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Welt

Plastikhäuser für die Umwelt in Nigeria

Ein Haus ganz aus Plastikflaschen? Was auf den ersten Blick wie eine verrückte Idee klingt, gibt es jetzt erstmals auch in Afrika, und zwar in Nigeria.

Haus im Bau mit Fundamenten aus Plastikflaschen, die mit Erde gefüllt sind (Foto: Yahaya Ahmed / DARE)

In Nordnigeria entsteht das erste Hause aus PET-Flaschen in Afrika

Das Prinzip ist einfach, aber effektiv: leere Plastikflaschen werden mit Sand und Schutt gefüllt, aufeinander geschichtet und mit Lehm oder Mörtel vermauert. Stabilisiert wird die Konstruktion mit Nylonschnur. Mit dieser Idee will der gelernte Zimmermann Andreas Froese die Umwelt schützen und Menschen, die in ärmlichen Verhältnissen leben, Perspektiven bieten.

Vor zehn Jahren gründete er deshalb im zentralamerikanischen Honduras die Firma ECO-TEC. Mittlerweile hat ECO-TEC über 50 Gebäude auf der ganzen Welt errichtet. Die haben sogar Erdbeben der Stärke 7,3 überstanden. Trotzdem sind die ersten Reaktionen meist verhalten, wenn Froese das Projekt vorstellt. Die Leute können sich kaum vorstellen, dass es funktioniert. Doch auf Skepsis folge oft Neugier, berichtet Froese: "Das führt dazu, dass viele Leute auf die Baustelle kommen. Dann können wir ihnen zeigen, wie wir das machen und vor allen Dingen, dass unser Baustoff - also eine normale PET Flasche - viel mehr aushält als ein normaler Ziegelstein."

Vor einem Jahr beschloss Froese, das Projekt nach Afrika zu tragen: Er baute in Uganda einen Wassertank. Nun hat er in Nigeria zusammen mit der Organisation DARE (Development Association for Renewable Energies) ein weiteres Projekt gestartet. In Kaduna entsteht zurzeit das erste Haus aus Plastikflaschen in Afrika. Die Flaschen dafür bekommen die frisch ausgebildeten Handwerker aus Hotels, Restaurants, Botschaften und normalen Haushalten. Die so entstehenden Häuser schonen auch später die Umwelt: der Strom kommt aus Solarenergie, es wird ein eigenes Abwassersystem und eine Aufbereitungsanlage für Trinkwasser geben.

Umweltschutz und Arbeitsbeschaffung

Wassertank aus Plastikflaschen, die mit Erde gefüllt sind (Foto: Yahaya Ahmed / DARE)

Wassertank aus PET-Flaschen

Einer der wichtigsten Aspekte des Projekts ist die Ausbildung von Jugendlichen. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit ist ein großes Problem in Nigeria. "Das ist eine tickende Zeitbombe", sagt Yahaya Ahmed, der Leiter von DARE. Denn die Jugendlichen sind frustriert und fühlen sich von der Regierung im Stich gelassen. Ein Schulabschluss ist keine Garantie auf einen Arbeitsplatz.

Hier setzten DARE und ECO-TEC an und können bereits erste Erfolge verbuchen, wie Yahaya Ahmed erzählt: "Bei den jüngsten Gewaltausbrüchen nach den Wahlen war keiner unserer Jungs beteiligt". Vorher seien das alles Randalierer gewesen. 15 junge Bettler habe DARE für das Projekt von der Straße geholt. Unter der Leitung von Andreas Froese lernten sie, die Flaschen richtig zu befüllen. "Plötzlich kamen dann fünfhundert junge Leute, die auch bei uns beschäftigt sein wollten", beschreibt Yahaya Ahmed die Folgen. Solch ein Andrang übersteige die Möglichkeiten des Projekts, aber Ahmed denkt schon weiter: "Wenn wir mit dem Flaschenhausprogramm weiter machen, können wir sicherlich viele junge Leute von der Straße bekommen, und zumindest haben wir dann das Gewaltpotential einigermaßen reduziert."

Als nächstes eine Schule aus Flaschen

Ein verputztes Haus aus Plastikflaschen (Foto: Yahaya Ahmed / DARE)

Plastikflaschen statt Ziegel - Arbeitsbeschaffung für junge Männer

Langfristig soll in Nigeria ein Ausbildungszentrum entstehen: während des Baus von mehreren Häusern werden gleichzeitig junge Erwachsene aus der Region ausgebildet. Diese werden im Januar den Bau einer Schule leiten und ihrerseits die Schüler lehren, Ziegelsteine aus Flaschen zu produzieren. Einer der beteiligten Jugendlichen berichtet, dass er zunächst nicht geglaubt habe, dass er mit so einer Technik arbeiten könne. Die Ausbildung habe sein Selbstbewusstsein gestärkt: "Ich bin stolz, einer der wenigen Menschen in Afrika zu sein, der diese Technik beherrscht. Und ich werde sie an andere weiter vermitteln."

Wer mit Plastikflaschen baut, spart auch Geld. Eine Konstruktion aus PET-Flaschen ist um einiges billiger als eine aus herkömmlichen Baumaterialien. In Nigeria kostet ein Ziegelstein etwa ein Drittel von dem, was ein durchschnittlicher Arbeiter am Tag verdient.

Eine Brücke zwischen Europa und Afrika

Probleme bereitet jedoch immer wieder die Finanzierung solcher Projekte. Trotz der langen Erfolgsgeschichte von ECO-TEC ist es schwierig Sponsoren zu finden. Meist sind es private Firmen oder kleine Gemeinden, die diese Projekte finanzieren. Für das Flaschenhaus in Kaduna floss auch Geld aus Deutschland: Die GLS-Bank, eine Genossenschaftsbank, die sich auf soziale und ökologische Geldanlagen konzentriert, und die BINGO-Umweltstiftung des Landes Niedersachsen haben das Projekt gefördert. Yahaya Ahmed hofft jetzt auf mehr Unterstützung von Seiten der nigerianischen Regierung. Solche Projekte würden nicht nur der Umwelt dienen und Arbeitsplätze schaffen, sie seien auch eine Brücke zwischen Europa und Afrika: "Es fließt wirklich in beide Richtungen. Wir sind wirklich sehr begeistert davon." Ahmed weiß, wovon er spricht, denn er hat selbst lange in Deutschland gelebt und unter anderem Gedichte von Goethe in seine Muttersprache Haussa übersetzt.

Autorin: Maryam Lawal
Redaktion: Thomas Mösch

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