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Wirtschaft

Pleite von BenQ Mobile besiegelt

Drei Monate nach dem Zusammenbruch des Handy-Unternehmens BenQ hat das Amtsgericht München mit Beginn des neuen Jahres das Insolvenzverfahren eröffnet. Gewerkschaftsvertreter hoffen aber noch auf Investorenangebote.

Clemens Joos, Chef von BenQ Mobile, schaut während einer Pressekonferenz verzweifelt auf den Boden (Quelle: AP)

Da helfen auch Tränen und Fluchen nicht: BenQ Mobile ist jetzt offiziell pleite

Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens sind alle Rettungsversuche für die frühere Siemens-Tochter BenQ Mobile vorerst gescheitert. Die Sprecherin von Insolvenzverwalter Martin Prager, Regine Petzsch, kündigte an, die BenQ-Zentrale in München und die Fertigung in Kamp-Lintfort würden stillgelegt.

"Es findet nur noch eine Auslaufproduktion statt", sagte Petzsch. Offiziell sei der Betrieb eingestellt. Mit einer Reihe von Mitarbeitern würden aber noch Handys, die schon fast fertig produziert waren, noch verkaufsfähig gemacht.

Hoffnung stirbt zuletzt

Die Suche nach einem Investor für die Tochter des taiwanesischen Elektronikkonzerns BenQ Corp. war in den vergangenen Wochen erfolglos geblieben. Es gebe aber noch eine "Resthoffnung", dass ein möglicher Käufer zumindest Teile des Geschäfts aus der Insolvenzmasse übernehmen und weiterführe, sagte ein IG-Metall-Sprecher. Sicher werde dieser aber nicht allen verbliebenen Beschäftigten Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten bieten können.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Michael Leucker sagte, in einem Telefonat mit einem Investor habe dieser davon gesprochen, bis zu 900 BenQ-Mitarbeiter weiter beschäftigen zu wollen.

Petzsch wollte dies nicht kommentieren, erklärte aber, die Eröffnung des Insolvenzverfahrens bedeute nicht, "dass man nicht noch Gespräche führen kann". Der Insolvenzverwalter Prager werde sich auf einer Pressekonferenz am Mittwoch zum weiteren Vorgehen bei BenQ Mobile äußern.

Siemens ging "grob fahrlässig" vor

Angestellte zeigen während einer Demonstration in München dem Siemens-Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld und der taiwanesischen Firma BenQ symbolisch die rote Karte. (Quelle: AP)

Nur 150 BenQ-Angestellte konnten innerhalb von Siemens vermittelt werden

Von der Pleite der ehemaligen Siemens-Handysparte sind rund 3000 Beschäftigte in Deutschland betroffen. Dem Vernehmen nach sollen rund 400 von ihnen mittlerweile neue Jobs gefunden haben, davon rund 150 bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber Siemens. Die übrigen Mitarbeiter sollen in zwei Transfergesellschaften in Bayern und Nordrhein-Westfalen unterkommen, die zu einem großen Teil von Siemens finanziert werden.

Die Verantwortung für die BenQ-Insolvenz sei in erster Linie beim Siemens-Management zu suchen, kommentierte der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer. "Siemens steht vor dem Scherbenhaufen seines ehemaligen Handy-Geschäfts", hieß es in einer Mitteilung. "Das Vorgehen der Verantwortlichen bei Siemens war zumindest grob fahrlässig."

Krise erfasst auch BenQ-Betrieb in Niederlanden

Der Handyhersteller BenQ, der früher zum Siemens-Konzern gehört hatte, musste Ende September 2006 Insolvenz anmelden, weil der Mutterkonzern BenQ in Taiwan überraschend seine Zahlungen eingestellt hatte. Nur ein Jahr zuvor hatte Siemens beim Verkauf seiner Handysparte rund 400 Millionen Euro Mitgift an BenQ gezahlt und wichtige Patente mitgegeben. Nach der Insolvenzanmeldung war das Geschäft mit Handys der Marke BenQ Siemens fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Unterdessen berichtet die "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung", das Amtsgericht München habe für die BenQ Mobile Holding B.V. mit Sitz in den Niederlanden die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Bei der niederländischen Firma handelt es sich nach Angaben der Zeitung formal um die Muttergesellschaft der deutschen BenQ-Handyaktivitäten. (ana)

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