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Kultur

"Polarstern" on the rocks

Ein internationales Wissenschaftler-Team lässt sich im Winter 2004 mal so richtig treiben - schön beschaulich auf einer Eisscholle in der Antarktis. Von "Holiday on Ice" kann allerdings keine Rede sein.

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In der Antarktis gibt es noch
viele Geheimnisse zu lüften

Das Forschungsschiff "Polarstern" des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) für Polar- und Meeresforschung verlässt am Samstagabend (6.11.04) den Hafen von Kapstadt, um ins antarktische Weddellmeer aufzubrechen. An Bord des Eisbrechers sind 100 Wissenschaftler, darunter Ozeanographen, Eisforscher, Biologen und Meteorologen.

Bis zum 19. Januar wollen sie Messwerte im südwestlichen Weddellmeer sammeln: "Unser Interesse gilt der Wechselwirkung zwischen der Atmosphäre, dem Meereis, der Meereis-Biologie sowie dem Ozean am Ende des Süd-Winters", sagt AWI-Ozeanograph Hartmut Hellmer.

"ISPOL"-Projekt

Der Bremerhavener Wissenschaftler ist bei dem Forschungsvorhaben mit dem Titel "ISPOL" allerdings nicht mit an Bord, sondern koordiniert die Arbeiten von Norddeutschland aus. Aus den Daten können später mathematische Modelle entworfen werden, die Rückschlüsse auf globale Verhältnisse erlauben.

Forschungseisbrecher Polarstern

Der Forschungseisbrecher Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven

1992 war Hellmer persönlich in der Antarktis und erinnert sich gerne an diese Zeit zurück, auch wenn es bitterkalt war: "Bei Südwind sinkt das Thermometer auf minus 20 Grad. Angst vor einer Erkältung muss man nicht haben, die Luft ist sehr sauber und Keime haben keine Chance. Lediglich die Nase ist empfindlich und läuft fast immer. Wenn der Wind aus Norden weht, wird es deutlich wärmer. Dann sind sogar bis zu zwei Grad möglich."

Arbeiten auf der Eisscholle

Zwei Grad über Null. Bei diesen Temperaturen möchte man in den gemäßigten Klimazonen nur ungern das Haus verlassen. Die Polarforscher kommen in Gefrierpunktnähe hingegen erst richtig in Schwung, die Ausstattung des ISPOL-Labors ist dabei alles andere als komfortabel, sondern dünn, glatt und kalt: "Wir befestigen die 'Polarstern' an einer Eisscholle und lassen uns 50 Tage lang mit der Strömung treiben", erklärt Hellmer. "Auf der Scholle werden die unterschiedlichsten Messgeräte stationiert."

Welche Eisscholle dem Schiff als Ankerplatz dient, ist noch unklar. Die Wissenschaftler wollen sich erst vor Ort umschauen. Mit kleinen Schollen geben sie sich nicht zufrieden, mindestens einen Quadratkilometer muss die Fläche umfassen. "Ein Experte äußerte den Wunsch, eine Eisscholle mit 80 Zentimetern Dicke zu verwenden. Die schmilzt nämlich schneller und der Beobachtungszeitraum wird dadurch verkürzt. Doch das wäre übertrieben", sagt Hartmut Hellmer.

Zwei Meter unter den Füßen

Szenerie Antarktis

Eisschollen in der Antarktis

Mehr als zwei Meter Eis werden die Forscher trotzdem nicht unter ihren Füßen haben. Grund zur Sorge besteht aber nicht: "Das Eis ist sehr stabil. Gefährlich wird es mitunter nur, wenn ein Sturm aufzieht. Aber das würden wir rechtzeitig registrieren, sodass niemand mehr auf der Scholle ist", so Hellmer. "Übernachtet wird ohnehin nur auf dem Begleitschiff."

Die Strömungsrichtung steht schon fest. Los geht es weit im Süden, ungefähr am 72. Breitengrad - vorausgesetzt, die "Polarstern" kommt mit ihren kräftigen Motoren so weit durch das Eis. Dann wird der Motor abgestellt und Scholle und Schiff treiben langsam in den Norden zurück. Die Wissenschaftler hoffen, dass sie möglichst nah an der Schelfeiskante vorbeiziehen, denn dort erwarten sie die besten Messwerte.

Luxus an Bord

Mit etwas Glück begegnen die Forscher unterwegs einem Wal oder einem Seeelefanten. Hartmut Hellmer konnte dieses Schauspiel schon beobachten. Möglicherweise haben seine Kollegen keinen Blick für die Tiere übrig, denn ihre Freizeit können sie - im Vergleich zur ungemütlichen Antarktis - in geradezu luxuriöser Umgebung verbringen.

"Man muss einen geregelten Ablauf an Bord haben, sonst verludert man", mahnt Hellmer, "aber zum Glück gibt es zur Entspannung auch ein Kino und eine Sauna." Eine Bar mit dem Namen "Blauer Salon" fehlt ebenfalls nicht. Kein Wunder, dass der Ozeanograph seine Kollegen im Süden beneidet: "Ich wäre damals gerne länger geblieben."

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