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Wirtschaft

Pluszeichen, aber keine Trendwend

Zum vorletzten Verfallstermin des Jahres hat sich der DAX am Freitag oberhalb der psychologisch bedeutsamen Marke von 3000 Punkten gehalten.

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Damit war die steile Abwärtsfahrt an der Frankfurter Börse
zunächst zum Stillstand gekommen. Nach Angaben von Händlern versuchten Marktteilnehmer, den Index über der im frühen Handel kurzzeitig gefallenen Marke zu halten. Am "dreifachen Hexensabbat" laufen Futures, Optionen und Terminkontrakte auf Aktien aus, was erfahrungsgemäß die Schwankungen an der Börse verstärkt. So gaben die Standardwerte bis zum Handelsschluß einen Teil ihrer
zwischenzeitlichen Gewinne wieder ab.

Zuletzt erreichte der DAX ein Plus von 1,9 Prozent oder 58 Punkten auf 3066.

Der NEMAX 50 am Neuen Markt verlor 4,9 Prozent oder 19 Punkte auf 379.

"Der Markt ist stark überverkauft", hieß es. Weiterhin bedeute der aktuell stabile DAX keine Entwarnung, sagten Händler: "Falls der Dow Jones unter 7950 Punkte fällt, geht es auch bei uns weiter abwärts." Der Dow Jones war am Donnerstag erstmals seit zwei Monaten unter die Marke von 8000 Punkten gefallen.

Die Ausverkaufsstimmung wird in erster Linie von weltweiten Faktoren bestimmt. Die Kriegsgefahr im Irak mit kaum abschätzbaren Folgen für die Weltwirtschaft hat sich wie ein lähmender Schleier über die Börsen gelegt. Hinzu kommen negative Meldungen aus der größten Volkswirtschaft USA. Auch in Europa rückt der erhoffte Konjunkturaufschwung immer weiter ins nächste Jahr. Japan und Teile Lateinamerikas stecken tief in der Krise.

Der Teufelskreis wird aber auch von den Akteuren an der Börse selbst in Gang gehalten. Versicherungen verkaufen hier zu Lande in großem Umfang Aktienbestände. Sie setzen damit aber ihre eigenen Kurse unter Druck, weil die Werte der stillen Reserven auf Grund des generellen Trends weiter abschmelzen. Vor allem beim wichtigsten Barometer wirkt sich dies negativ aus. Die Versicherungstitel Allianz und Münchener Rück ziehen mit ihrem hohen Gewicht und starken Kursverlusten den DAX in die Tiefe.

Die ehemals aktienbegeisterten deutschen Privatanleger haben nach Einschätzung von Börsianern den Fall des Deutschen Aktienindex unter die wichtige Marke von 3000 Punkten nur noch teilnahmslos hingenommen. Damit erreichte der Dax am Freitag das Niveau von Anfang 1997, als auf den Börsengang der Deutschen Telekom ein beispieloser Aktien-Boom folgte. Die von der so genannten Volksaktie entfachte Begeisterung für Anteilsscheine hatte den Dax im März 2000 auf über 8000 Punkte steigen lassen.

Ernüchterung über die Möglichkeiten der Internetwirtschaft und Bilanzskandale wie beim US-Energiehändler Enron ließen die Kurse wieder abstürzen. Heute sind selbst konservativere Anlagen schwer zu vermitteln.

Die Zahl der Aktionäre in Deutschland ist seit den Kurshöchstständen an den Aktienmärkten wieder rückläufig. So hielten nach Daten des Deutsche Aktieninstituts (DAI) Ende Juni 2002 noch 18 Prozent der Deutschen Dividendenpapiere, im Jahr zuvor waren es 21 Prozent. Rüdiger von Rosen, Chef des DAI, das sich der Förderung der Aktienkultur in Deutschland verschrieben hat, fordert nach den Skandalen vor allem am Neuen Markt seit langem schärfere Sanktionen beim Fehlverhalten von Managern, um das Vertrauen der Anleger in die Kapitalmärkte wieder herzustellen.

Die Umlaufrendite wurde in Frankfurt drei Basispunkte höher bei 4,16 Prozent festgestellt.

Die Schlusskurse im Dax wie immer ohne Gewähr:

adidas-Salomon 67,37 (+ 2,75)
Allianz 99,50 (+ 8,20)
BASF 39,00 (+ 0,50)
Bayer 19,79 (+ 0,31)
HypoVereinsbank 16,45 (+ 0,44)
BMW 34,11 (+ 1,53)
Commerzbank 8,51 (- 0,01)
DaimlerChrysler 38,40 (+ 0,95)
Degussa 28,38 (+ 0,63)
Deutsche Bank 53,02 (+ 1,42)
Deutsche Post 9,75 (+ 0,11)
Deutsche Telekom 9,61 (+ 0,21)
E.ON AG 46,11 (- 1,06)
EPCOS 9,60 (+ 0,18)
Fresenius Med. Care 21,70 (+ 1,10)
Henkel 66,00 (+ 3,90)
Infineon Techno 7,47 (- 0,14)
Linde 37,70 (+ 0,87)
Lufthansa 10,63 (+ 0,20)
MAN 16,98 (+ 0,85)
Metro 19,18 (- 0,57)
MLP 8,65 (- 1,18)
Münchener Rück 134,90 (+ 2,90)
RWE 31,03 (+ 0,03)
SAP 54,47 (+ 1,47)
Schering 51,50 (+ 1,15)
Siemens 37,25 (+ 0,20)
ThyssenKrupp 11,91 (+ 0,40)
TUI AG 17,34 (+ 0,15)
VW 41,02 (+ 1,02)

Ausgewählte Devisennotierungen aufgrund der Referenzkurse der Europäischen Zentralbank - danach kostete ein Euro

US-Dollar 0,9790
Brit. Pfund 0,6333
Schw. Franken 1,4662
und Japan. Yen 120,66

  • Datum 20.09.2002
  • Autorin/Autor Thomas Kirschning
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2ggk
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