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Justiz

Polanski bleibt ein Fall fürs Gericht

Der Regisseur Roman Polanski hatte darauf gehofft, dass ein Missbrauchsverfahren gegen ihn eingestellt würde – schließlich hatte das Opfer selbst den Antrag bei der kalifornischen Justiz gestellt.

Sex-Sakandale von Prominenten (Getty Images/AFP/J. Skarzynski)

2015 beschäftigte Polanskis Fall auch Gerichte in Polen (Archivbild)

Der Fall ist schon 40 Jahre her. 1977 hatte der Starregisseur zugegeben, im Alter von 43 Jahren mit der damals 13-jährigen Samantha Geimer im Haus des Schauspielers Jack Nicholson in Los Angeles Sex gehabt zu haben. Er war zunächst wegen Vergewaltigung angeklagt, später lautete der Vorwurf auf unerlaubten Sex mit einer Minderjährigen. Polanski bekannte sich in diesem Sinne schuldig. Als der Richter dann aber doch eine 50-jährige Haftstrafe forderte, floh Polanski vor der Urteilsverkündung nach Europa und betrat die USA seitdem nie wieder.

"Akt der Barmherzigkeit"

Geimer hatte die US-Justiz vor gut zwei Monaten persönlich um die Einstellung des Verfahrens gegen den heute 84-Jährigen gebeten. Sie bitte darum "als Akt der Barmherzigkeit für mich und meine Familie", sagte die Frau vor dem Gericht in Los Angeles. Doch Richter Scott Gordon lehnte dies jetzt in einer zehnseitigen Entscheidung ab. Der Regisseur ist aus Sicht der kalifornischen Justiz ein flüchtiger Gesetzesbrecher, der den Auflagen des Gerichts nicht Folge leistet. Gordon fügte hinzu, er könne den Fall nicht einstellen, nur weil es im Interesse des Opfers sei. Der gleiche Richter hatte schon im April einen Antrag der Anwälte von Polanski zurückgewiesen.

Keine Auslieferung

Zuletzt hatten die USA im Januar 2015 von Polen die Auslieferung des Regisseurs gefordert. Polanski hat einen Wohnsitz in Krakau. Das polnische Oberste Gericht in Warschau lehnte die Forderung aber ab. Zuvor hatte die Schweiz Polanski 2009 auf US-Ersuchen zehn Monate unter Hausarrest gestellt, ehe sie das Auslieferungsersuchen ebenfalls ablehnte.

Der Filmemacher ist mit der französischen Schauspielerin Emmanuelle Seigner verheiratet und hat mit ihr zwei Kinder. Trotz des Missbrauchsverfahrens gelang ihm eine große Filmkarriere. Er wurde acht Mal mit dem renommierten französischen César ausgezeichnet. Für sein Holocaust-Drama "Der Pianist" bekam er 2003 den Oscar als bester Regisseur, den er allerdings nicht persönlich entgegennahm.

fab/qu (dpa, afp, rtre)