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Politik

Politik der kleinen Schritte für beide Koreas

In der nordkoreanischen Hauptstadt Pyöngyang findet ein innerkoreanisches Gipfeltreffen statt. Große Erwartungen begleiten die Begegnung der beiden Staatschefs Nord- und Südkoreas - meint Sybille Golte.

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Sybille Golte

Sybille Golte

Es fehlt nicht an Superlativen, wenn es um die Begegnung der beiden koreanischen Politiker geht. Ein historischer Gipfel findet in Pyöngyang statt – ein Durchbruch in den Beziehungen zu Nordkorea. Und mancher schwärmt sogar – nicht zuletzt mit Blick auf den bevorstehenden Tag der deutschen Einheit – von einer möglichen Wiedervereinigung der beiden koreanischen Staaten.

Für die innerkoreanischen Beziehungen ist die Begegnung von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Wenn es gelingen sollte, parallel zu den Sechs-Parteien-Gesprächen - bei denen auch die USA, China, Russland und Japan mit am Tisch sitzen - ein Einlenken Nordkoreas in Sachen Atompolitik zu erreichen, dann wäre das ein großer Sprung nach vorn.

Noch im Kriegszustand

Anders sieht es mit den innerkoreanischen Beziehungen aus. Hier wird es allenfalls kleine Schritte zur Annäherung der beiden feindlichen Nachbarn geben, die sich bis heute völkerrechtlich noch im Kriegszustand befinden. Zwar streben beide Koreas die staatliche Einheit an, beide richten dabei jedoch den Blick in weite Ferne. Und beide haben vollkommen unterschiedliche Vorstellungen, wie eine solche Einheit aussehen kann und soll.

Fest steht in jedem Fall, dass wenn sich die Grenze über Nacht öffnete, wie es in Deutschland der Fall war, dann würde die Lage außer Kontrolle geraten. Beide Koreas trennt nicht nur ein riesiges Wohlstandsgefälle und ein vollkommen unterschiedliches Gesellschaftssystem sondern auch die Tatsache, dass beide Länder einmal Krieg gegeneinander geführt haben.

Wie 1990 in Deutschland?

Auch die politischen Rahmenbedingungen sind kaum zu vergleichen. Zwar ist auch die Trennung der koreanischen Staaten eine Folge des Zweiten Weltkrieges und des kalten Krieges. Aber mit der Schutzmacht China hat Nordkorea einen weitaus stärkeren großen Bruder als die DDR mit der damals zerfallenden Sowjetunion.

China hat kein Interesse an einer Einheit, die die Einflusssphäre Südkoreas und damit auch die Washingtons bis an die eigenen Grenzen hin ausdehnen würde. Umgekehrt würden auch die USA einem Richtungswechsel Südkoreas zugunsten Pekings kaum tatenlos zusehen. Das wissen alle Beteiligten und daher kann es allenfalls behutsame Schritte geben.

Die Richtung hat Südkoreas früherer Präsident Kim Dae Yung eingeschlagen, der mit einem ersten Gipfeltreffen im Jahr 2000 die so genannte Sonnenscheinpolitik einläutete. Nach dem kalten Krieg sollte eine Erwärmung des bilateralen Klimas durch humanitäre Hilfen für Nordkorea eingeleitet werden, durch Familienzusammenführung und die Einrichtung einer Bahnlinie zwischen den beiden koreanischen Welten.

Rückblickend kann man sagen, dass die deutsche Einheit auch eine Folge der Entspannungspolitik der 1970er und 80er-Jahre ist. In Südkorea hat man diese Entwicklung genau verfolgt. Entspannung ja – lautet daher die Devise, aber ebenso genau hat man die Kosten der deutschen Einheit analysiert. So etwas kann sich – nüchtern betrachtet – Südkorea nicht leisten, viel zu groß sind die Unterschiede der beiden Systeme.

Ende offen

Was bleibt, sind kleine Schritte: mehr Begegnungen, Sonderwirtschaftszonen, Reisemöglichkeiten und ein regelmäßiger Fahrplan im zweistaatlichen Zugverkehr. Dies zusammen mit einer Lösung des Atomkonflikts wäre schon ein kleines Wunder.

Was eine solche Annäherung im Kleinen künftig mit sich bringt ist offen. Schließlich ist die Einheit Deutschlands auch keine direkte Folge deutsch-deutscher Gipfelbegegnungen. Erst wurden die Grenzen durchlässiger, dann waren sie nicht mehr zu halten. Möglicherweise steht das am Ende des Annäherungsprozesses, aber davon sind beide Koreas möglicherweise noch Jahrzehnte.

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