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Wirtschaft

Playmobil erfolgreich mit "Made in Europe"

Einer der großen deutschen Aussteller auf der Nürnberger Spielwarenmesser ist die geobra Brandstätter GmbH & Co KG. Der Name dürfte nur den wenigsten geläufig sein - die Marke Playmobil hingegen schon.

Playmobil-Figuren (Foto: Insa Wrede, DW )

Europa und Nordamerika haben die Plastikfiguren schon erobert

Es ist nur ein unscheinbares weißes Granulat - aber: Es ist das Material, aus dem Kinderträume gemacht werden. Feuerwehrautos, Weltraumfahrzeuge, Fußballer, Schlösser oder Puppenhäuser. In einem kleinen Ort in der Nähe von Nürnberg stehen verteilt auf mehrere Hallen unzählige Spritzgussmaschinen in Reih und Glied. Sie produzieren rund um die Uhr Plastikteile. Menschen sieht man in den Hallen nur wenige. Immer wieder rauscht es in den Leitungen, wenn das Granulat aus dem Silo zu den Maschinen befördert wird.

Dort wird es dann eingefärbt und geschmolzen. "Es entsteht eine teigartige Masse und die pressen wir unter hohem Druck in die Form. Dort kühlt sie ab, die Form geht auf, das Teil fällt raus und dann beginnt der Prozess von Neuem", erklärt Robert Benker, technischer Leiter bei Playmobil. Täglich spucken die Maschinen etwa acht Millionen Einzelteile aus.

Weltweiter Absatz

Robert Benker, Technischer Leiter bei Playmobil (Foto: Insa Wrede, DW ) Dietenhofen, 27.01.2012

Robert Benker leitet die Produktion in Deutschland

Vor mehr als 30 Jahren hat die Geschichte der Playmobil-Figuren begonnen. Damals brachte Horst Brandstätter kleine bewegliche Indianer, Bauarbeiter und Ritter aus Plastik auf den Markt. Inzwischen ist daraus ein Heer von Figuren, Fahrzeugen und Bauwerken geworden. "Playmobil ist eine unaufhaltsame Wachstums- und Erfolgsstory, die zu Anfang keiner für möglich gehalten hat", sagt Geschäftsführerin Andrea Schauer. Inzwischen liegt der Umsatz bei mehr als 500 Millionen Euro.

In mehr als 70 Ländern stehen die blauen Playmobil-Verpackungen in den Regalen. Das Hauptabsatzgebiet sei Europa, erläutert Schauer gegenüber DW-WORLD.DE. Aber Playmobil sei auch in Nordamerika gut im Geschäft. In Zukunft könne man vor allem noch in Osteuropa und in Südamerika wachsen, so Schauer. Dass Playmobil weiter wächst, davon geht sie fest aus. Immerhin plane das Unternehmen in diesem Jahr Investitionen in Höhe von rund 80 Millionen Euro - das meiste davon in Deutschland.

Teile von Playmobil Elefanten (Foto: Insa Wrede, DW)

Die Teile sehen simpel aus, müssen aber exakt zueinander passen

Heute entstehen die Plastikfiguren in Europa - in Deutschland, auf Malta, in Tschechien und Spanien. Wie so viele andere Spielwarenhersteller hatte auch Playmobil vor einigen Jahren mit einer Produktlinie den Weg nach China ausprobiert. Die Produktion wurde aber wieder zurückverlagert. "Wir haben festgestellt: Die gleiche Qualität dort herzustellen ist nicht so viel günstiger. Wenn wir gut in technologisierte Abläufe investieren, dann sind wir hier in Europa wesentlich besser aufgestellt", erklärt Schauer.

Kinderwünsche als Inspiration


Führende Köpfe bei Playmobil (von links: Entwicklungsleiter Bernhard Hane, Geschäftsführerin Andrea Schauer, Kaufmännischer Geschäftsführer Steffen Höpfner. (Foto: Playmobil)

Bernard Hane (links) und Andrea Schauer zeigen neue Produkte

Aber eine effiziente Produktion allein genügt nicht. Auch bei der Entscheidung, was auf den Markt kommt, muss der richtige Nerv getroffen werden. Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Playmobilgesicht - so einfach wie zu Beginn ist das Design heutzutage nicht mehr. Die Kinder haben sich verändert und mit ihnen der Anspruch an das Spielzeug. Heute können die Figuren mehr, sie sind realistischer geformt und auch das Zubehör wird immer detailreicher.

Inspiration dafür, welche Teile neu gemacht werden und wie genau diese Teile aussehen können, holen sich die Entwickler unter anderem aus den rund 250 Kinderbriefen, die monatlich in der Firmenzentrale eintrudeln. "Kinderbriefe, die wir bekommen, reflektieren ganz deutlich das Zeitgeschehen draußen", sagt Bernhard Hane, der Leiter der Entwicklungsabteilung. "Ich möchte wetten, jetzt nach der Schiffskatastrophe in Italien, dass in den nächsten Monaten Kinder schreiben: 'Warum gibt es kein großes Passagierschiff?'", mutmaßt Hane.

Drei Jahre bis zur Marktreife

Kinderbrief an Playmobil (Foto: Insa Wrede, DW )

Kinderwunsch und Umsetzung: eine schwangere Playmobilfrau

Wenn dann überlegt wird, ob tatsächlich ein Schiff oder beispielsweise ein Feuerwehrauto erneuert oder überhaupt in die Palette aufgenommen werden soll, dann wird erst einmal ein Modell aus Schaumstoff gebaut. Danach wird das am Computer rekonstruiert. Das kann ziemlich komplex sein, denn beispielsweise das Feuerwehrauto von Playmobil besteht aus 92 Teilen. Per 3D-Drucker werden diese erstmal ausgedruckt. "Das ist ein Drucker, der durch Aufbau von Flüssigkeiten, Wachs oder Kunststoff dieses Teil als 3D-Teil aufbaut. Das dauert 24 Stunden," erklärt Hane. So könne man am besten prüfen, ob die am Computer konstruierten Teile auch wirklich zusammenpassen.

Ungefähr ein Jahr vergeht, bis dann endlich Spritzgussformen hergestellt werden, in die das flüssige Granulat in der Produktion gepresst wird. Schiefgehen darf in diesem Stadium nichts mehr, denn solche Formen kosten zwischen 10.000 Euro und 500.000 Euro. Nach etwa einem weiteren Jahr sind genügend Spielzeuge produziert, um sie an die Händler auszuliefern. Da Playmobil Neuheiten in großen Mengen gleichzeitig in die Läden bringen muss, dauert die Vorproduktion so lange. Zwei bis drei Jahre vergehen im Endeffekt, bis aus einer Idee eine neue Playmobilpackung im Spielzeugladen geworden ist.

Fort Knox der Plastikmännchen

Maschinen in neuer Halle bei Playmobil (Foto: Insa Wrede, DW )

Platz für weitere Figuren: Bald geht eine neue Halle in Betrieb

Angst vor Nachahmern habe man bei Paymobil nicht, sagt Andrea Schauer. Denn: "Wir leben ja nicht von einer Figur. Wir sind die ganze Welt in klein." Allein in diesem Jahr würde Playmobil rund 23 Millionen Euro für neue Formen investieren, kann aber auch auf vorhandenes zurückgreifen. "Wenn wir alles neu auflegen müssten, könnten wir ein Vielfaches davon investieren", so Schauer. "Wenn Sie anfangen, von vorne zu kopieren, dann müssen Sie ja alles erstmals auflegen."

So hegt und pflegt das Familienunternehmen seinen Formenschatz im Keller unter den Fabrikhallen. Rund 20 Meter unter der Erde - geschützt vor Wasser und Feuer - lagern die bis zu 30 Jahren alten Spritzgußformen in Regalen gestapelt. Allein ihr Materialwert: geschätzte 250 Millionen Euro. Andrea Schauer sagt: "Die Formen sind unser Kapital, der Keller ist unser Fort Knox."

Autorin: Insa Wrede
Redaktion: Henrik Böhme

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