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Ostmitteleuropa

Polen dürfen ab 2004 legal in der EU arbeiten

- Trotz der Einschränkungen bleibt Deutschland der beliebteste Arbeitsplatz - Bereits jetzt sind hier 600 000 Polen beschäftigt

Warschau, 18.1.2003, NEWSWEEK POLSKA, poln.

(...) Ab Mai 2004 werden wir ohne jegliche Genehmigung in Großbritannien, Schweden, Dänemark, Holland, Spanien und Griechenland arbeiten dürfen. Zwei Jahre später werden sich auch die Arbeitsmärkte der übrigen EU-Staaten für Polen öffnen, mit Ausnahme Deutschlands und Österreichs, die damit noch fünf bis sieben Jahre warten möchten.

In allen genannten Staaten werden die Diplome polnischer Hochschulen anerkannt und den polnischen Arbeitskräften wird soziale Sicherheit einschließlich Rentenanwartschaft gewährt. Das wichtigste jedoch ist die Tatsache, dass es in allen diesen Ländern freie Arbeitsplätze für Fachleute, d. h. für Ärzte, Informatiker, Biotechniker usw. gibt.

In England oder Schweden wollen sich die Einheimischen nicht mit harter körperlicher Arbeit beschäftigen und hier liegt die Chance für die 3,5 Millionen Arbeitslosen in Polen und für die in Armut lebenden Landwirte. Sie werden die Chance haben, bei der Erdbeerernte in Schweden oder bei der Weißkrauternte in Spanien zu arbeiten. Sie werden Kühe in Holland melken dürfen und Häuser in England renovieren. Die Löhne und Gehälter in den EU-Ländern sind m das Vierfache höher als bei uns.

"Die Arbeit im Ausland wird mit Sicherheit die Probleme mit der Arbeitslosigkeit in Polen nicht lösen können. Für Hunderttausende aktive Personen wird dies aber eine Chance darstellen, eine bessere Beschäftigung im Ausland zu finden", sagt Professor Leszek Zienkowski vom Institut für statistisch-wirtschaftliche Untersuchungen des Hauptamtes für Statistik und der Polnischen Akademie der Wissenschaften.

Das Büro des polnischen Handelsattaches in London wird mit einer Flut von Briefen, Telegrammen und Faxen mit Fragen nach Möglichkeiten, Polen in England zu beschäftigen, überschüttet. "Wir nehmen täglich mehrere Dutzend Anrufe entgegen. Polnische Arbeiter genießen in England einen guten Ruf", sagt Jaroslaw Jesionka, der Stellvertreter des polnischen Handelsattaches in London.

Die Hotelkette "Calcot Manor" (...), zu der das Hotel gehört, bei dem Paul Sadler als Geschäftsführer arbeitet, beschäftigt bereits mehrere Polen. Sie arbeiten als Manager, Portiers, Köche, Kellner und als Barkeeper. "Sie verfügen über eine gute Qualifikation, sie machen ihre Arbeit besser als ihre englischen Kollegen und verlangen nicht zu hohe Gehälter und Löhne. Dabei sind sie ehrgeizig, verantwortungsbewusst und möchten ihre Qualifikation steigern", sagt Paul Sadler und fügt hinzu: "Bisher musste man jedoch viele bürokratische Hürden überwinden, um sie beschäftigen zu dürfen".

Hinter der Bar mischt eine 25-jährige Blondine die Drinks. Auf ihrer Namensplakette sind drei Nationalfahnen: die polnische, die englische und die französische zu erkennen, die auf ihre Sprachkenntnisse hinweisen. Natalia Majchrzak arbeitet in diesem Hotel seit einem Jahr. Sie verfügt über das Diplom der Hochschule für das Hotel- und Gastronomiewesen in Poznan (Posen). Der Abschluss der polnischen Verhandlungen mit der Europäischen Union erfüllte sie mit Freude, aber die Ursachen dafür waren andere: "Jetzt werde ich nicht mehr alle sechs Monate zittern müssen, ob der Beamte meine Arbeitsgenehmigung verlängert oder nicht", sagt sie. Natalia reiste aus Polen aus, weil sie dort keine Arbeit finden konnte.

In Großbritannien kann man zwar einen guten Arbeitsplatz finden, aber die Polen bevorzugen es, näher der Heimat eine Beschäftigung zu suchen und deswegen ist Deutschland das interessanteste Land für uns. In England arbeiten etwa 40 000 Polen legal und etwa 100 000 illegal. In Deutschland hingegen sind etwa 300 000 unserer Landsleute legal beschäftigt und weitere 300 000 arbeiten schwarz.

"Es ist nicht weit nach Deutschland und deshalb sind die Reisekosten auch geringer. Die Arbeitsangebote aus Deutschland finden immer das stärkste Interesse", sagt Teresa Zaborowska vom Kreisarbeitsamt in Leczyca.

Trotz unserer Aufnahme in die Europäische Union bleibt der deutsche Arbeitsmarkt für uns jedoch am längsten geschlossen. Die Regierung Schröder kann die Probleme mit der wachsenden Arbeitslosigkeit im eigenen Lande nicht meistern. Infolge des Drucks, der von den Gewerkschaften und der Öffentlichkeit ausgeübt wurde, kündigte Schröder Einschränkungen bei der Beschäftigung von polnischen Arbeitskräften an.

Die deutschen Arbeitgeber wollten dies jedoch nicht hören. Wolfgang Breede aus Klein Boden, einem Dorf zwischen Hamburg und Lübeck, ist sehr enttäuscht, dass seine Regierung den Polen den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt verweigert. Seine Familie züchtet zusammen mit den Nachbarn insgesamt 100 Kühe. Sein landwirtschaftlicher Betrieb ist zwar modern ausgerüstet, aber er hat Probleme damit, Arbeitswillige zu finden: "Die Deutschen wurden durch das Übermaß an sozialem Schutz völlig demotiviert. Für 1 500 Euro will hier niemand einen Finger rühren", sagt Wolfgang Breede. Bei seinen Nachbarn sind einige Polen beschäftigt und sie genießen einen hervorragenden Ruf. Er würde selbst gern Polen beschäftigen, aber er wird durch den Berg von Papieren und Formalitäten abgeschreckt, die man einhalten muss, um eine Arbeitsgenehmigung für Polen zu bekommen. Er hat die Hoffnung, dass seine Regierung schnell aufwacht und die Übergangsphase für polnische Arbeitskräfte nicht in die Länge zieht. (Sta)

  • Datum 21.01.2003
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