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Europa

Polen räumt Schuld an Flugzeugabsturz ein

Ein polnischer Bericht über die Ursachen für den Absturz der Präsidentenmaschine im April 2010 listet schwere Versäumnisse auf polnischer Seite auf. Verteidigungsminister Klich reichte deshalb seinen Rücktritt ein.

Flugzeug am Unglücksort (Foto: AP)

Die Hauptschuld an dem Flugzeugabsturz in der Nähe der westrussischen Stadt Smolensk, bei dem der frühere polnische Präsident Lech Kaczynski und 95 weitere Menschen starben, liegt auf polnischer Seite. Das geht aus einem am Freitag (29.07.2011) vorgestellten Ermittlungsbericht hervor. Im Gutachten räumt die Kommission unter Leitung vom polnischen Innenminister Jerzy Miller "zahlreiche Verfehlungen" ein.

Jerzy Miller (Foto: dapd)

Polens Innenminister Jerzy Miller hat den Bericht vorgestellt

Die mangelnde Ausbildung der Besatzung sei eine "Gefahr für die Flugsicherheit" gewesen, teilte die Regierungskommission in Warschau mit. Zudem seien Ruhezeiten für Piloten nicht eingehalten worden. Das Flugzeug sei beim Landeanflug auf den Flughafen von Smolensk zu schnell und zu tief geflogen. Den Piloten sei wegen des dichten Nebels kein "Sichtkontakt" mit dem Boden möglich gewesen. Einzig der Flugzeugführer sei des Russischen mächtig gewesen, so dass er während des Fluges zusätzlich mit dem Bodenpersonal habe kommunizieren müssen. Auch die Dienstaufsicht für die Luftwaffeneinheit, die für die Beförderung von Politikern zuständig ist, habe nicht funktioniert. Einen technischen Defekt an der Maschine gab es dem Bericht zufolge nicht.

Klich tritt zurück

Polens Verteidigungsminister Bogdan Klich reichte wegen der Vorwürfe in dem Bericht seinen Rücktritt ein. Regierungschef Donald Tusk sagte am Freitag in Warschau, er habe Klichs Gesuch vom Vortag angenommen. Tusk gab seine Entscheidung wenige Stunden nach der Veröffentlichung des Berichts bekannt. Tusk betonte, Klich trage am Flugzeugabsturz keine Schuld. Die Leitung des Verteidigungsministeriums soll der bisherige Staatssekretär im Innenministerium, Tomasz Siemoniak, übernehmen.

Polen gibt Russland Mitschuld

Das Unglück geht nach Ansicht der polnischen Ermittler teilweise auch auf Fehler der russischen Seite zurück. So sei der Flughafen in Smolensk nur schwach beleuchtet gewesen, und die russischen Fluglotsen hätten der Präsidentenmaschine beim Landeanflug im dichten Nebel falsche Anweisungen gegeben, hieß es.

Putin und Tusk am Unglücksort (Foto: AP)

Putin und Tusk am Unglücksort

Ein im Januar vorgestellter Bericht der russischen Ermittler hatte der polnischen Seite die alleinige Schuld am Absturz gegeben. Demnach sollen ranghohe Vertreter an Bord Druck auf die Crew ausgeübt haben, trotz schlechter Sicht zu landen. Die russischen Fluglotsen wurden von den Ermittlern in Moskau von aller Verantwortung freigesprochen. Der Bericht führte zu Verstimmungen in den russisch-polnischen Beziehungen, die sich nach der gemeinsamen Trauer zunächst verbessert hatten.

Ein weiterer Bericht wird vorbereitet

Lech Kaczynski (Foto: AP)

Lech Kaczynski

Jaroslaw Kaczynski, der Zwillingsbruder des verunglückten Präsidenten Lech Kaczynskis, warf Ministerpräsident Donald Tusk vor, gemeinsame Sache mit Russland gemacht zu haben, um die wahren Ursachen des Absturzes zu verschleiern. Tusk wies die Vorwürfe zurück.

Unter dem Vorsitz der rechtskonservativen Partei von Jaroslaw Kaczynski untersucht derzeit eine parlamentarische Kommission die Umstände des Unglücks. Sie will ihren Bericht in den kommenden Tagen veröffentlichen.

Autorin: Olga Kapustina (dpa, afp, rtr, dapd)

Redaktion: Martin Schrader

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