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Afrika

Plauchut: "Burundi ist kein strategischer Partner Chinas"

Nachdem Pierre Nkurunziza seine Amtszeit verfassungswidrig verlängert hat, liegen die Beziehungen zum Westen auf Eis. Burundi hofft auf China, sollte aber nicht zu viel Unterstützung erwarten, meint Analystin Plauchut.

Burundi, Trotz nächtlicher Gewalt: Alltag in Bujumbura

Straßenszene in der burundischen Hauptstadt Bujumbura

DW: In den letzten Wochen ist aufgefallen, dass viele hohe Beamte aus Burundi China besucht haben. Das hat Fragen aufgeworfen. Wie steht es um die Beziehungen zwischen beiden Ländern?

Agathe Plauchut: Wir müssen vorsichtig sein, denn um die Beziehung zwischen Burundi und China zu bewerten, fehlen uns konkrete Fakten. Aber es gibt Informationen, die vermuten lassen, dass sich die Beziehungen beider Länder verdichten. Für Burundi ist jegliche Unterstützung - ob wirtschaftlich oder politisch - willkommen. So könnte das Land sich wieder nach außen öffnen, denn Burundi ist international isoliert. Es ist eines der ärmsten Länder der Welt und sehr abhängig von internationaler Hilfe.

Agathe Plauchut Universität Marseille

Burundi-Expertin Agathe Plauchut

Die USA und die Europäische Union (EU) haben Sanktionen gegen bestimmte Verantwortliche im Land verhängt. Gleichzeitig führt die EU Konsultationen mit Burundi, die zur Folge haben könnten, dass Burundi von der Entwicklungshilfe suspendiert wird. Das bedeutet, dass man in Bujumbura auf der Suche nach neuen Partnern ist - unter Umständen auch bei China. Aber für China scheint eine Annäherung weniger strategisch, denn Peking bleibt seiner diplomatischen Linie treu: keine Einmischung in interne Angelegenheiten von Staaten. Damit hebt sich China deutlich von der internationalen Gemeinschaft ab, die Bujumbura klar verurteilt. Wir wissen, dass sich China gemeinsam mit Russland im Weltsicherheitsrat gegen eine Verurteilung von Burundi eingesetzt hat. Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass sich China zu sehr vom internationalen Trend entfernt, um sich an die Seite eines Landes zu stellen, das strategisch relativ unbedeutend ist.

Wäre denn auch eine militärische Kooperation denkbar?

Ich glaube, dass die Chinesen eher ungewollt den Interessen von Präsident Nkurunziza dienen und das Spiel diplomatisch 'mitspielen'. Aber ich glaube nicht, dass die Chinesen so weit gehen werden, alles zu tun, um das Regime von Nkurunziza zu erhalten. China behält seine Rolle als wirtschaftlicher Partner. Da gibt es zum Beispiel Verträge für den Abbau von Nickel. Die Chinesen benötigen das Metall und damit hat Burundi mit seinen Nickelvorkommen Glück. Ich denke aber nicht, dass man den Beziehungen zwischen den beiden Ländern politisch zu viel Bedeutung beimessen sollte.

Präsident Nkurunziza ist international mehr und mehr isoliert. Er braucht aber Unterstützung von außen um an Waffen zu gelangen und seine Generäle auszubilden - auch in Hinblick darauf, die Proteste im Land militärisch zu stoppen. Wie sehr braucht er dafür China?

Tatsächlich sucht er das, aber es ist noch völlig offen, ob er diese auch Hilfe bekommt und ob Peking das Spielchen mitmachen wird - angesichts der Tatsache, dass Burundi unbedeutend ist für China. Möchte China solche Beziehungen haben, wenn das Land doch gerade international verunglimpft wird? Da bin ich mir nicht so sicher.

Inwiefern nutzt Burundi die Partnerschaft mit China?

Neben dem wichtigen wirtschaftlichen Nutzen versucht Burundi auch diplomatische Unterstützung von Peking zu bekommen. Es ist ja die Rede davon, dass möglicherweise UN-Truppen im Land stationiert werden sollen. Burundi will natürlich sichergehen, dass China auch in der Zukunft weiterhin gegen solche Resolutionen im Weltsicherheitsrat stimmen wird.

Wie wahrscheinlich ist es, dass China sich auf die andere Seite schlägt, dem diplomatischen Druck aus der EU und der internationale Gemeinschaft nachgibt und das Regime in Bujumbura nicht mehr finanziert?

Der Druck der EU und des UN-Sicherheitsrats erhöht sich tatsächlich. Man muss beobachten, ob die Position Chinas sich ändern wird. Der Ton des UN-Generalsekretärs Burundi gegenüber ist härter geworden. Es ist also möglich, dass China sich anschließt und von Bujumbura einen relativen Abstand einnimmt.

Agathe Plauchut ist Forscherin bei der GRIP, der 'Groupe de Recherche et d'Information sur la Paix et la Sécurité', einem beglischen Think Tank, der sich mit Friedens- und Konfliktforschung beschäftigt. Plauchut ist Doktorandin im Bereich Zeitgenössische Geschichte. Sie unterrichtet Politik in der Universität von Aix-en Provence. Seit 1986 recherchiert sie zur politischen Situation und Sicherheitsfragen im Gebiet der Afrikanischen Großen Seen.

Das Gespräch führte Eric Topona