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Ostmitteleuropa

"Pole zu sein ist in"

- Die polnische Minderheit in Moldova

Warschau, 27.6.2004, TYGODNIK POWSZECHNY, poln.

Ihre Mütter erzählten ihnen, dass es am Ende der Welt ein wunderschönes Land gibt, in dem nur Polen leben und in dem keiner darüber lacht, wenn man die eigene Sprache spricht. Für die Polen in Moldova ist die Heimat ihrer Vorfahren das Paradies. Jahrelang hatten sie verbergen müssen, dass sie Polen sind. Jetzt können sie sich offen dazu bekennen. Mehr noch: In der einstigen Sowjetrepublik Moldova, seit 12 Jahren unabhängig, ist es heute in, Pole zu sein.

Barbara macht sich in der Küche ihrer Chisinauer Wohnung zu schaffen. Sie ist gerade dabei, den traditionellen moldauischen Plăcinte [eine Art Pfannkuchen] weitere Zutaten beizufügen. Auf den Küchenregalen handgemalte Ansichtskarten - gemalt von Barbara, seitdem sie vor einigen Jahren ihre Architektenstelle in der moldauischen Hauptstadt Chisinau verloren hat. Bisweilen verkauft sie einige Ansichtskarten an ausländische Touristen oder schickt sie an Bekannte in Deutschland. Aber zum Leben reicht es ohnehin kaum. Ihr Mann Walik hat nach dem Zerfall der UdSSR seine Arbeit verloren, ist jetzt Wachmann in einem Supermarkt. Einst baute er Häuser, aber Häuser braucht man jetzt nicht, denn Hunderttausende Bürger Moldovas sind emigriert und neue bauen nur die "Neureichen". Die Kinder Krystyna und Aleksander studieren in Polen. Barbara und Walik hoffen, dass sie nach dem Studium den Eltern helfen werden. Aber das wird sicherlich nicht so bald sein.

Barbara kam zum Studium nach Chisinau. Sie war damals 17 - ein naives Mädchen aus der Provinz. Im Vergleich zu Stârcea [polnisch: Styrcza], ihrem Heimatdorf, war hier alles fremd. Es fehlten auch die Landsleute - die Polen aus Stârcea. Das Studentenleben schien, obwohl bescheiden, eine Idylle zu sein. Erst aber galt es, in die Hochschule aufgenommen zu werden, und das war nicht einfach. 70 Prozent der Plätze waren für die Moldauer bestimmt, 25 Prozent für die Russen und Ukrainer, drei Prozent für die Juden. Für "fremde Nationalitäten" (Deutsche, Bulgaren, Armenier, Gagausen, Griechen und Polen) blieben 2 Prozent übrig. "Ich habe nicht gleich einen Studienplatz für Architektur bekommen, weil ich Polin war." Barbara wendet die Plăcinte. "Ich war eine gute Studentin und es kam mir nicht in den Kopf, mich als Russin oder Moldauerin auszugeben. Übrigens, wenn ich eine andere Nationalität angegeben hätte, hätte mich mein Vater rausgeschmissen.

Bei den Vorbereitungskursen nahm ein Professor, der Barbaras Begabung erkannt hatte, sie zur Seite: "Du bist ein dunkler Typ - warum lässt du dich nicht als Moldauerin einschreiben? - fragte er. "Du wirst es so leichter haben." Sie war empört. Sie schaffte es beim zweiten Anlauf. Viele Polen, vor allem die aus Städten, gaben eine andere Nationalität an. So war es einfacher, einen Studienplatz zu bekommen, eine Arbeit zu finden, in der kommunistischen Partei Karriere zu machen.

Aber auch bei der polnischen Nationalität zu bleiben hatte sein Gutes. Barbara: "Die Arbeitskollegen behandelten mich mit Respekt, ich übersetzte ihnen aus den Zeitschriften "Kino" und "Szpilki", dort gab es die "Klatschkolumne", und das interessierte sie. In der Arbeit gab man mir einen Tag Zeit, um diese Zeitschriften übersetzen zu können. So habe ich die polnische Sprache nicht vergessen, denn das war mein Fenster zur Welt. Aber wenn mich jemand necken wollte, dann hieß es: "Eta poljatschka" [russisch für "diese Polin"].

"Klein-Warschau"

Stârcea wurde einst als "Klein-Warschau" bezeichnet. Im Jahre 1896 gegründet (damals zum Russischen Reich, danach zur UdSSR gehörend], ist es der Schlüssel zum Kennenlernen der Polen am Dnjestr.

Begründer des Dorfes war Michal Wojewodzki, der 34 Leute, hauptsächlich aus Chocim und Kamieniec Podolski, fand, die gemeinsam mit ihm 502 Desjatinen [alte russische Flächeneinheit; eine Desjatine entspricht etwa einem Hektar] Land kauften, In seiner Blütezeit, also in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, zählte das Dorf 800 Bewohner. Später zerstreuten sie sich über das ganze Land. Trifft man einen Polen aus Moldova, dann kann man davon ausgehen, dass er entweder aus Stârcea stammt, dort Verwandte hat oder zumindest einen Bewohner von Stârcea kennt, der Pole ist.

Als in Stârcea Häuser gebaut wurden und der Boden aufgeteilt wurde, lebten in Moldova bereits mehrere Tausend Polen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ergriffen sie eine Reihe gesellschaftlicher und kultureller Initiativen. Im Jahre 1889 wurde in Chisinau ein Wohltätigkeitsverein gegründet, 1901 wurde bei dem Verein eine kleine polnische Schule ins Leben gerufen. Nach der Revolution von 1905 entstanden im Russischen Imperium die ersten Polnischen Häuser, im Polnischen Haus in Chisinau fand sich Platz für eine Bibliothek, eine kleine Schule und für den Wohltätigkeitsverein.

Dieser Belebung des Polentums konnte auch der Zerfall des Zarenreiches nichts anhaben, nach dem Bessarabien an Rumänien angegliedert wurde. In der Zeit zwischen den Kriegen entwickelte sich das polnische Schulwesen ungehindert weiter, es entstanden polnische Sportclubs. Die Polen pflegten ohne Hindernisse ihre Tradition und polnische Ärzte, Lehrer, Ingenieure und Grundbesitzer stellten die hiesige Elite dar.

Erst die Einnahme Bessarabiens durch die Rote Armee im Jahre 1940 - eine der Folgen des deutsch-sowjetischen Paktes vom August 1939 - veränderte die Lage der Polen radikal. Es kam zu den ersten Repressalien, Deportationen, zu Hunger und Indoktrinierung. Einige wurden ausgebürgert, wurde zu Russen, Ukrainern, Moldauern oder "Sowjetmenschen" ohne Nationalität. Am Pruth gibt es einige Dörfer, deren Bewohner zum orthodoxen Glauben übergewechselt sind, weil es keinen Pfarrer gab und die sich heute für Ukrainer halten. Dennoch - die meisten Polen hielten durch und schickten sich bei den ersten Anzeichen der Perestrojka in den achtziger Jahren an, das Polentum in Moldova wieder zum Leben zu erwecken. Heute leben hier bis zu 20 000 Menschen, die sich zu polnischen Wurzeln bekennen. Es trennt sie aber die Dnjestr-Grenze zwischen Moldova und der Dnjestr-Republik, ein Gebietsstreifen am Dnjestr, der hauptsächlich von Russen bewohnt ist, die zu Beginn der neunziger Jahre die Regierung in Chisinau nicht anerkannten und mit Hilfe der dort stationierten russischen Truppen als selbständiger Quasi-Kleinstaat überdauert haben.

Polnisches Blut in den Adern

Der älteste Bewohner von Stârcea, der 90jährige Piotr Ludwikowicz Gorodziecki, weiß, warum die Polen überdauert haben: "Die Adeligen" - so nennt Gorodziecki die Polen - "nahmen niemals eine Bäuerin zur Frau. Gott bewahre! Verstieß einer gegen diesen Grundsatz, dann bekannten sich die Eltern nicht mehr zu ihm. Das Kind saugte bereits mit der Muttermilch auf, dass man seine Herkunft nicht verlieren darf. Erst im Jahre 1936 heiratete eines unserer Mädchen erstmals einen Moldauer. Und nach dem Krieg wurden es immer mehr.

Bewohner von Stârcea erinnern sich, dass, wenn es zu Liebesverhältnissen mit Nicht-Polen kam, die Stârceaner bemüht waren, eine Ehe nicht zuzulassen. "Die ersten gemischten Ehen gab es, als die Jungs in der Roten Armee zu dienen begannen. Brachte jemand ein Mädchen mit, dann wurde er durch das ganze Dorf gejagt", erzählt Eleonora aus dem Polnischen Haus in Bălti [poln.: Bielce]. Die langjährige Endogamie - das heißt Verwandtenehe - hatte hingegen zur Folge, dass in Stârcea jeder mit jedem verwandt ist.

Wie die meisten Bewohner von Stârcea sind auch die Gorodzieckis der Ansicht, dass sie zum Adel gehören. Die wenigsten aber wissen, was das bedeutet, zumal im kommunistischen Sprachgebrauch der Begriff "Adel" negativ besetzt war. Es mag verwundern, wenn ein Bauer in Filzstiefeln und Kufajka [Steppjacke] sich als Adeliger vorstellt: Das sind Überbleibsel der einstigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Polen und den orthodoxen Moldauern und Ukrainern.

"Wir hielten uns für Adelige. Das bedeutete, dass wir besser sind als die anderen. Man wusste, Stârcea das ist Adel", so Gorodziecki. "Sie waren, obwohl wir mit ihnen befreundet waren, Muschiks [Bauern im zaristischen Russland], ohne Kultur. Pole und katholisch sein - das sind hier Synonyme. Nichtkatholische Polen? In Polen gibt es wohl keine. Vielleicht gibt es hier irgendwo welche, denn jahrelang gab es einfach weder einen Pfarrer noch eine Kirche. Diejenigen, die in der Partei waren und Angst hatten, keine Karriere zu machen, glauben hier an nichts", sagt Frau Bronislawa, eine Polin aus Stârcea.

Obwohl es den Polen über Jahrzehnte schwer gemacht wurde, ihren Glauben auszuüben, so ließen sie dennoch ihre Kinder taufen, ließen sich kirchlich trauen und versuchten, in die Kirche zu gehen. Sie reisten sogar bis in die Ukraine, nach Tschernihiw, oder luden einen Pfarrer nach Hause ein. Alles vertraulich.

Es war also üblich, ein Doppelleben zu führen: das am Arbeitsplatz und das zu Hause.

Einige Bewohner von Stârcea, wo die Kommunisten eine Kirche in eine Fahrschule für Landfahrzeuge verwandelt haben, besuchten die orthodoxe Kirche im benachbarten Gladjany, um sich vor Gott zu verneigen. Gegenüber der orthodoxen Kirche herrschte aber Misstrauen. Frau Emilia, 90, schlug ihr Vater den Besuch in einer orthodoxen Kirche aus dem Kopf. "In der Schule sang ich im Chor, und der [orthodoxe] Priester sagte: Du hast eine schöne Stimme, komm in die Kirche, für Gott singen. Er meldete mich an. Zu Hause erzählte ich dann, dass ich in der orthodoxen Kirche singen werde. Darauf mein Vater: "Was? Ich werde dir helfen! Knie vor dem Bild nieder und bete. Es gibt keine orthodoxe Kirche!"...

Der private Krieg des Herrn Jablonski

Pfarrer Henryk Soroka, Seelsorger im Dnjestr-Gebiet, meint, Katholizismus und Polentum hätten dort überdauert, wo es einen führenden Kopf gab, dem es gelang, alles in der Hand zu behalten. Wer weiß, wie Stârcea heute aussähe, hätte es den charismatischen Jablonski nicht gegeben, den es nach dem Ersten Weltkrieg als Kriegsgefangener hierhin verschlagen hat.

Jablonskis Haltung zu Sowjetzeiten hatte zur Folge, dass Bewohner von Stârcea aus Angst vor Repressalien seitens der Machtorgane sich von ihm distanzierten. Heute hingegen wissen die meisten seine Verdienste um die Bewahrung des Polentums zu schätzen. "Er übernahm die Rolle des Pfarrers" - erinnert sich Eleonora aus Bălti. "Er leitete Gebets- und Litaneiandachten, machte alles, hielt sogar eine Beerdigung auf dem Friedhof ab, wie ein Pfarrer. Das Dorf lebte mit polnischen Traditionen und polnischer Kultur, er sorgte dafür und sogar zu kommunistischen Zeiten bekam er Zeitungen aus Polen.

Ein Teil der Bewohner distanzierte sich aber von dem charismatischen Anführer, und wie seine Enkelin sagte, hatte Jablonski an seinen Landsleuten auch sehr zu leiden. Es gab Zuträger, die, um sich bei den örtlichen Organen einzuschmeicheln, ihm die Miliz auf den Hals hetzten. Die Enkelin erinnert sich: "Kostbare Kerzen, Kirchenfahnen, Kreuze und Bilder versteckte er ganz unten im Schrank. Weniger kostbare Gebetbücher wickelte er in den "Dziennik Polski" [polnische Tageszeitung], in dem für Damenunterwäsche geworben wurde. Es kam die Miliz und machte eine Durchsuchung. "Sie wollen uns erzählen, dass Sie an Gott glauben und sammeln nackte Frauen?", wurde er gefragt. Und Großvater erwiderte: "Bitte sagen Sie es keinem, denn das ist eine Sünde, ich liebe nun einmal so sehr diese polnische Zeitung und diese Frauenabbildungen. Das ist meine Sünde. Bitte sagen Sie keinem etwas davon." Am nächsten Tag wusste das ganze Dorf, dass Jablonski "solche Bilder" sammelt und nicht an Gott glaubt. Die Enkelin: "Er machte das absichtlich, damit man nichts mehr findet. Die Milizionäre lachten ihn aus, suchten aber nicht weiter. Und darunter befanden sich Gegenstände, die jetzt in der Kirche stehen."

Pole zu sein ist in

Trotzdem - vor dem Zweiten Weltkrieg begann die polnische Sprache in Moldova zu verschwinden. Die Polen begannen, sich untereinander in einem ukrainischen Dialekt zu verständigen (...). "Ich bedauerte gegenüber dem Pfarrer, nicht polnisch lesen zu können, da ich Analphabetin sei, und der Pfarrer sagte, der liebe Gott sei auch Analphabet. Das Wichtigste sei, die Seele ist Gott nahe", erinnert sich Frau Franciszka.

In der Stadt wurde Russisch gesprochen, viele konnten Moldauisch. Polnisch wurde zur Sprache der Kirche - und der häuslichen Verschwörung. Wenn die Eltern wollten, dass ihre Kinder sie nicht verstehen, dann sprachen sie polnisch. Es gab aber auch Familien, die nicht aufhörten, zu Hause polnisch zu sprechen. "Unsere Mutter lehrte uns ein wenig die Sprache, aber sie sagte immer wieder, wir sollten draußen nicht polnisch sprechen, denn sonst werde man uns nicht in Ruhe lassen", erinnert sich Frau Eleonora.

Heute lernen immer mehr Polen in Moldova die Sprache ihrer Vorfahren. Das hat etwas mit der Neubelebung des Polentums hier zu tun. In Gegenden, in denen Polen leben, sind polnische Schulklassen entstanden oder es gibt Polnisch-Kurse. Im Gegensatz zum verschlafenen, mit vielen Problemen kämpfenden Moldova haben die Polnischen Häuser viel zu bieten: der Kontakt mit der polnischen Kultur, die als westlich betrachtet wird, das Gemeinschaftsgefühl und schließlich die Reisen nach Polen sind ein Beweis dafür, was diese Einrichtung alles vermag.

Kasia lernt seit einigen Jahren polnisch. Zwei Mal war sie bereits zur Erholung im Süden Polens. "Man neidet es uns ein wenig, dass wir das Polnische Haus haben, dass wir nach Polen reisen, dass der Pfarrer in der Kirche humanitäre Hilfe verteilt", sagt sie. "Denn was kann man hier tun? Es gibt keine Perspektive, die jungen Leute lernen nicht, arbeiten nicht. Bei uns ist es interessant, es passiert etwas. Man kann lernen, nach Polen reisen - zu einem Ausflug oder zum Studium.

Frau Wanda, eine Lehrerin aus Polen: "Die Alten waren stolz darauf, Polen zu sein, die mittlere Generation hingegen war unsicher und wusste nicht, wer sie ist, und es gab nur sehr wenige, die sofort sagten: 'Ich bin Pole.' Erst als die Neubelebung des Polentums begann, fühlten sie sich als Polen. Jetzt legen sie Dokumente vor, dass sie polnischer Abstammung sind und erklären, lernen zu wollen. Seit drei, vier Jahren ist es in, Pole zu sein.

Paradies an der Weichsel

Barbaras Ehemann kommt gerade von der Arbeit und träumt vom Mittagessen. "Wenn ein Pole hungrig ist, ist er schlecht gelaunt", sagt er, lächelt und gießt Wein ein. Barbara hat Angst, die begabtesten Jugendlichen könnten Moldova verlassen und in Polen bleiben - vielleicht auch ihre Kinder: "Ich weiß nicht, wo sie wohnen werden, in Moldova oder in Polen. Ich hatte genügend Kraft zum Leben, weil ich Polin bin, denn das hat etwas mit Demut zu tun. Viele meiner Studienkollegen haben sich verloren, obwohl sie aus moldauischen, russischen Familien kamen. Sie haben das eigene Gewissen verloren. Meine Großväter sind einst aus Polen geflohen, nicht weil sie dieses Land nicht mochten. Im Gegenteil - sie flohen an den Rand Russlands, um ihre Kinder zu schützen. Sie ließen ihre Wohnungen, ihr Hab und Gut zurück, denn in Polen wurden sie von den Russen verfolgt. Erinnerung - und das Bild des heutigen Polen als westliches Land: die Besuche in der Heimat der Vorfahren können damit enden, dass man an der Weichsel bleibt, sie stärken aber auch die Identität. Polen, das ist ein europäisches Land. Das idealisierte Bild Polens entsteht am häufigsten auf Grund von Beobachtungen aus dem Touristen-Bus. Tschenstochau, der Wawel, die Sigismund-Kolumne, der Film "Mit Feuer und Schwert" sind ein riesiges Erlebnis, das entscheidend ist für das Bild, das man von dem Land hat.

"Als ich das erste Mal in Polen war, blieb ich am Fenster des Busses kleben", erinnert sich Barbara in ihrer Chisinauer Küche. "Der Fahrer fragte: 'Woher kommen Sie, weil Sie so hinschauen?' Alles so ordentlich - die Häuschen, die Gärten, wie einst in Stârcea. Am meisten staunte ich über die Landwirte, die alle sauber, gut gekleidet, mit dem Bus vom Feld zurückkehrten. Und sie stanken nicht wie die bei uns."

Aber nicht nur die Reise war entscheidend für das Bild, das Barbara von Polen hat. "Polen ist für mich das Paradies. Unsere Mutter erzählte uns, gleichsam wie ein Märchen, dass es am Ende der Welt ein wunderschönes Land gibt, in dem nur Polen wohnen. Alle sprechen polnisch. Keiner hindert sie daran, keiner sagt, das ist falsch oder lächerlich. Und im Kopf des Kindes ist diese Vorstellung von dem Land geblieben - es ist wie bei Gott...

Aus Polen nahm Barbara etwas Heimaterde mit. Sie brachte sie der Mutter. Aufs Grab. (Überschrift von MD) (TS)

  • Datum 01.07.2004
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