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Europa

Polens Präsident stirbt bei Flugzeugabsturz

Der Tod des polnischen Präsidenten Kaczynski und zahlreicher weiterer Politiker bei einem Flugzeugabsturz im russischen Smolensk hat große Bestürzung ausgelöst. Ursache des Unglücks scheint ein Pilotenfehler zu sein.

Der polnische Präsident Lech Kaczynski (Foto: AP)

Präsident Lech Kaczynski kam bei einem Flugzeugabsturz ums Leben

Nach dem Tod des polnischen Staatschefs Lech Kaczynski übernahm am Samstag (10.04.2010) verfassungsgemäß Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski vorläufig die Amtsgeschäfte des Staatsoberhaupts. Er will mit den politischen Parteien über das weitere Vorgehen beraten. "Es ist meine Pflicht, den Termin für die Präsidentenwahl in den nächsten 14 Tagen bekanntzugeben. Die Wahl muss dann in den 60 Tagen darauf stattfinden", sagte Komorowksi. Polen wird demnach spätestens Ende Juni einen neuen Präsidenten wählen. Die Wahl wäre turnusgemäß erst im Oktober gewesen.
Wrackteile des abgestürzten Flugzeugs bei Smolensk (Foto: AP)

Wrackteile des abgestürzten Flugzeugs bei Smolensk

Komorowski rief in seiner Fernsehansprache die polnische Bevölkerung zu Geschlossenheit auf: "Im Angesicht eines solches Dramas steht unsere Nation heute vereint. Es gibt keine Teilung in Links und Rechts, Meinungsverschiedenheiten sind nicht von Belang."

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk und Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin reisten zur Absturzstelle, wo sie gemeinsam Blumen niederlegten und um die Toten trauerten. Tusk bezeichnete das Unglück vor seiner Abreise aus Warschau als das "tragischste Ereignis in der Nachkriegsgeschichte" des Landes. Ein solches Drama habe die gegenwärtige Welt noch nicht gesehen. Er ordnete einwöchige Staatstrauer an. Die Flaggen in Polen wurden auf halbmast gesetzt. Zahlreiche Bürger legten vor dem Präsidentenpalast Blumen nieder und entzündeten Kerzen.

"Unsere Nation steht vereint"

Der russische Präsident Dmitri Medwedew sprach der polnischen Bevölkerung in einer überraschenden Fernsehansprache sein tiefes Mitgefühl aus und kündigte für Montag einen nationalen Trauertag in Russland an. Er kondolierte der Regierung in Warschau und dem polnischen Volk.

Köhler: "Furchtbarer Verlust"

Vor dem Präsidentenpalast legen polnische Bürger Blumen nieder und zünden Kerzen an (Foto: AP)

Zeichen der Trauer: Blumen und Kerzen vor dem Präsidentenpalast

Mit Trauer und Bestürzung reagierten deutsche Politiker auf den Tod Kaczynskis. Bundespräsident Horst Köhler sprach seine "tief empfundene Anteilnahme" aus: "Polen hat einen furchtbaren Verlust" erlitten. "Es handelt sich um eine politische und menschliche Tragödie für Polen, unser Nachbarland", sagte Angela Merkel im Kanzleramt in Berlin. "Lech Kaczynski wird uns auch in Deutschland fehlen."

Pilotenfehler wahrscheinlich

Nach russischen Angaben verdichten sich die Hinweise auf menschliches Versagen als Unglücksursache. So habe der Pilot der polnischen Regierungsmaschine die Anweisungen der Fluglotsen am Boden ignoriert und den Landeanflug trotz Warnungen fortgesetzt. Der Leiter des russischen Untersuchungsteams, Alexander Bastrykin, sagte, mehr als 40 russische Experten seien am Unglücksort zur Spurensuche im Einsatz. Die beiden Flugschreiber wurden bereits gefunden.

Die Brüder Lech Kaczynski (r) und Jaroslaw Kaczynski (l) in Warschau im Jahr 2005 (Foto: AP)

Die Brüder Lech Kaczynski (r) und Jaroslaw Kaczynski (l) in Warschau im Jahr 2005

Die polnische Präsidentenmaschine war am Samstagvormittag in dichtem Nebel im Landeanflug auf den Militärflughafen des westrussischen Smolensk mit 97 Menschen an Bord abgestürzt; niemand überlebte das Unglück. An Bord befanden sich Kaczynski und seine Frau Maria, der polnische Generalstabschef Franciszek Gagor, der stellvertretende Außenminister Andrzej Kremer Nationalbankchef Slawomir Skrzypek, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Polens, Piotr Nurowski, sowie zahlreiche Parlamentarier und nahezu die gesamte Führung der polnischen Armee.

Russische Nachrichtenagenturen berichteten, dass inzwischen alle Todesopfer geborgen wurden. Sie würden nun nach Moskau gebracht, wo alles vorbereitet sei, damit die Angehörigen der Opfer empfangen werden könnten. Das Flugzeug sei 300 Meter von der Landebahn entfernt abgestürzt.

Autor: Oliver Samson (dpa, rtrs, afp)

Redaktion: Marco Langer

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