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Wirtschaft

Plattner tut Gutes und redet darüber

Er selbst nennt sich "Technologie-Guru" - der deutsche Unternehmer Hasso Plattner, Mitbegründer des Softwareunternehmens SAP in Walldorf. Mit seinem privaten Geld fördert er junge Unternehmen.

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Milliardär, Mäzen und Mitbegründer von SAP: Hasso Plattner

Den Aufsichtsrat von SAP leitet der 62-Jährige noch, doch aus dem Tagesgeschäft hat sich Plattner längst zurückgezogen. Statt dessen tritt er als Mäzen auf und gilt als einer der bedeutendsten privaten Wissenschaftsförderer in Deutschland. An der Universität Potsdam hat er das Hasso-Plattner-Institut gegründet und einen mit 50 Millionen Euro ausgestatteten Wagniskapitalfond aufgelegt, der zu 80 Prozent aus seinem Privatvermögen stammt.

Wirtschaftsstandort Deutschland

Wenn man Hasso Plattner nach seiner Meinung zum Wirtschaftsstandort Deutschland fragt, dann wird der gebürtige Berliner emotional: "Wir wollen nicht erfolgreich sein in diesem Land. Wir tun alles, damit wir uns möglichst behindern und höchstens noch vor dem Fernseher sitzen und Brezeln essen. So schlimm ist es."

Mit SAP gründete er einen Weltkonzern, er ist Ehrendoktor, Honorarprofessor und Ehrensenator. Das "Time Magazine Europe" bezeichnete Plattner vor ein paar Jahren als bedeutendste und einflussreichste Persönlichkeit der Informationstechnologie-Branche.

"Es mangelt uns nicht an Talent", sagt Plattner. "Wir haben in Deutschland zu lange auf zwei Dinge gesetzt: die Deutschland AG und den Mittelstand. Was wir brauchen, sind viele viele Unternehmen, die gegründet werden und wachsen. Manche, vielleicht auch viele von ihnen werden nicht überleben, aber manche werden es machen. Und die kommen eben im wesentlichen nicht aus dem direkten Umfeld der Deutschland AG oder den Resten der Deutschland AG."

Deutschland helfen

Sein mit 50 Millionen Euro ausgestatteter Wagniskapitalfond "Hasso-Plattner-Ventures" soll junge deutsche High-Tech-Unternehmen fördern und betreuen. Risikokapital, auch Venture Capital oder Wagniskapital genannt, ist meist zinslos überlassenes Geld, der Gewinn des Kapitalgebers entsteht, wenn es gut läuft, durch die Beteiligung am Unternehmen. Ist die Firma irgendwann entsprechend groß und erfolgreich, dann wird sie an die Börse gebracht und der Kapitalgeber kann seinen Anteil zu einem Vielfachen veräußern.

Neue Partnerschaft

Die ersten beiden Unternehmen, die Hasso-Plattner-Ventures unterstützt, sind die Erlanger Firma Inchron und die Dresdner Facton GmbH. Die beiden Firmen wurden unter rund 300 Bewerbern ausgewählt und mit Risikokapital ausgestattet. "Wir schauen in eine sehr rosige Zukunft mit dieser neuen Partnerschaft", sagt Peter Heuell, Geschäftsführer von Inchron. "Es ist für uns nicht das erste Mal, dass wir mit Wagniskapital arbeiten, wir sind bereits in den Jahren 2002 und 2003 finanziert worden. Wir haben damals die Produkte entwickelt und auf den Markt gebracht. Aber jetzt brauchen wir einen Partner, mit dem wir unsere Produkte auch weltweit vermarkten können."

Inchron ist Spezialist für so genannte eingebettete Systeme. Das sind unsichtbare, elektronische Helfer, wie der für Technologie zuständige Geschäftsführer Ralf Münzenberger erklärt: "Das kann ein Mobiltelefon sein, eine Waschmaschine oder ein Auto, wo rund siebzig dieser kleinen elektronischen Helfer mit eigenem Prozessor drin sind, die beispielsweise dafür sorgen, dass sie nicht gegen die Wand fahren, weil ihre ABS-Steuerung funktioniert. Und diese eingebetteten Systeme haben eins gemeinsam: Sie müssen rechtzeitig funktionieren, also schnell genug sein. Und genau solche Fehlerfälle zu überprüfen - ist es auch rechtzeitig?, funktioniert das System überhaupt? - dafür bieten wir Software an, damit unsere Kunden ihre Systeme überprüfen und zuverlässig bauen können."

Damit sparen Unternehmen viel Zeit, weil sie Fehlerquellen nicht erst beim Probelauf aufdecken, sondern schon in der Entwicklung. Die Firma Inchron ist ein Spinn-off, d.h. eine Ausgründung aus dem Lehrstuhl für Informatik der Universität Nürnberg-Erlangen. Heuell und Münzenberger waren Mitglieder in einem Forschungsprojekt und haben schon dort die Industrierelevanz ihrer Erfindung geprüft. Oft scheitern Projekte schon in dieser Phase an der fehlenden Finanzierung, da deutsche Banken risikobehaftete Unternehmen nur in den seltensten Fällen mit Krediten ausstatten. Bereits hier setzt Hasso Plattner mit seinem Fond an, der auch ganz kleine Hilfen gewährt. "Zum Beispiel finanzieren wir für drei Monate oder ein halbes Jahr ein Team, das an einem Businessplan, an einem Produktplan, an einer Innovation, die sie planen, arbeiten kann, ohne finanziell bankrott zu gehen." Eine Garantie, dass daraus etwas wird, haben die Geldgeber nicht.

Potsdamer High-Tech-Park

Die geförderten Forscher und Erfinder haben auch die Möglichkeit, Mitglied im Potsdamer High-Tech-Park zu werden. Dessen Idee beschreibt der Mäzen und Milliardär so: "Es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem sie intellektuell stimuliert werden, sich mit anderen Unternehmern unterhalten können und bei bestimmten Fragen eine Hilfestellung bekommen können von
unserer Service-Firma."

Diese Firma hilft zum Beispiel dabei, Patente in den USA anzumelden. Denn die jungen Firmen müssen zunächst einmal ihre Ideen rechtlich schützen, bevor sie sie auf den Weltmärkten präsentieren können.

Falsche Subventionskultur

Plattner hat ein klares Credo: Auf der einen Seite Hilfen und Fingerzeige geben und auf der anderen Seite hart fordern. "Wir haben eine Subventionskultur in Deutschland schon immer gehabt oder stark entwickelt, und das ist das Schlimmste überhaupt. Wenn jemand subventioniert wird, dann ist schon der halbe Dampf raus. Geld geben über Risikokapital, das heißt nicht subventionieren, sondern damit ermöglicht man es einer Firma zu wachsen", meint Plattner.

Das heißt für junge Erfinder und Unternehmer aber auch, andere mit ins Boot zu holen. Denn bei einer Finanzierung über Risikokapital erwirbt der Kapitalgeber nicht nur Anteile an der Firma und stellt sein Wissen und Können dem Unternehmen zur Verfügung, er greift teilweise auch aktiv in die unternehmerischen Tätigkeiten ein. Es ist eine strategische Partnerschaft. In den USA ist es völlig normal, sich als Gründer einen erfahrenen Helfer an die Seite zu holen, in Deutschland steckt dieses Geschäftsmodell hingegen noch in den Kinderschuhen.

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