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Wissen & Umwelt

Pokémon Go: "Solchen Spielen gehört die Zukunft"

"Pokémon Go" ist nun auch in Deutschland verfügbar - und die kleinen Kreaturen lauern überall. Wir müssen ihnen hinterher, sie fangen, sie aufspüren. Das ist gut für die Gesundheit, manchmal aber auch gefährlich.

Deutsche Welle: Herr Lorenz, was fasziniert die Leute so an "Pokémon Go"?

Mario Lorenz: Die meisten kennen das Spiel noch aus ihrer Kindheit - früher wurde es auf dem Gameboy gespielt oder es wurden Pokémon-Karten getauscht. Jetzt ist das alles auf einem anderen Level möglich. Ein Traum von vielen geht in Erfüllung - sie können das Spiel wirklich leben und selbst zum Pokémon-Trainer werden. So entstand der Hype.

Wie kann ich mir das Spiel vorstellen?

Mario Lorenz, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der TU Dortmund (Foto: T. Wilms)

Mario Lorenz: "Mit Pokémon Go geht ein Kindheitstraum von vielen in Erfüllung"

Das Besondere an diesem Spiel ist, dass man die Pokémons in unserer Welt sieht. Sie verschmelzen quasi mit unserer Realität. Das heißt: Sie werden mithilfe von GPS-Daten auf einer virtuellen Karte eingeblendet. So kann der Nutzer auch abschätzen, wie weit das Pokémon entfernt ist. Sobald man ihm auf der Spur ist und in direkter Nähe seine Smartphone-Kamera zückt, erscheint das Pokémon durch die Kamera in unserer direkten Umgebung (siehe Artikelbild - Red.).

Diese Ansicht ist allerdings noch nicht ausreichend entwickelt, sodass einige Leute diese Funktion erst gar nicht nutzen. Sie bleiben bei der virtuellen Karte.

…und dann sehe ich die Pokémons zum Beispiel auf meinem Computer sitzend?

Normalerweise ja. Sie sind tatsächlich in Ihrer unmittelbaren Umgebung integriert. Allerdings funktioniert es je nach Hintergrund unterschiedlich gut. Zum Teil ist es auch noch etwas wackelig. Wahrscheinlich hängt es auch stark vom Smartphone ab und welche Sensoren darin verbaut sind.

Klingt erst mal nach Spaß - aber sehen Sie da auch Gefahren?

Es liegen sicherlich Gefahren in der Ablenkung. Wenn man zum Beispiel permanent auf sein Smartphone starrt und versucht, die virtuellen Dinge auf die reale Welt zu adaptieren, besteht die Gefahr, dass man irgendwo gegen läuft oder sogar überfahren wird. Ebenso besteht - wie bei jedem anderen interaktivem Spiel auch - ein gewisses Suchtpotenzial.

Dazu kommt, dass es sogenannte Arenen oder Pokestops gibt, wo man Spielgegenstände bekommt oder Leute ihre Pokémons abgeben, um Kämpfe auszutragen. Das sind zum Teil abgeschiedene Orte. Da könnte es durchaus sein, dass einem dort Kriminelle auflauern. Es ist jedoch noch nicht möglich, sich mit Leuten direkt zu verabreden.

Wie sieht es denn hinsichtlich des Datenschutzes aus - ist der überhaupt gewährleistet?

Na ja, um so ein Spiel spielen zu können, benötigt es natürlich Daten. Vor allem die ganzen Bewegungsdaten. Das kann natürlich auch aufgezeichnet werden. Da ist ein gewisses Vertrauen gegenüber Nintendo und Niantic (den Entwicklern von Pokémon Go - Red.) nötig - dass hier einerseits die Daten vor böswilligen Angriffen sicher sind und zum anderen natürlich, dass nichts mit den Daten gemacht wird, also sie dadurch etwa mich und meine Umwelt ausspionieren. Aber das ist ja grundsätzlich bei allem so. Das muss ich letztendlich mit mir selbst ausmachen.

Welche Bedeutung werden solche Augmented Reality-Spiele in der Zukunft haben?

Positiv ist, dass es ein sehr bewegungsintensives Spiel ist. Man muss sich dabei viel draußen bewegen, um Spielfortschritte zu erzielen. Für die Gesundheit ist das grundsätzlich schon mal gut - auch wenn man eben nur auf der Suche nach irgendwelchen virtuellen Kreaturen ist. Trotzdem muss man natürlich vorher schauen, ob ein Auto kommt, bevor man über die Straße rennt.

Wie lässt sich ein solches Spiel denn noch steigern?

Ich denke, solchen Spielen gehört die Zukunft. Vielleicht noch nicht in den nächsten ein, zwei Jahren, aber langfristig gesehen werden sich "Virtual Reality" (VR) und "Augmented Reality" (AR) durchsetzen.

Was man hier teilweise schon auf den Entwicklerkonferenzen sieht, ist unglaublich. Das geht weit über das uns bekannte Spielen hinaus. Zum Beispiel sollen auch bald schon virtuelle Selfies geschossen werden. Aber oft entwickeln sich die Dinge auch einfach so. Wie sehr diese technischen Dinge unseren Alltag bereits beeinflussen, sieht man am besten anhand der Entwicklung des Nutzungsverhaltes beim Smartphone: Es ist so in unserem Alltag integriert und nicht mehr wegzudenken - nun auch nicht mehr bei solchen realen Spielereien.

Mario Lorenz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Lehr- und Forschungsabteilung
Prozessinformatik und Virtuelle Produktentwicklung an der Professur für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik der TU Chemnitz.

Das Interview führte Carina Groß.

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