrung. Aber das klappt nur, wenn die Deutschen bereit sind mitzumachen (…)."

Paul Bennett, USA:

„Ich glaube nicht, dass Frau Köhler eine Familie haben muss, um eine gute Ministerin zu sein. Es scheint mir, dass Politiker viel zu oft ihr Handeln mit ihren eigenen Lebensumständen begründen, als damit, was für das Land am besten ist. Frau Köhler hat einen Doktortitel in Soziologie – das qualifiziert sie als Ministerin.“

Abhay Singh Yadav, Indien:

„Selbstverständlich brauchen Politiker eine Familie, wenn sie in Sachen Familienpolitik kompetent sein wollen. Nur so kann man wissen, wie eine Familie funktioniert, was die spezifischen Probleme sind und wie eine Familie harte Zeiten übersteht. Also, aus meiner Sicht wird nur jemand mit eigener Familie diesem Ministeramt gerecht (…).“

Rolf Bockmühl, Philippinen:

"Warum sollte die Dame verheiratet sein? Wenn sie ihr Amt ausfüllt - und eine Chance von mindestens 100 Tagen müssen wir ihr gewähren - dann stimmt alles. Falls es ein Muss ist, dass die Familienministerin verheiratet ist, dann dürfen katholische Priester auch keine Eheberatung machen. Was verstehen unverheiratete Priester vom Familienleben? Und dann müsste jeder Fachminister mindestens sein 'Fach' studiert haben. Und welche Voraussetzung sollte eine Bundeskanzlerin/ Bundeskanzler mitbringen? Provokant gefragt: Muss der Wirtschaftsminister vorher eine Wirtschaft haben oder studierter Volkswirt sein? Muss der Verkehrsminister vorher die Führerscheine aller Klassen haben, oder (Scherz) vorher Verkehr haben? Nein im Ernst, Fachkompetenz entsteht durch den jeweiligen Mandatsträger im Laufe der Zeit. Ansonsten sieht es in unserer Republik düster aus, wenn wir alle Minister vorverurteilen. Fragen Sie doch bitte dezidiert in hundert Tagen nach, was Frau Köhler leistete."

Hannelore Krause, Deutschland:

"Eine Familienministerin ohne Familie ist wie ein 'Optiker ohne Brille'. Jung und dynamisch, aber unerfahren, weil ledig und kinderlos. Man sollte schon wissen, wovon man redet, wenn man ein solches Amt bekleidet. Vielleicht wäre ja Frau Köhler besser beraten gewesen, wenn sie erst eine Familie gegründet und sich dann dieser Herausforderung gestellt hätte. Aber der Not gehorchend wurde das Pferd nun von hinten aufgezäumt. Es gibt allerdings nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie scheitert aufgrund mangelnder Erfahrungen und dem Druck, dem ein relativ junger Mensch in einer Regierungsposition ausgesetzt ist oder sie wird mit Hilfe von 'Mutti Merkel' - wie die Bundeskanzlerin im Volksmund genannt wird - mit ihren 32 Lenzen das überzeugende und fürsorgliche 'Familienoberhaupt' der Nation und zugleich eine liebenswerte Enkeltochter für die 20 Millionen Senioren und Seniorinnen in Deutschland."

Ferenc Deak , Rumänien:

"Meiner Meinung nach geht das: Familienministerin ohne Familie."

Fuad Abu Sameer, Syrien:

„Familie und Tradition sollten wichtige Rollen im Leben von Politikern spielen. Ohne (diese Erfahrung am eigenen Leib, d.Red.) kann man sich in Familienprobleme nicht „hinein fühlen“. (…).“

René Junghans, Brasilien:

„Ich glaube, dass für dieses Amt nur eine verheiratete Frau mit eigenen Kindern in Frage kommt. Was versteht denn eine Junggesellin von Familiengründung, Sex im Teenageralter, Kindererziehung und anderen typischen Fragen, wenn sie nie mit diesen Problemen direkt zu tun hatte? Zudem klingt es etwas eigenartig, dass eine Frau in ihrem Alter immer noch Junggesellin ist. Steinmeier zu attackieren, ist nun wirklich keine Grundlage, um sich als kompetente Politikerin auszugeben und dann auch noch so ein wichtiges Ministerium zu übernehmen.“

Die Redaktion von ‚Politik direkt’ behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen.