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Politik

Politik aus der Tube

In Amerika hat der Wahlkampf begonnen. Per Videobotschaft bemühen sich Politiker darum, staatstragend zu wirken. Doch was man in einschlägigen Video-Portalen findet, macht diesen Eindruck schnell zunichte.

Barack Obama

'Ich freue mich auf weitere Gespräche': Barack Obama will Präsident werden

Der Mann mit den hochgekrempelten Hemdsärmeln umklammert das Mikrofon, als hinge sein Leben davon ab. Die Menge tobt, ein Meer amerikanischer Fähnchen umwogt das Podium im US-Bundesstaat Iowa. Howard Dean - der Mann mit dem Mikrofon - schreit sich um Kopf und Kragen. "Wir gehen nach New Hampshire, nach South Carolina und Oklahoma und Arizona." Es folgen neun weitere US-Bundesstaaten, in denen Dean - potentieller Präsidentschaftskandidat der Demokraten - die Primaries (Vorwahlen) gewinnen will. Doch der schrille Schrei, den er am Ende seiner Aufzählung ausstößt, macht alle Hoffnungen zunichte. Er wird zur Lachnummer, sein "Dean Scream" (Dean Schrei) versetzt seinem Wahlkampf den Todesstoß.

Das war im Februar 2004, genau ein Jahr bevor Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim eine Website gründen würden, die innerhalb kürzester Zeit eine Erfolgsgeschichte sondergleichen werden sollte: YouTube. Dort findet man nach wie vor Deans Ausraster und zahlreiche Persiflagen seiner Rede. Das Internet vergisst nie.

Hillary singt schief

Diese schmerzvolle Erfahrung musste inzwischen auch Hillary Clinton machen, die 2008 zur ersten Präsidentin der Vereinigten Staaten gewählt werden will. Und wieder wird einem möglichen Kandidaten der Demokraten ein Auftritt in Iowa zum Verhängnis. Ganz so spektakulär wie Deans Tirade war es diesmal aber nicht: Die Senatorin aus New York singt bei einer Wahlkampfveranstaltung die Nationalhymne mit der Intonation einer verstimmten Bratsche. Sonderlich lustig ist das nicht. Ein YouTube-Nutzer bringt es mit seinem Kommentar auf den Punkt: "Hui, eine Politikerin, die nicht singen kann - was für eine Überraschung." Andere nutzen Hillary Clintons fehlendes Gesangstalent, um mit dumpfen Parolen gegen die Demokratin Stimmung zu machen. "Amerika braucht keine Präsidentin. Bislang lief es doch mit Männern ganz hervorragend. Diese ganzen Feministinnen brauchen mal ordentlich Dresche", meint ein Nutzer.

Hillary Clinton

Ganz seriös: Hillary Clinton wendet sich mit einer Videobotschaft an ihre Mitbürger

Doch Hillary Clinton wird sich angesichts solcher Videoclips wohl kaum lange grämen. Stattdessen feilt sie akribisch an ihrem eigenen Internetauftritt - und setzt dabei auch auf die Macht der bewegten Bilder. So erklärte sie am 20. Januar 2007 ihr Interesse am Präsidentenamt in einer Videobotschaft, die auf ihrer Internetseite veröffentlich wurde. "Ich beginne nicht einfach einen Wahlkampf, ich beginne ein Gespräch - mit euch", verspricht die Senatorin, die dabei in einem Wohnzimmer auf einem Sofa sitzt, das die Macher von "Schöner Wohnen" in Verzückung versetzten würde. Die Inszenierung ist perfekt.

Reaktion auf Obama

Clinton reagierte damit auf eine Videobotschaft ihres parteiinternen Konkurrenten Barack Obama, der drei Tage zuvor ebenfalls per Internet seinen Hut in den Ring warf. Dass Obama das Image des Saubermanns pflegt, beweist auch eine Suche nach Videos im Internet. Bis auf ein paar unspektakuläre Redemitschnitte findet man im Internet kein kompromittierendes Videomaterial.

Bushs Merkel-Massage

Bush massiert Merkel auf dem G8-Gipfel in Russland im Jahr 2007

Merkel wehrt sich gegen Bushs Massage

Wie lange Angela Merkel in der Maske verbringt, ist nicht bekannt. Fest steht allerdings, dass auch sie das Medium Internet für sich entdeckt hat. Wöchentlich informiert sie interessierte Bürger über die Vorhaben der Bundesregierung auf ihrer Internetseite. Aber auch in den einschlägigen Video-Portalen machen Merkel-Videos die Runde. Der bekannteste Clip ist gerade einmal fünf Sekunden lang. Er zeigt George W. Bush, der auf dem G8-Gipfel im Sommer 2006 der Bundeskanzlerin eine kurze Rückenmassage verpasst. Ihr schreckverzerrtes Gesicht schaffte es sogar in die amerikanischen Abendnachrichten. Das war nicht nur peinlich für die Kanzlerin, sondern auch für den amerikanischen Präsidenten. Bei Merkels letztem Besuch in Washington im Januar versicherte ihr Bush dann auch glaubhaft: "No more backrubs." (keine weiteren Rückenmassagen)

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