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Forum

Politik direkt Forum vom 02.10.2008

"Müssen wir Angst um unser Geld haben?“

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Bundesfinanzminister Peer Steinbrück während einer Rede im Bundestag. (AP Photo/Michael Sohn)

Informationen zum Thema:

Der Krisenmanager - Finanzminister Steinbrück und die Bankenkrise

Er eilt in diesen Tagen von einer Krisensitzung zur nächsten: Finanzminister Peer Steinbrück. Die weltweite Bankenkrise trifft mit voller Wucht Europa und Deutschland. In einer dramatischen Rettungsaktion hat der Finanzminister zusammen mit privaten Geldhäusern eines der größten deutschen Kreditinstitute, die "Hypo Real Estate" vor dem Zusammenbruch gerettet. Während bei vielen Bankern und Börsianern jedoch die Panik regiert, zeigt er sich ruhig und staatsmännisch. Auch wenn die Finanzkrise wohl tiefe Löcher in seinen Haushalt reißen wird.

Unsere Frage lautet:

"Müssen wir Angst um unser Geld haben?"

Antworten unserer Zuschauer:

Martin Burmeister, Venezuela:

"In gewisser Hinsicht ja, nicht wegen der Finanzkrise, sondern leider wegen der ständig wachsenden Inflation, welche durch das weltweite Einpumpen riesiger Milliardenbeträge auch in Zukunft eher zu- als abnehmen wird, wodurch die Kaufkraft des Anfangskapitals wegen der niedrigen Zinsen für die so genannten "sicheren" Anlagen, wie Sparkonten, Festgelder, Pfandbriefe, Staatsanleihen etc. ständig an Wert verliert und Investitionen, die eine höhere Rendite versprechen, eben auch mit einem höherem Risiko verbunden sind."

Harald Schmitz, Brasilien:

"Solange Wall Street nicht die Casinomentalität begräbt und weiterzockt, die amerikanische Regierung die Banken nicht besser kontrolliert und die Banken wiederum ihre kreditsuchenden Kunden nicht auf Bonität untersuchen, werden wir wohl alle auf unserem Planeten Angst um unser Geld haben müssen. Da helfen auch 700 Milliarden Dollar nicht weiter. Es wird höchste Zeit dass dieser Raubtierkapitalismus gestoppt wird."

Werner Horbaty, Nicaragua:

"Sicher müssen verschiedene juristische und private Personen Angst um ihre Geldanleihen oder Aktien haben zur Zeit dieser Bankenkrise. Hier in Nicaragua, als der ehemalige Präsident Arnoldo Alemán Lacayo für praktisch sechs Jahre im Amt war, (...) und die Journalisten ihm vorwerfen, er habe während seiner gesamten Amtszeit Hundert Millionen US-Dollar auf die Seite gebracht, kann ich nur folgende Berechnung erstellen: (...) 100 Millionen Dollar ist ein Betrag, den eine Zahnarztgehilfin oder Kellnerin in Westeuropa in sage und schreibe 2000 Jahren verdient!! Rechnen Sie es nach. Das ist viel Geld, und dies vor allem noch in einem Land wo eine untere Mittelschichtfamilie mit ca. 350 US-Dollar im Monat auskommen muss. Paradox, nicht war. Somit: Wer muss Angst um sein Geld haben? Gott allein und die Banken wissen dies!"

Gerhard Seeger, Philippinen:

"In einer Krise dieser Größe hat die Regierung wohl kaum eine andere Wahl, als mit Steuergeld zu retten, was zu retten ist, um so (bleibt zu hoffen) ein weiteres Ausdehnen der Krise zu verhindern. Angst? Nein, noch keine direkte Angst. Ich gebe aber zu, besorgt zu sein und bin froh mein Konto in Deutschland zu haben. Wäre es hier auf den Philippinen, wäre ich gewiss besorgter. Nicht ganz passend fand ich Westerwelles Bemerkung, er sähe die Schuld nur beim Staat. Mangelnde Staatsaufsicht, obwohl die FDP sich sonst immer gegen staatliche Kontrollen im Geschäft stark macht. Die "Weißkragen" - die Klientel (der FDP, d.Red.) - trifft scheinbar nicht viel Schuld, sie waren nur schlecht beaufsichtigt."

René Junghans, Brasilien:

"Es herrscht eine übertriebene Panikmache in Deutschland. Die Amerikaner haben sich zwar mächtig verzockt, aber dass die USA seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse leben, ist ja allgemein bekannt und dass diese Seifenblase irgendwann mal platzen würde, auch. Obwohl in einer globalisierten Welt auch auf anderen Kontinenten die Banken in Mitleidenschaft gezogen werden. Eben weil es in der menschlichen Natur liegt, habgierig zu werden, wenn das Geld zu leicht verdient wird, bedeutet es noch lange nicht, dass es weltweit, und somit auch in Deutschland, zu einem unreparierbaren Finanzdebakel kommen wird. In Deutschland sind die Banken stabil, der gesamte Aufbau des Systems ist sicherer und durchsichtiger. Ich meine, in Deutschland sind Spareinlagen absolut sicher. Auch bei uns in Brasilien redet man von Finanzkrise, die Aktien sacken in den Keller (Gott sei dank, habe ich keine!), aber deswegen werde ich noch lange nicht mein Geld von der Bank nehmen. Sparbücher und Staatsanleihen sind sicher. Ich vertraue dem System, habe Anfang des Monats sogar noch weiteres Geld auf die Bank gelegt, so wie jeden Monat. Unnötige Sorgen oder gar Panik verursachen nur Stress oder gar ein Magengeschwür. Lasst die Amerikaner ihren eigenen Mist allein ausbaden, das Leben für den Rest der Welt geht weiter und ist viel zu kurz und vor allem viel zu schön, um den Schlaf zu verlieren. Wer vernünftig anlegt und nicht spekuliert, legt sich abends ganz sicher mit sich und der Welt im Frieden ins Bett und hat weiterhin einen tiefen erholsamen Schlaf!"

Lee Davis, USA:

"Da ich weniger als 100.000 Dollar auf der Bank habe, ist mein Geld sicher. So geht es vielen Amerikanern. Sie müssen Ihre Frage anders stellen: Haben die Amerikaner genügend Mittel, um ihre Wirtschaft wieder in Gang zu bringen? Ich bin mir sicher, dass ich überleben werde, denn ich habe eine kleine Rente und mein Erspartes. Aber ich brauche natürlich Geld, um das Nötigste zu kaufen, wenn es mit der Wirtschaft wieder aufwärts geht. Der US-Kongress hat das nicht bedacht."

Erwin Scholz, Costa Rica:

"Die Gier sich ihre Wunden leckt

im Schuldenstrom, nicht abgedeckt.

"Brücken aus Stein", ein Muss vor Ort,

Politiker, sonst schwemmts uns fort."

Die Redaktion von ‚Politik direkt‘ behält sich das Recht vor, Zuschriften zu kürzen.